US-Präsident: Epstein-Affäre wird zu Trumps größter Belastung

Wenn man denkt, es könne nicht grotesker werden, liefert das politische Washington in der Trump-Ära die nächste Eskalationsstufe. In der sogenannten Epstein-Affäre, die den US-Präsidenten seit Tagen verfolgt, wurde jetzt eine neue Qualität erreicht, um die Debatte zu ersticken.
So entschied das von den Republikanern geführte Repräsentantenhaus am Dienstag, die für August angesetzte Sommerpause vorzuziehen – um eine Abstimmung über von den Demokraten unterstützte Anträge im Kontext der umstrittenen Epstein-Akten zu vermeiden.
Trump initiiert derweil ein Ablenkungsmanöver nach dem anderen: Er verklagte das „Wall Street Journal“ wegen einer Enthüllungsstory über Jeffrey Epstein. Neuerdings behauptet er, Ex-Präsident Barack Obama habe im Zusammenhang mit der Russland-Affäre 2016 einen Staatsstreich geplant und müsse ins Gefängnis.
Schwirrt der Kopf? Das soll er auch. „Flooding the zone“ – den Raum fluten – ist eine bewährte Trump-Methode: Immer neue Vorwürfe und Tiraden machen es schwer, echte Politik von Propaganda zu unterscheiden. Das Ziel: die Massen zermürben, bis sie abschalten.
Denn die Affäre Epstein ist gefährlich für Trump. Er war mit dem Finanzmanager befreundet, der sich 2019 in Haft das Leben nahm, nachdem Epstein Hunderte Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen zur Last gelegt wurden.
Seit Trump sein Versprechen gebrochen hat, potenziell belastende Ermittlungsakten offenzulegen, laufen Teile seiner Basis Sturm. Seine Regierung wirft den wütenden Anhängern deshalb immer wieder einzelne Brocken hin, wie etwa die Ankündigung, Epsteins langjährige Partnerin, die verurteilte Sexualstraftäterin Ghislaine Maxwell, erneut befragen zu wollen – als Symbol vermeintlicher Transparenz.
MAGA macht sich selbstständig
Trump steht unter Zugzwang, denn das Thema wird nicht verschwinden. Oft wird MAGA, die „Make America great again“-Bewegung, mit Trump gleichgesetzt. Doch das stimmt nur zum Teil. Trump kontrolliert seine Regierung, nicht aber ein unberechenbares, ideologiegetriebenes Netzwerk, das längst Hunderte Wortführer hat und ihn überdauern kann.
Im Zweifel könnte sich MAGA sogar gegen ihn wenden. Noch ist dieser Punkt nicht erreicht, aber das Risiko wächst. Politisch akut schaden wird ihm die Epstein-Affäre erst, wenn sich republikanische Spitzen von ihm abwenden. Doch das Gegenteil ist aktuell der Fall. Die Demokraten befinden sich in einem desolaten Zustand und die führenden Republikaner tragen seinen Kurs mit, weil er an anderer Stelle liefert, bei der Einwanderung und der Wirtschaft.