Deutsche Bahn: „Ich habe den Eindruck, es gibt ausreichend Interessenten“
Bingen, Kelberg, Kröv, Wittlich, Berlin. Bingen am Rhein, die MS Mainz wartet am Anleger auf hohen Besuch. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) fährt im Rahmen seiner Sommerreise mit dem 80 Jahre alten Schiff, das sich seit 50 Jahren im Besitz der Schifffahrtsverwaltung befindet und einst Staatsoberhäupter transportiert hatte.
Hier steht die Schifffahrt im Rhein immer wieder vor der Herausforderung Niedrigwasser. Schnieder besichtigt auf seiner Bootstour mehrere Maßnahmen zur lokalen Engstellenbeseitigung, „Rheinvertiefung“, wie es umgangssprachlich genannt wird, fachlich aber nicht korrekt ist, wie auch der Minister erst kurz vor der Reise gelernt hatte.
Vom Rhein geht es zur Mosel, zur verbeulten Schleuse in St. Aldegund, die bald ein neues Tor bekommt. Auch den Lückenschluss der A1 in Kelberg besucht Schnieder – gäbe es dort nicht eine 25 Kilometer lange Lücke, könnten Autofahrer von Norddeutschland nach Spanien durchfahren.
Doch ob auf der Autobahn, dem Rhein oder der Mosel, ein Thema kommt bei jeder Station auf: die Deutsche Bahn. Nur wenige Tage vor seiner Sommerreise hat Schnieder Bahn-Chef Richard Lutz entlassen. Beim Amtsantritt im Mai hatte Schnieder dem Bahn-Chef noch eine Schonfrist eingeräumt. Zeit, sich zu beweisen, so hieß es aus dem Ministerium. Diese scheint Lutz aus Sicht des Verkehrsministers nicht genutzt zu haben – und so hatte er den Bahnchef am 100. Tag als Minister abberufen.
Eine Personalagentur soll nun eine geeignete Nachfolge suchen. Und zwar möglichst schnell, denn die bundeseigene Bahn steckt in einer tiefen Krise. Wie es weitergehen könnte? Auch darüber spricht Schnieder auf der Sommerreise.