Vermögen: Warum gerechte Erbverteilung nicht immer die beste Lösung ist
Düsseldorf. Frau Roglmeier. Sie sagen, ein kleines bisschen Ungerechtigkeit kann beim Erben Frieden schaffen. Wie ungerecht soll ich mein Erbe planen?
Roglmeier: So ungerecht, wie die Kinder das zulassen. Nehmen wir einen Standardfall: Mutter, Vater, zwei Kinder. In der Realität kommt es selten vor, dass der Nachlass so strukturiert ist, dass die Kinder exakt gleiche Vermögensgegenstände erben. Ich empfehle, erstmal mit den Kindern zu sprechen, um zu klären, wer was will. Da erlebt man oft Überraschungen.
In welche Richtung?
Roglmeier: Die Wünsche der Kinder liegen oft anders, als es Eltern denken. Als meine Eltern noch lebten, haben sie mit uns ein sogenanntes Generationengespräch geführt: Es gab ein Ferienhaus in Spanien und eine Mietwohnung in München zu vererben. Damals schätzten sie den Wert des Ferienhauses deutlich höher ein und meine Schwester hing an dem Haus. Ich wollte lieber die Mieteinnahmen. Als unsere Eltern starben, war die Münchner Immobilie deutlich mehr wert. Wir haben uns aber nicht gestritten, weil wir die Verteilung selbst entschieden haben und wussten, was auf uns zukommt. Gerecht ist immer das, was man selbst als gerecht empfindet.