Börsengang: Stada-Chef verkündet Pläne für IPO im Herbst
Frankfurt. Der Arzneihersteller Stada nimmt einen neuen Anlauf für einen milliardenschweren Börsengang in Frankfurt. „Wir bereiten einen Börsengang im Herbst vor, sofern die Rahmenbedingungen stimmen“, sagte Stada-Chef Peter Goldschmidt der Deutschen Presse-Agentur.
Anders als im Frühjahr sei das Umfeld an den Finanzmärkten derzeit stabiler. „Außerdem ist es im momentanen Umfeld ein Vorteil, dass wir so gut wie kein Geschäft in den USA haben“, sagte Goldschmidt.
Stada mit Sitz in Bad Vilbel bei Frankfurt wollte schon im April an die Börse. Die Pläne wurden aber vertagt, da die Aktienkurse infolge der Zolldrohungen des US-Präsidenten Donald Trump stark schwankten.
Der Börsengang im zweiten Anlauf könnte bereits in diesem Herbst stattfinden. Die formelle Ankündigung werde in naher Zukunft erfolgen, heißt es in dem Unternehmen. Doch auch ein Unternehmensverkauf bleibt für Stada eine Option.
IPO-Absagen auch für Finanzinvestoren problematisch
Der IPO-Markt steckt in der Krise. Neben Stada haben im Sommer gleich zwei Unternehmen binnen weniger Tage ihre Börsenpläne abgesagt: der Online-Autoteilehändler Autodoc und Medizintechnikanbieter Brainlab.
Das ist nicht nur für die Unternehmen selbst eine schlechte Nachricht, sondern auch für Finanzinvestoren – im Falle Stadas sind das der US-Investor Bain Capital und das britische Haus Cinven. Die Private-Equity-Branche ist auf die Börse als Möglichkeit zum Ausstieg aus den Unternehmen in ihren Portfolios angewiesen. Die vermehrten IPO-Absagen zeigen indes, dass es Private-Equity-Firmen weiterhin schwerfällt, an der Börse angemessene Preise für ihre Portfoliofirmen zu erzielen.
„Die Lage am IPO-Markt im ersten Halbjahr war nicht einfach“, sagt Philipp Suess, der bei der US-Investmentbank Goldman Sachs das Aktienkapitalmarktgeschäft in Deutschland und Österreich verantwortet. Auf das zweite Halbjahr blickt der Banker verhalten optimistisch: Die Pipeline in Europa sei gut gefüllt, sagt er.
Investoren konzentrierten sich auf Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen – größere IPO-Kandidaten seien besonders gefragt. Aber am Ende müssten alle Faktoren für einen erfolgreichen IPO stimmen, schränkt Suess ein.
Wie Stadas Rückkehr aufs Parkett gelingen soll
Wie viele Anteile die Stada-Eigentümer Bain Capital und Cinven bei einem Börsengang abgeben könnten, ist nicht bekannt. Sie hatten den Arzneihersteller mit zuletzt rund 11.600 Beschäftigten 2017 für 5,3 Milliarden Euro gekauft und im Jahr danach von der Börse genommen.
Gelingt der Börsengang, würde der Pharmakonzern also nach sieben Jahren aufs Parkett zurückkehren. Die Stada-Eigentümer suchen schon länger den Ausstieg, die Gespräche verliefen aber zuletzt zäh.
Für den geplanten Börsengang, bei dem Stada von der Deutschen Bank und den US-Häusern Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley beraten wird, hat das Unternehmen eine neue Führungsstruktur vorbereitet: So soll Stada künftig unter einer Holding nach niederländischem Recht agieren. „An der Zentrale in Bad Vilbel würde sich aber im Fall eines Börsengangs nichts ändern“, sagte Goldschmidt.
Wachstum mit Übernahmen
Im ersten Halbjahr hat Stada besonders von einem zunehmenden Geschäft mit Spezialmedikamenten profitiert. Bei rezeptfreien Arzneien, die unter einer schwachen Erkältungssaison litten, sowie Nachahmermitteln konnte Stada dagegen wenig zulegen. Insgesamt stieg der Umsatz währungsbereinigt um sechs Prozent auf gut 2,1 Milliarden Euro und der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fünf Prozent auf 481 Millionen Euro.
Stada war schon in den vergangenen Jahren auch dank einer Serie von Übernahmen gewachsen, hat dabei aber rund 5,7 Milliarden Euro Schulden angehäuft. Um für Investoren attraktiver zu werden, hatte das Unternehmen sein Russlandgeschäft abgespalten – es galt als Belastung für die Verkaufspläne. Bei einem Börsengang würde sich die Verschuldung von Stada nach Goldschmidts Worten etwa halbieren.
Mit Agenturmaterial.