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Abbaugebiet seltener Erden, Präsident Xi (o.r.): Geopolitisches Machtinstrument. Foto: Sabine Gusbeth (2), picture alliance, AP [M]

Seltene Erden„Es gibt kein Leben im Fluss“ – Besuch im größten Abbaugebiet der Welt

Ohne seltene Erden läuft keine Hightech-Industrie. China dominiert den Markt seit Jahren. Doch das hat einen hohen Preis für Mensch und Umwelt, wie unsere Korrespondentin in Jiangxi erlebt hat.Sabine Gusbeth 29.12.2025 - 13:53 Uhr Artikel anhören

Longnan (Jiangxi). Liu Wei schenkt dampfend heißen Grüntee ein. Das Wasser komme aus dem Stausee in der Nähe, versichert er schnell, als er die braunen Tontässchen herüberschiebt. Denn der nahe gelegene Fluss sei kontaminiert, sagt Liu – durch den Abbau seltener Erden. Schon seit den 90er-Jahren, als er noch ein Kind war, gebe es „kein Leben im Fluss“.

Liu lebt mit seiner Familie tief im Süden der ostchinesischen Provinz Jiangxi, nahe der Stadt Longnan. Auf den ersten Blick wirkt die von grünen Hügeln geprägte Landschaft idyllisch. Nur die tiefrote Erde, die zwischen den Bäumen hervorschimmert, deutet darauf hin, dass der Boden reich an eisenhaltigen Mineralien ist.

Die Region ist das weltweit größte Abbaugebiet für sogenannte schwere seltene Erden. Jener weltweit begehrten Metalle, die ins Zentrum des geopolitischen Streits zwischen China und dem Westen gerückt sind.

Seltene Erden sind das Öl des 21. Jahrhunderts

Ginge es nach Dorfbewohner Liu, sollten alle Minen zur Förderung seltener Erden geschlossen werden. „Die Umweltverschmutzung ist zu stark“, sagt er. Doch derartige Kritik kann in China schnell gefährlich werden. Deshalb ist Liu Wei nicht der richtige Name des Enddreißigers.

Was Liu beschreibt, ist mehr als ein lokales Umweltproblem. Es ist ein geopolitischer Sprengsatz. Seltene Erden sind das Öl des 21. Jahrhunderts, unverzichtbar für Elektroautos, Windräder, Smartphones, Raketen und Hightech-Waffen. Und China kontrolliert fast die gesamte Wertschöpfungskette: vom Abbau über die Verarbeitung bis zur Weiterveredelung in Hochleistungsmagneten.

Dieses Quasimonopol setzt Peking zunehmend als politisches Druckmittel ein: Als Reaktion auf den Zollkonflikt mit den USA führte die Staatsführung Anfang April einen Lizenzzwang für die Ausfuhr der Metalle ein. Der Export stoppte vorübergehend fast vollständig. Bei vielen Industrieunternehmen, insbesondere in der Autoindustrie, drohten deshalb Bänder stillzustehen.

Ein Besuch in Longnan zeigt, wie groß die Eingriffe in die Umwelt sind, um die seltenen Erden aus den Hügeln herauszupressen. Und macht klar, wie die Menschen in dieser Region leiden – auch wegen des anhaltenden Technikhungers in der westlichen Welt.

Sowohl die geopolitische Bedeutung als auch die große Umweltbelastung machen das Thema seltene Erden in China äußerst sensibel. Regelmäßig werden Journalisten bei der Recherche in Abbaugebieten von Sicherheitskräften gestoppt, werden Interviewpartner eingeschüchtert. Auch das macht die Einblicke, die das Handelsblatt vor Ort erhielt, besonders.

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