Drohnen: Frankreich stoppt Tanker mit möglichen Verbindungen zu Drohnenflügen
Berlin. Die französischen Behörden haben nach Angaben von Präsident Emmanuel Macron einen Tanker gestoppt, der nach Ansicht von Experten in die Drohnenflüge über Dänemark verwickelt gewesen sein könnte. Mittlerweile hat die französische Polizei den Kapitän und ersten Offizier eines mutmaßlich russischen Schattenflotten-Tankers festgenommen. Dies teilten die Behörden am Donnerstag mit.
Ministerpräsident Sébastien Lecornu dankte auf der Plattform X den Marinekommandos für ihren Einsatz am Wochenende. Ihre Aktion habe zur Festnahme der beiden Besatzungsmitglieder beigetragen.
Die Behörden lehnten eine Stellungnahme dazu ab, ob die Untersuchung mit den Drohnen-Vorfällen in Dänemark zusammenhängt. Das Schiff war in der Nähe von Gebieten beobachtet worden, als dort Drohnen gemeldet wurden. Der Kreml hatte am Mittwoch erklärt, er habe keine Informationen über das Schiff.
„Wir waren in der Lage, ihn zu stoppen“, erklärte der französische Präsident Emmanuel Macron am Dienstag am Rande eines Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen. „Es gab einige sehr schwerwiegende Verfehlungen der Mannschaft, weshalb es in diesem Fall ein Gerichtsverfahren gibt.“ Weitere Einzelheiten nannte er nicht.
Die Staatsanwaltschaft in Brest führt die Ermittlungen gegen das Schiff mit dem Namen „Boracay“, das derzeit vor der westfranzösischen Stadt Saint-Nazaire vor Anker liegt. Der zuständige Staatsanwalt teilte mit, die beiden Personen in Gewahrsam hätten sich als Kapitän und erster Offizier zu erkennen gegeben. Ihnen werde vorgeworfen, keinen Nachweis über die Nationalität des Schiffes erbracht und Anweisungen nicht befolgt zu haben.
Tanker steht auf Sanktionsliste der EU
Macron bezeichnete die Schattenflotte als wichtigen Teil des russischen Geschäftsmodells. Daher sei es wichtig, Druck auf sie auszuüben. Zudem sei es wichtig, die Hintergründe der Drohnen-Vorfälle in Dänemark aufzuklären, bei denen in der vergangenen Woche unbemannte Flugzeuge den Luftraum verletzt hatten.
Die „Boracay“ steht auf den Sanktionslisten Großbritanniens und der Europäischen Union. Daten des Anbieters MarineTraffic zufolge verließ sie am 20. September den russischen Hafen Primorsk.
Unter dem Begriff der Schattenflotte werden alternde Öltanker verstanden, die unter undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen operieren, um wegen des Ukrainekrieges verhängte Sanktionen zu umgehen. Zwischen 600 und 1000 Schiffe transportierten trotz der westlichen Sanktionen russisches Öl und Gas, sagte Macron.