Führungskräfte: Soll die Amtszeit von CEOs zeitlich begrenzt werden?
Düsseldorf. Wer jahrzehntelang im selben Konzern bleibt und Stück für Stück die Karriereleiter emporklettert, macht eine klassische „Kaminkarriere“: jahrelang steil nach oben, aber stets im selben Schacht. Markus Haas hat einen solchen Aufstieg bei Telefónica Deutschland hingelegt: Gleich nach dem Jurastudium stieg er bei der Vorgängerfirma Viag Interkom ein. Haas blieb fast drei Jahrzehnte im Konzern, vor acht Jahren übernahm er den Vorstandsvorsitz.
Wie das Handelsblatt berichtete, soll er nun gemeinsam mit zwei weiteren Vorständen vom spanischen Mutterkonzern Telefónica abgesetzt werden. Insidern zufolge fehlten ihm nach acht Jahren an der Spitze neue Ideen und eine Vision für die Zukunft des Konzerns.
Die Nachricht wirft eine grundsätzliche Frage auf: Sollten Unternehmen die Amtszeit von CEOs begrenzen? Das Handelsblatt hat bei der Forscherin Fabiola Gerpott von der WHU – Otto Beisheim School of Management nachgefragt.
Lesen Sie hier das Interview mit Fabiola Gerpott:
Frau Gerpott, warum setzen Unternehmen so gerne Eigengewächse an die Spitze?
Eigengewächse, also Führungskräfte mit langjähriger Erfahrung im Konzern, kann man mit erfahrenen Bergführern vergleichen: Sie kennen fast jeden Pfad, haben schon eine Menge Wetterwechsel erlebt und sicher auch schon das ein oder andere versteckte Seil entdeckt. Diese Vertrautheit spart Anlaufzeit, reduziert Koordinationskosten und stabilisiert Stakeholder-Beziehungen. Das ist gerade direkt nach der Übernahme einer CEO-Position ein Plus. Aber dieselbe Vertrautheit birgt das Risiko von weniger Innovation.