Morning Briefing: Noch erfolgreicher als der MSCI World – die Aktie dahinter
MSCI: Warum die Aktie erfolgreicher als der Index ist
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Frage: Welche Form der Geldanlage war in den vergangenen Jahren noch erfolgreicher als ein Investment in den Welt-Aktienindex MSCI World? Antwort: Eine Anlage in jenes Unternehmen, das den MSCI World erdacht hat – und noch unzählige weitere Börsenindizes.
Investorengelder im Wert von mehr als 17 Billionen Dollar sind an MSCI-Indizes gekoppelt. Der Datenanbieter dahinter verlangt Gebühren für die Nutzung und hat so im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Dollar eingenommen und einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet.
Das Resultat: Während es der MSCI World seit November 2007 auf einen durchaus ansehnlichen Gesamtertrag von 285 Prozent brachte, kommt die MSCI-Aktie auf die rund achtfache Rendite, wie unsere Grafik zeigt.
Henry Fernandez ist Vorstandschef von MSCI. Er startete seine Karriere bei der US-Bank Morgan Stanley und baute dort das Geschäft mit Aktienindizes aus, das Morgan Stanley 2007 abspaltete und als MSCI an die Börse brachte. Der Name MSCI steht für Morgan Stanley Capital International.
- „Regional sehen wir eine steigende Nachfrage nach Indizes aus Europa und den Schwellenländern. Das liegt vor allem an der Schwäche des Dollars. Hinzu kommt, dass Investoren in Europa und speziell in Deutschland eine Art Renaissance sehen.“
- Eine steigende Nachfrage gebe es auch für Indizes, „die sich nach bestimmten Faktoren richten, zum Beispiel auf Unternehmen mit guten Bilanzen, mit niedriger Volatilität oder hohen Dividenden“.
- Und schließlich arbeite MSCI verstärkt an Indizes, die die Wertentwicklung von nicht börsennotierten Assets abbilden. Da es hierzu logischerweise keine Börsenkurse gibt, nutzt MSCI laut Fernandez die Entwicklung von Fonds aus den jeweiligen Bereichen, etwa „Private-Equity-Fonds mit verschiedenen Ausrichtungen in verschiedenen Regionen“.
Von der guten Entwicklung der MSCI-Aktie profitiert Fernandez übrigens in ganz besonderem Maße: Mit knapp drei Prozent ist er auch der größte Einzelaktionär seines Arbeitgebers.
Telefónica Deutschland vor Chefwechsel
Markus Haas arbeitet seit fast drei Jahrzehnten bei Telefónica Deutschland. Seit acht Jahren führt der 53-Jährige den Vorstand des Telekommunikationsunternehmens.
Doch jetzt bereitet das Management der Muttergesellschaft in Madrid nach Handelsblatt-Informationen seine Ablösung vor und hat offenbar bereits einen Headhunter mit der Suche nach einem Nachfolger beauftragt. Auch andere Deutschland-Vorstände des Unternehmens sollen Insidern zufolge ausgetauscht werden.
Deutsche Bahn lässt sich nicht hetzen
Die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim sollte zum Vorzeigeprojekt der neuen Sanierungsstrategie der Deutschen Bahn (DB) werden. Doch trotz Milliardeninvestition und monatelanger Sperrung bleibt die Strecke anfällig für Verspätungen.
Jetzt will die Bahn die Riedbahn erneut entlasten. Die DB plant, bei der Bundesnetzagentur ab 2027 eine sogenannte Pufferzone für insgesamt acht viel befahrene Strecken zu beantragen, darunter die Riedbahn. Auf überlasteten Abschnitten sollen dort zusätzliche Zeitreserven in die Fahrpläne eingebaut werden.
Damit würde die Fahrzeit der Züge künstlich verlängert. Das geht aus einer Präsentation der DB-Infrastrukturtochter hervor, die Handelsblatt-Reporterin Josefine Fokuhl vorliegt.
Merz will Verbrenner-Aus verhindern
Kurz vor dem Auto-Dialog der Bundesregierung pocht Kanzler Friedrich Merz auf eine Korrektur der EU-Vorschrift, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden dürfen. Dem Sender NTV sagte er: „Meine klare Vorstellung ist, dass wir dieses sogenannte Verbrennerverbot in der Form nicht aufrechterhalten, sondern dass wir wirklich mit Technologieoffenheit in die Diskussion der nächsten Wochen und Monate gehen“, sagte Merz.
Das klingt nach Koalitionskrach, denn führende SPD-Politiker hatten zuvor bekräftigt, dass sie am Verbrennerverbot 2035 festhalten wollen. Allerdings ist diese Linie auch bei den Sozialdemokraten umstritten: So setzt sich der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies, der auch im Aufsichtsrat von Volkswagen sitzt, für eine Änderung ein.
Nummer fünf lebt!
Verkehrte Welt: In Italien, wo die Ministerpräsidenten traditionell noch schneller wechseln als die Fußballtrainer, regiert Giorgia Meloni bereits seit knapp drei Jahren weitgehend unangefochten.
Frankreich hingegen hat in den vergangenen zwei Jahren bereits fünf Premierminister verschlissen. Gestern ist auch Regierungschef Sébastien Lecornu zurückgetreten, nach nicht einmal einem Monat im Amt und kaum 14 Stunden nach der Bekanntgabe seines Kabinetts.
Dann am Abend die überraschende Wende: Emmanuel Macron beauftragte Lecornu mit der Bildung einer möglichen neuen Regierung. Der Präsident habe Lecornu aufgefordert, „bis Mittwochabend abschließende Verhandlungen“ über eine „Aktionsplattform“ zu führen, teilte der Élysée-Palast mit. Laut der französischen Verfassung darf Macron Lecornu erneut als Premier ernennen. Es blieb aber unklar, was genau Lecornus aktueller Auftrag ist.
Das Grundproblem: Keine Fraktion im französischen Parlament verfügt über eine Mehrheit. Macron versucht schon seit einem Jahr, eine stabile Koalition zusammen mit den konservativen Republikanern zu schaffen.
Gescheitert war Lecornu nun an der Empörung der Republikaner über die Personalie Bruno Le Maire. Der ehemalige Wirtschafts- und Finanzminister hätte zum Verteidigungsminister ernannt werden sollen. Das verärgerte aber die Republikaner. Denen hatte Le Maire ursprünglich angehört, ist aber vor Jahren zu Macrons Lager übergelaufen.
Gestern schrieb Le Maire dann auf „X“: Er habe Macron angeboten, sich unverzüglich aus der Regierung zurückzuziehen, und der Präsident habe seinen Vorschlag angenommen.
Kaum Frauen im syrischen Parlament
Syrien hat die Ergebnisse der ersten Parlamentswahl seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad bekannt gegeben. Als Gewinner gingen dabei heute vor allem sunnitische Kräfte sowie Stammesführer hervor, während Frauen und Minderheiten kaum vertreten sind. Von 140 Sitzen gingen nur sechs Sitze an Frauen, vier an die Minderheit der Alawiten und zwei Sitze an Christen.
Die syrische Bevölkerung hatte bei der Wahl keine direkte Gelegenheit, die Abgeordneten zu wählen. Stattdessen wurden in regionalen Gremien rund 6000 Wahlleute bestimmt, die am Sonntag dann aus ihren Reihen die Parlamentarier wählten.
Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa werde Ungleichheiten bei den Ergebnissen berücksichtigen, versicherte der Sprecher der Wahlkommission. Al-Scharaa wird kommende Woche weitere 70 Mitglieder und damit ein Drittel des insgesamt 210 Sitze zählenden Parlaments selbst bestimmen.
An dieser Stelle könnte Emmanuel Macron auf eine Idee kommen. Eine neue französische Verfassung, laut der der französische Präsident ein Drittel der Abgeordneten in der Nationalversammlung selbst bestimmen darf: Das würde doch bestimmt viele seiner Probleme mit der Mehrheitsbeschaffung lösen.
Ich wünsche Ihnen einen stabilen Dienstag.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt