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VW78 Prozent mehr verkaufte E-Autos, die Absatzzahlen alarmieren trotzdem

Der Konzern hat bis Ende September mehr Elektrofahrzeuge abgesetzt als im gesamten Vorjahr. Der Boom verliert jedoch an Fahrt – und zwei einstige Margenbringer geraten zum Totalausfall.Lazar Backovic 10.10.2025 - 12:06 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Neufahrzeuge aus dem VW-Werk in Zwickau: Wachstum auf 6,6 Millionen Fahrzeuge. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Düsseldorf. Volkswagens Elektroauslieferungen steigen in Europa zwar weiter kräftig an – allerdings lässt die Dynamik der E-Wende bei dem Autobauer nach. Das zeigen aktuelle Auslieferungszahlen der Wolfsburger vom Freitag. Demnach zählte der VW-Konzern zwischen Januar und September 522.600 vollelektrische Auslieferungen in Europa, 78 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Zum Vergleich: Noch im ersten Halbjahr lag das Plus gegenüber dem Vorjahr bei 89 Prozent, im ersten Quartal sogar bei 112 Prozent. Im gesamten Jahr 2024 lieferte der Volkswagen-Konzern 447.900 batterieelektrische Fahrzeuge auf seinem Heimatkontinent aus. Diesen Wert haben die Wolfsburger jetzt schon überschritten, allerdings flacht die steile Aufwärtskurve aus den ersten Monaten des Jahres ab.

Die Entwicklung des Elektrohochlaufs in Europa ist entscheidend für die CO₂-Ziele des Konzerns. Werden diese nicht eingehalten, müssen Hersteller Strafzahlungen an Brüssel leisten.

Laut einem Screening des Thinktanks ICCT Europe lag der VW-Konzern bis einschließlich August noch zwölf Gramm über dem vorgeschriebenen Flottengrenzwert aus Brüssel – Anfang des Jahres waren es 17 Gramm.

Neuwagen vom Elektrobus Volkswagen ID.Buzz: Der Marktanteil von VW bei Elektroautos lag auf dem Heimatkontinent zuletzt bei 27 Prozent. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

„Damit ist Volkswagen unter den großen europäischen Autobauern noch am weitesten von seinem Zielwert entfernt, bewegt sich jedoch gleichzeitig mit größter Geschwindigkeit in Richtung Zielkorridor“, sagt ICCT-Europa-Chef Peter Mock. Die September-Daten veröffentlicht die Organisation im Laufe des Oktobers.

Neue Modelle als Hoffnungsträger

Die EU hatte den Herstellern auf Druck der Autolobby zuletzt mehr Zeit eingeräumt, um die vereinbarten CO2-Vorgaben zu erreichen. So drohen Strafzahlungen erst nach 2027, sollten die Vorgaben bis dahin nicht erfüllt sein. Ursprünglich hätte die EU bereits nach diesem Jahr Strafen verhängen können.

Sollte VW die Grenzwerte in diesem Jahr übertreten, müsste der Konzern bis 2027 umso mehr Elektroautos verkaufen, um die Ziele zu erreichen und Strafzahlungen zu vermeiden.

Helfen sollen dabei vor allem neue Einstiegsmodelle wie der ID.Polo, den der Konzern bei der diesjährigen IAA in München präsentierte und der ab 2026 für rund 25.000 Euro Startpreis auf den Markt kommen soll. Auch die Konzernschwestern Skoda und Cupra bieten auf der gleichen technischen Plattform Einstiegsstromer in dem Segment an.

„Der ID.Polo soll in seinem Segment die Nummer eins in Deutschland und auch in Europa werden“, sagte VW-Markenvertriebsvorstand Martin Sander kürzlich der Fachzeitschrift „Automobilwoche“.

Derzeit verkaufen sich in der EU vorwiegend die VW-Elektromodelle ID.3 und ID.4 sowie Skodas Einstiegsstromer Elroq. Europas Bestseller bleibt allerdings Teslas Model Y. Bei den Marktanteilen liegt VW dennoch mit 27 Prozent klar vorn. In Westeuropa war von Januar bis September jedes fünfte ausgelieferte Fahrzeug ein reiner Stromer – ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei zwölf Prozent.

Globale Herausforderungen

Schaut man auf die weltweiten Auslieferungszahlen über alle Antriebsstränge hinweg, stagnierten die Werte des Konzerns. Die Zahl stieg leicht um 1,2 Prozent auf weltweit 6,6 Millionen Auslieferungen. Vor allem in Nordamerika und China verlieren die Wolfsburger weiter Marktanteile. Auch die Absatzzahlen der Premiummarken Audi und Porsche sacken im Vergleich zum Vorjahr weiter ab.

Bei Audi zehren Strafzölle und Wechselkurseffekte die ohnehin geringen Margen auf – laut Konzernkreisen verdient Audi in den Vereinigten Staaten derzeit keinen Cent. Auch in China verliert Audi kontinuierlich Marktanteile. In Europa kommt der Hersteller aus Ingolstadt laut den Zahlen des Branchendiensts Dataforce bei seinen Elektroautos nur auf eine Privatkundenquote von gut 18 Prozent, der geringste Wert unter allen elektrifizierten Marken.

Autohersteller

Porsche will nicht in den USA produzieren

„Audi ist für Privatkunden schlichtweg zu teuer“, mahnt ein Händler. Auch Christian Schowalter, Audi-Händler und Beiratssprecher für die Marke im deutschen Volkswagen- und Audi-Partnerverband, sagt: „Wir brauchen wieder höhere Stückzahlen. Unsere Kostenstruktur ist nicht auf die niedrigen Verkaufszahlen ausgerichtet.“ In Deutschland lieferte Audi laut Kraftfahrt-Bundesamt in den ersten neun Monaten vier Prozent weniger aus als noch im Vorjahreszeitraum. Weltweit fiel der Absatz um knappe fünf Prozent.

Noch schwerer als Audi traf es zuletzt die Sportwagentochter Porsche. Nach neun Monaten liegen die Auslieferungen mit 212.509 Fahrzeugen weltweit sechs Prozent unter Vorjahr. Besonders China bleibt ein Problem: Dort sackten die Verkäufe um 26 Prozent ab.

Porsche setzt auf Elektrifizierung

Auch in Europa schwächelt die Nachfrage, im Heimatmarkt Deutschland gingen die Auslieferungen sogar um 16 Prozent zurück. Nachholeffekte aus 2023 und Angebotslücken bei den Baureihen 718 und Macan belasteten zusätzlich. Selbst die Sportwagen-Ikone 911 verzeichnete bei den Auslieferungen bis September ein Minus von fünf Prozent.

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Porsches Marge im Gesamtjahr dürfte nur noch leicht positiv sein und weniger als zwei Prozent betragen. Der Sportwagenbauer musste Milliarden abschreiben, weil er seine bestehenden Elektropläne nach hinten verschiebt und stattdessen wieder mehr in die Auffrischung margenstarker Verbrenner investiert.

Trotz dieser Hiobsbotschaften treiben die Stuttgarter die Elektrifizierung weiter voran: Der Anteil reiner Stromer liegt mit 23 Prozent höher als bei jedem anderen deutschen Hersteller.

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