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PharmaNovartis-Chef treibt mit Milliarden-Zukauf seinen Plan voran

Die Übernahme des Biotechunternehmens Avidity ist die größte für Novartis seit zehn Jahren. Die Strategie soll den Konzern an die Spitze eines neuen Therapiefelds führen.Helena Smolak 27.10.2025 - 12:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Novartis-Chef Vas Narasimhan: Ungewöhnliche Akquisitionsstrategie. Foto: Gian Marco Castelberg / 13 Photo

München. Novartis-CEO Vas Narasimhan investiert weiter strategisch in Spätphasenprojekte und Zukunftstechnologien, um drohenden Patentabläufen zuvorzukommen. Das Unternehmen übernimmt das US-Biotechunternehmen Avidity für rund zwölf Milliarden Dollar, wie Novartis am Sonntag mitteilte. Es ist der größte Zukauf des Schweizer Pharmakonzerns seit zehn Jahren.

Avidity entwickelt Wirkstoffe gegen drei seltene Nerven-Muskel-Erkrankungen mit einem geschätzten Marktpotenzial von sieben Milliarden Dollar. Die Mittel befinden sich in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase, das erste Produkt könnte bereits 2026 auf den Markt kommen. Der Zulassungsantrag ist noch für dieses Jahr geplant.

Die bisherigen Aktionäre von Avidity erhalten je Aktie 72 Dollar in bar, was einem Aufschlag von 46 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag entspricht. Die „Financial Times“ hatte bereits im August über ein mögliches Übernahmeangebot des Schweizer Konzerns für Avidity berichtet. „Novartis-CEO Vas Narasimhan setzt seine Akquisitionsstrategie konsequent um – die Übernahme passt haargenau in sein Muster“, sagte Stefan Schneider, Analyst bei der Schweizer Vontobel Bank.

Die Übernahme passt haargenau in Novartis’ Muster
Stefan Schneider
Vontobel Analyst

Seit Narasimhan an der Spitze von Novartis steht, folgen die Übernahmen des Konzerns einem klaren Schema. Das Zielunternehmen muss in einem der vom CEO festgelegten Kerntherapiebereiche liegen. Das Medikament soll sich bereits in einer späten Entwicklungsphase befinden, ein Marktpotenzial von mindestens zwei Milliarden Dollar haben und auf einer Technologie basieren, die es in dieser Form bislang nicht gibt.

Analyst Schneider nennt die Akquisitionsstrategie „ein Kernstück des heutigen Erfolgs von Novartis“. Der Konzern profitiere bereits von vergangenen Zukäufen, „die in der Branche aufgrund ihrer hohen Preise zunächst als riskant galten.“

Auch Markus Manns, Portfolio-Manager bei Union Investment, hält den hohen Kaufpreis für nachvollziehbar: „Der Preis lässt sich dadurch erklären, dass Novartis für die Medikamente hohe Spitzenumsätze und niedrige Entwicklungsrisiken erwartet.“

Mit der Avidity-Übernahme könnte Novartis führender Hersteller einer neuen Wirktstoffklasse werden. Die Einnahmen könnte der Konzern in die Entwicklung weiterer neuer Wirkstoffe reinvestieren. Die Avidity-Präparate kombinieren Antikörper mit kurzen RNA-Strängen, um genetische Therapien gezielt in betroffene Zellen einzuschleusen, etwa bei neuro-muskulären Erkrankungen.

Novartis: Die Aktionäre von Avidity erhalten 72 Dollar je Aktie. Foto: Patrick Seeger/dpa

Unter Narasimhans Führung übernahm der Konzern 2019 bereits das US-Biotechunternehmen The Medicines Company und 2024 den Gentherapie-Entwickler Kate Therapeutics. Er hat zudem die Kerntherapiebereiche definiert, auf die der Konzern sich in der Entwicklung fokussiert.

„Vas hat ein gutes Gespür dafür, welche Therapieansätze funktionieren“, sagte Schneider. Ein Großteil der übernommenen Produkte ist bereits erfolgreich auf dem Markt.

Novartis übernimmt später als die Konkurrenz

Novartis übernimmt vor allem Hersteller von Wirkstoffen in späten Entwicklungsphasen. Der Basler Rivale Roche dagegen investiert hauptsächlich in frühen Entwicklungsphasen. „Wenn Roche ein Asset kauft, ist es in der Regel erst in fünf Jahren marktreif – bei Novartis dagegen in zwölf bis 18 Monaten“, sagte Schneider.

Auch Roche fokussiert sich auf sogenannte Kerntherapiebereiche, seit Thomas Schinecker vor zwei Jahren den Chefposten übernahm. Laut Schneider lässt sich der Unterschied in der Akquisitionskultur auch auf die Unternehmensstruktur zurückführen: Novartis wird angelsächsisch geprägt geführt, während die Gesellschafterfamilie bei Roche rund zwei Drittel der Stimmrechte hält.

Narasimhan änderte die Akquisitionsstrategie von Novartis, um das wenig zukunftssichere Produktportfolio zu verbessern. Der Konzern verkaufte viele klassische Wirkstoffe, bei denen sich nach dem Patentablauf leicht Generika herstellen lassen. Ein Beispiel ist das Herzmittel Entresto, für das Analysten in diesem Quartal deutliche Umsatzrückgänge erwarten. Gleichzeitig fehlten Antikörperpräparate im Portfolio.

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Bei den neuen Technologien, die Novartis in den vergangenen Jahren erworben hat, ist die Herstellung von Nachahmerpräparaten deutlich schwieriger. Die Therapien sind komplex und teuer und schützen den Konzern langfristig besser vor Generikawettbewerb.

Zu Handelsbeginn gab die Novartis-Aktie um 1,3 Prozent nach. Insgesamt verzeichnete das Unternehmen in diesem Jahr unter den weltweit größten Pharmakonzernen die zweitstärkste Kursentwicklung. Am Dienstag wird der Konzern seine Quartalszahlen vorlegen. Zuletzt hatte Novartis die Prognose zehn Quartale in Folge angehoben.

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