Morning Briefing: Neuer Ukraine-Plan der USA – Kiew soll seine Armee halbieren
Quartalszahlen: Nvidia muss liefern – und liefert / US-Friedensplan: Kiew soll Armee halbieren
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,
selten hatte die Finanzwelt so gebannt auf die Quartalszahlen eines einzelnen Unternehmens geschaut: Der reißende Absatz der neuesten Hochleistungsprozessoren für Künstliche Intelligenz (KI) hat Nvidia zu einem überraschend starken Quartalsergebnis verholfen – und damit Sorgen über ein Platzen der KI-Blase zumindest vorübergehend gelindert.
Der Umsatz sei im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 62 Prozent auf 57 Milliarden Dollar gestiegen, teilte der weltgrößte Chipkonzern mit. Der Reingewinn habe ähnlich stark auf 31,91 Milliarden Dollar zugelegt.
Konzernchef Jensen Huang stellte für das bis Ende Januar reichende laufende Quartal Erlöse von 65 Milliarden Dollar, plus/minus zwei Prozent, in Aussicht. Die Aktien von Nvidia stiegen daraufhin im nachbörslichen Geschäft der Wall Street zwischenzeitlich um mehr als sechs Prozent.
Deutsche-Bank-Chef zu Strategiezielen
Als Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Dienstag in London vor Investoren das Ziel verkündete, „die Eigenkapitalrendite nach Steuern bis 2028 auf mehr als 13 Prozent zu steigern“, reagierte die Börse eher ungnädig: Die Aktie der Deutschen Bank verlor gegenüber dem vergangenen Freitag rund sieben Prozent und damit mehr als der Dax.
Um ihre Renditeziele für 2028 zu erreichen, will sich die Deutsche Bank verstärkt auf profitablere Geschäftszweige konzentrieren. Beispiel dafür sind laut Sewing mit Wertpapier besicherte Darlehen. Im Gegenzug will er weniger gewinnträchtige Aktivitäten zurückfahren:
Übernahmen könne sich die Bank „nur in Einzelbereichen wie der Vermögensverwaltung oder im Wealth Management“ vorstellen, so Sewing.
VW-Werken fehlt es an Auslastung
Wie Handelsblatt-Reporter Lazar Backovic von mehreren Insidern erfahren hat, produzieren die vier Volkswagen-Werke Wolfsburg, Emden, Zwickau und Hannover seit Monaten mit niedrigerer Auslastung als vorgesehen. Grund ist demnach die schwache Nachfrage.
Zwar konnte die VW-Kernmarke ihren Absatz in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahr steigern. Allerdings reicht das offenbar immer noch nicht aus, um auf die geplanten Stückzahlen zu kommen. An den beiden Elektro-Standorten Zwickau und Emden fielen zuletzt Schichten aus, in Hannover wurde teils nur noch im Einschichtbetrieb gefertigt. Auch das Stammwerk in Wolfsburg soll trotz zwischenzeitlicher Verbesserungen hinter seinen Benchmarks liegen.
Die Unterauslastung könnte dazu führen, dass die Standorte ihre Zielvorgaben im Hinblick auf Kosten und Effizienz nicht erreichen, heißt es – von diesen Kennzahlen hängt ab, in welchem Volkswagen-Werk künftig welche Modelle vom Band laufen.
US-Plan sieht militärische Schwächung Kiews vor
Mit einem neuen Friedensplan drängen die USA die Ukraine laut Medienberichten zu weitreichenden Zugeständnissen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters und die „Financial Times“ unter Berufung auf Insider berichteten, geht es in dem insgesamt 28 Punkte umfassenden Plan unter anderem um folgende Aspekte:
- Die Ukraine müsste dem Plan zufolge den Rest der östlichen Donbass-Region einschließlich der derzeit unter ukrainischer Kontrolle stehenden Gebiete abgeben.
- Die ukrainische Armee müsste die Größe ihrer Streitkräfte halbieren und wichtige Waffensysteme aufgeben. Zudem würden die USA weniger Militärhilfe liefern und in der Ukraine dürften keine fremden Truppen stationiert werden.
- Russisch würde eine offizielle Landessprache in der Ukraine werden, der dortige Ableger der russisch-orthodoxen Kirche soll einen offiziellen Status erhalten.
Der Plan wurde laut „Financial Times“ in dieser Woche von Steve Witkoff, dem Sondergesandten des Weißen Hauses, nach Kiew übermittelt. Dem Nachrichtenportal „Axios“ zufolge hat Witkoff den Plan bereits Anfang der Woche mit dem ukrainischen Sicherheitsberater Rustem Umerow erörtert.
Italien liefert Nord-Stream-Verdächtigen aus
Der in Italien inhaftierte, mutmaßliche Saboteur der Nord-Stream-Pipeline wird von Italien nach Deutschland ausgeliefert. Das entschied das oberste italienische Gericht am Mittwochabend und lehnte damit einen Einspruch des Beschuldigten gegen das Urteil einer niedrigeren Instanz ab. Der 49-jährige Ukrainer wird von der deutschen Bundesanwaltschaft verdächtigt, vor drei Jahren an der Sprengung der Gaspipelines Nord Stream und Nord Stream 2 in der Ostsee beteiligt gewesen zu sein.
US-Arbeitslosenzahlen entfallen wegen Shutdown
Der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober fällt wegen des Stillstands der Bundesbehörden infolge des Haushaltsstreits aus. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen für Oktober soll nun zusammen mit dem November-Bericht am 16. Dezember veröffentlicht werden. Das teilte die zuständige Statistikbehörde gestern mit. Der wegen der Haushaltssperre ebenfalls verspätete Arbeitsmarktbericht für September soll an diesem Donnerstag erscheinen.
Der monatliche Bericht gilt als wichtige Grundlage für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Sie wird ihre nächste Zinsentscheidung am 9. und 10. Dezember treffen müssen, ohne auf die vollständigen Arbeitsmarktdaten für Oktober zurückgreifen zu können.
Fed uneins über Zinspolitik
Das ist heikel, weil innerhalb der Fed die Meinungen über den künftigen Zinskurs derzeit besonders weit auseinandergehen. Das zeigen die gestern veröffentlichten Protokolle der Sitzung der US-Notenbank von Ende Oktober. Einige Teilnehmer hielten demnach eine Zinssenkung im Dezember für angemessen. Andere befürworteten zwar niedrigere Zinsen, aber nicht unbedingt schon im Dezember. Eine dritte Fraktion schloss laut Protokoll eine Zinssenkung im Dezember aus.
Venedig verlängert Eintrittsgebühr
Venedig wird auch 2026 Eintritt von seinen Besuchern verlangen. An insgesamt 60 Tagen zwischen dem 3. April und 26. Juli werden Tagesgäste mit zehn Euro zur Kasse gebeten. Damit geht die Regelung in die dritte Saison. Allerdings mogeln sich viele Besucher um die Zahlung herum.
Bislang ist auch kein Weg gefunden worden, den Delfin zur Kasse zu bitten, der seit Monaten immer wieder auf der Wasserfläche direkt vor dem Markusplatz auftaucht und Passanten mit seinen Sprüngen fasziniert. Italienische Behörden setzten laut der Nachrichtenagentur AP am Wochenende „akustische Geräte mit geringer Intensität“ ein, um das Tier zu vertreiben. Das funktionierte nur kurzzeitig. Binnen einer Stunde kehrte der Delfin zurück.
Offiziell soll das Tier nicht wegen der geprellten Besuchergebühr vertrieben werden, sondern wegen des für ihn gefährlich dichten Schiffsverkehrs.
Wenn auch nicht gegen Delfine – vielleicht wirken die „akustischen Geräte mit geringer Intensität“ ja wenigstens gegen Touristenmassen?
Ich wünsche Ihnen einen Donnerstag ohne Gedrängel.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
P. S.: Wie wirken sich steigende Lebenserwartung und steigende Lebensarbeitszeit auf Unternehmen aus? Welche Rolle spielt dabei die „Longevity“ – also die Förderung von nachhaltiger, lebensphasenorientierter Arbeitsgestaltung? Antworten morgen ab 12 Uhr im Live-Stream. Nur für Handelsblatt-Abonnenten und -Abonnentinnen. Anmeldung hier.