Außenpolitik: Was schiefläuft im deutsch-polnischen Verhältnis
Warschau, Berlin. Wenn Polens Premierminister Donald Tusk am Montag zu den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen nach Berlin reist, steht ihm ein schwieriger Balanceakt bevor: Nicht nur Deutschland wird beobachten, wie sich die Delegation aus dem Nachbarland verhält – vor allem schauen die Polinnen und Polen selbst genau hin.
Wie hart das Urteil ausfallen kann, zeigt sich alljährlich beim sogenannten „Unabhängigkeitsmarsch“ am 11. November. Dann ist Warschau voller rot-weißer Flaggen, stundenlang hängt roter Bengalo-Rauch über der Stadt. Während bis zu 100.000 Menschen aus ganz Polen und teils aus dem Ausland zusammenkommen, verlassen andere die Hauptstadt aus Sorge vor Lärm, Aggressionen und Ausschreitungen.
Demonstrativ zelebrieren die Teilnehmenden die Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1918 – bis dahin war Polen 123 Jahre lang geteilt und stand unter der Herrschaft Russlands, Preußens beziehungsweise des Deutschen Reichs und Österreich-Ungarns.
Die Demonstranten machen deutlich, was es für sie heißt, polnisch zu sein. So viel vorweg: Für viele von ihnen ist Regierungschef Tusk das nicht. Ein Grund für diese Ablehnung: seine vermeintliche Nähe zu Deutschland. Wie können beide Länder unter diesen Vorzeichen wieder näher zusammenrücken?