LinkedIn-Gründer: Ein Tech-Milliardär stellt sich gegen die Silicon-Valley-Elite
San Francisco. Unter den mächtigen Männern des Silicon Valley ist Reid Hoffman eine Ausnahme. Der Co-Gründer des Zahlungsdienstleisters Paypal und des sozialen Netzwerks LinkedIn hat im Wahlkampf die Kandidatin der Demokraten, Kamala Harris, mit Spenden unterstützt – und schreckt bis heute nicht davor zurück, US-Präsident Donald Trump öffentlich als „inkompetent“ oder „Lügner“ zu bezeichnen.
Andere Tech-Größen wie Apple-Chef Tim Cook oder Amazon-Gründer Jeff Bezos, die zuvor für liberale Werte eintraten, schweigen hingegen – oder unterstützen Trump gar offensiv mit Geld und öffentlichem Zuspruch. Hoffmans ehemalige Weggefährten von der „Paypal-Mafia“, die in der Branche für ihr Netzwerk berüchtigt war – Elon Musk, David Sacks und Peter Thiel –, arbeiten bereits seit dem Wahlkampf eng mit dem heutigen Präsidenten zusammen. Sacks wirkt als sogenannter „Krypto-Zar“ gar direkt in der Regierung.
Trump wiederum hat Hoffman mehrmals öffentlich angegriffen – und Mitte November gar das US-Justizministerium sowie die Bundespolizei FBI angewiesen, gegen ihn zu ermitteln, da Hoffmans Name in den Ermittlungsakten zum Fall Jeffrey Epstein auftaucht. Dabei gibt es keine konkreten Hinweise auf ein Vergehen. Keines der Opfer hat Hoffman je belastet. „Meiner Meinung nach sollte gegen Hoffman ermittelt werden“, sagte Trump dennoch. „Er ist ein Widerling.“
Kurz vor Thanksgiving spricht Hoffman per Videocall aus dem Urlaub im US-Bundesstaat Washington mit dem Handelsblatt. Ruhig, aber bestimmt legt er seine Position dar. Der Investor spricht über seine Beziehung zu Trump, die politische Unterwerfung der Tech-Industrie und das derzeit bestimmende Thema der Branche: eine mögliche Investitionsblase bei Künstlicher Intelligenz (KI). Als Mitglied des Verwaltungsrats von Microsoft und ehemaliger Intimus des KI-Start-ups OpenAI gilt Hoffman als einer der einflussreichsten Entscheider im Hintergrund.