Kolumne „Inside America“: Wenn der „Krypto-Zar“ von Trumps „D-Day“ spricht
San Francisco. Ein „alter Freund“, der „rechts abgebogen“ ist – Salesforce-Chef Marc Benioff versuchte es mit einem Witz, als er am Dienstag auf der Bühne seiner Kundenkonferenz „Dreamforce“ in San Francisco einen ungewöhnlichen Gast vorstellte: David Sacks.
Der Start-up-Investor hat gemeinsam mit Peter Thiel und Tesla-Chef Elon Musk Paypal aufgebaut und arbeitet heute für die Regierung von US-Präsident Donald Trump. Mit dem ehemals liberalen Benioff, der Sacks' Kommen erst kurz zuvor als Überraschung verkündet hatte, verbinden ihn eine Leidenschaft fürs Whisky-Trinken – und offenbar auch immer mehr politische Ansichten.
Das Gespräch der beiden wurde zu einem Lehrstück darüber, wie tief die Tech-Branche ihre Agenda mittlerweile in Washington verankert hat – und dabei einen prinzipienarmen Opportunismus zur Schau stellt.
Während Benioff sich am Freitag etwa artig ein Eingreifen von Trumps Nationalgarde in einem angeblich verwahrlosten San Francisco gewünscht hatte, verglich Sacks einen Besuch Trumps in der Stadt nun gar mit dem „D-Day“ – der Landung der Alliierten im von den Nazis unterjochten Europa.
Benioff schien das zu gefallen. Der Multimilliardär verkaufte Sacks dem Publikum als „Botschafter des Silicon Valley“. Dabei soll der eigentlich sicherstellen, dass die USA insgesamt bei den Themen Künstliche Intelligenz (KI) und Kryptowährungen vorankommen. Wie seinerzeit Doge-Chef Elon Musk ist er als Sonderberater befristet angestellt. Sacks darf sich zwar „KI- und Krypto-Zar“ nennen, verfügt aber formal nicht über Entscheidungsgewalt.
Trotzdem hat sich die finanzielle Unterstützung Trumps im Wahlkampf für ihn und seine Freunde erstaunlich schnell ausgezahlt. Sacks fädelte im Hintergrund nicht nur ein weitgehendes Deregulierungspaket für die Kryptobranche ein, er stemmte sich auch erfolgreich gegen schärfere Regeln für neue KI-Systeme. Gerade versucht er abermals durchzusetzen, dass die US-Bundesstaaten die KI-Entwicklung zehn Jahre lang nicht mit eigenen Gesetzen zügeln dürfen – ein Lobbyistentraum, mit dem er zunächst im Kongress gescheitert war. Nun drohe dem Land ein „woker Flickenteppich“, warnt Sacks.
Trump scheint weitestgehend das umzusetzen, was Sacks ihm rät. Am Dienstag erläuterte er etwa, warum es am Ende Chinas Tech-Konzerne stärke, wenn die USA das Land ganz von Nvidias KI-Chips abschneiden würden. Das käme einer „Subvention für Huawei“ gleich, sagte Sacks.
Ähnlich effizient setzte sich Sacks mit der Forderung durch, die Genehmigung neuer KI-Rechenzentren ebenso zu vereinfachen wie den Bau neuer Kern- und Gaskraftwerke, um die Rechenzentren mit Strom zu versorgen. Ausgefeilte Regulierung, die über Jahre weiterentwickelt wurde, wischt Sacks mitunter innerhalb von Wochen weg.
Zum Schluss bedankte sich Benioff bei ihm und lobte seinen „Einsatz für unser Land“. Er hätte auch Silicon Valley sagen können.