Bill Gates: Kindersterblichkeit steigt erstmals seit 25 Jahren
Düsseldorf. 4,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind in diesem Jahr weltweit gestorben, 200.000 mehr als im Jahr zuvor. Es sei die erste Steigerung in diesem Jahrhundert, heißt es in einem neuen Bericht der Gates-Stiftung.
Mark Suzman, CEO der von Bill und Melinda Gates gegründeten Stiftung, sagte bei der Vorstellung des Berichts: „Das ist etwas, was wir nie berichten wollten. Aber es ist eine traurige Tatsache.“
Die Gründe sind laut Suzman vielfältig, aber „ganz klar“ seien vor allem die erheblichen Kürzungen in der Entwicklungshilfe für die Entwicklung verantwortlich. Die Ausgaben sind laut der Gates-Stiftung und dem Gesundheitsinstitut der University of Washington (IHME) weltweit von 49,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 39,1 Milliarden Dollar gesunken – ein Rückgang von fast 27 Prozent.
Bill Gates, Chairman der Stiftung, sagte in einer Pressemitteilung: „Millionen Menschenleben sind in Gefahr.“
Eindringlich appellieren Suzman und Gates dafür, die Entwicklungshilfe für Gesundheit wieder aufzustocken. Nach den Berechnungen der Stiftung werden bis 2045 16 Millionen Kinder zusätzlich sterben, wenn die Kürzungen bestehen bleiben.
Bill Gates versus Elon Musk
Die Zahlen haben einen politischen Hintergrund. Anfang des Jahres wurde Donald Trump US-Präsident. Wahlhelfer und Unternehmer Elon Musk setzte danach massive Kürzungen in US-Regierungsstellen durch, eine der ersten Maßnahmen war die Schließung der US-Entwicklungshilfebehörde.
Die Beziehung zwischen Gates und Musk war in der Vergangenheit nicht ohne Spannungen. So kritisierte der Tesla-Chef den Microsoft-Gründer, als dieser 2018 damit anfing, auf fallende Kurse bei der Tesla-Aktie zu setzen.
Anfang des Jahres bewirkte Musk im Rahmen von Donald Trumps Doge-Initiative (Behörde zur Verbesserung der Regierungseffizienz) die Schließung der US-Entwicklungsbehörde. „Am Wochenende haben wir USAID in die Hackschnitzelmaschine gesteckt“, schrieb Musk im Februar 2025. „Hätte stattdessen auf einige großartige Partys gehen können.“
Die Folge waren nach aktuellen Berechnungen des IHME massive Kürzungen: Die US-Regierung kappte ihre Gesundheitshilfen für 2025 um 67 Prozent auf neun Milliarden Dollar.
Vom Handelsblatt auf diese US-Sparmaßnahme angesprochen, sagte Suzman: „Die Auswirkungen sind gewaltig.“ Problematisch sei nicht nur das absolute Ausmaß der Kürzungen, sondern auch die Unübersichtlichkeit der Lage. „Es hat wenige Informationen und Hinweise darauf gegeben, was überhaupt gekürzt wurde.“
Dennoch habe sich die Situation seitdem verbessert. Laut US-Medienberichten ist die Doge-Behörde im Sommer geschlossen worden.
Auch Deutschland senkt die Hilfen
In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte Gates im Mai die damalige Situation beschrieben. Von einem Tag auf den anderen hätten Helfer und Geld gefehlt, beispielsweise für HIV-Medikamente oder Warenlager. „Es ist eine furchtbare Zeit“, sagte Gates. „Am schlimmsten ist es für die Babys: Sie können nicht geimpft werden, viele werden von ihren Müttern mit Aids angesteckt.“
Aber nicht nur die USA sind für die Misere verantwortlich. „Es ist wichtig hervorzuheben, dass nicht nur die USA kürzen“, sagte Suzman. „Es gab erhebliche Einschnitte bei vielen großen Geldgebern, darunter in Großbritannien, Deutschland und Frankreich.“
Allerdings wirken die Kürzungen anderer Industriestaaten vor dem Hintergrund der US-Maßnahmen vergleichsweise vorsichtig. So gibt Großbritannien in diesem Jahr laut IHME 39 Prozent weniger für die Gesundheitshilfen aus, Frankreich 33 Prozent und Deutschland zwölf Prozent.
Im Interview mit dem Handelsblatt zählte Gates Gründe auf, warum Deutschland nicht nur aus moralischen Erwägungen mehr Entwicklungshilfe leisten sollte: „Die Hilfe stabilisiert auch ärmere Länder, was die Beziehungen zu ihnen verbessert. Auch ist es wahrscheinlich, dass die nächste Pandemie in ärmeren Ländern in Afrika ausbricht.“