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ArbeitsmarktReallöhne in Deutschland wachsen um 2,7 Prozent

Die Löhne steigen in Deutschland schneller als die Inflation. Vor allem Lehrer und Angestellte bei Versicherungen verdienen deutlich mehr Geld als im Vorjahr. 28.11.2025 - 09:30 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Lehrer in Berlin: Gehälter steigen. Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin. Die Kaufkraft der deutschen Arbeitnehmer ist im dritten Quartal trotz Wirtschaftsflaute schneller gestiegen. Die Reallöhne lagen von Juli bis September um durchschnittlich 2,7 Prozent höher als ein Jahr zuvor. „Das war der bislang höchste Anstieg in diesem Jahr“, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Es war zudem das zehnte positive Quartal in Folge.

Der Reallohn gibt an, wie viel den Arbeitnehmern nach Abzug der Inflation tatsächlich übrig bleibt: Während die nominalen Löhne um 4,9 Prozent zulegten, stiegen die Verbraucherpreise nur um rund 2,3 Prozent. Im Frühjahr hatte das Realohnplus noch bei 1,9 Prozent gelegen, in den ersten drei Monaten des Jahres bei 2,5 Prozent.

„Es geht mit den Löhnen wieder aufwärts, das ist eine gute Nachricht – für die Beschäftigten, die Binnennachfrage und die Konjunktur“, sagte der Experte des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), Malte Lübker. „Aber insgesamt haben die Reallöhne gerade einmal die herben Kaufkraftverluste der letzten Jahre aufgeholt und sind jetzt wieder auf dem Stand vom 3. Quartal 2019.“ Das seien sechs Jahre Stagnation und damit eine lange Durststrecke für die Arbeitnehmer.

Überdurchschnittliche Steigerungen der Nominallöhne gab es im dritten Quartal im Bereich Erziehung und Unterricht (+7,3 Prozent), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+7,2 Prozent), Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen sowie Information und Kommunikation (jeweils +6,1 Prozent).

Demgegenüber fiel der Zuwachs im Baugewerbe (+3,5 Prozent), im Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+2,9 Prozent) und im Gastgewerbe (+2,8 Prozent) unterdurchschnittlich aus.

Privater Konsum trotzdem zurückhaltend

Trotz steigender Kaufkraft halten die Deutschen ihr Geld zusammen. Im dritten Quartal sanken die privaten Konsumausgaben um 0,3 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr – das erste Minus seit Ende 2023. Das trug dazu bei, dass Europas größte Volkswirtschaft erneut kein Wachstum schaffte. Sie stagnierte im dritten Quartal, nachdem sie im Frühjahr sogar um 0,2 Prozent geschrumpft ist.

In vielen Branchen wie im Auto- und Maschinenbau kommt es zu Entlassungen. „Die Furcht vor dem Arbeitsplatzverlust lässt die Sparquote steigen“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. „Die privaten Haushalte legen lieber den Notgroschen zurück als das Geld auszugeben.“ Vom privaten Konsum seien daher vorerst keine großen Sprünge zu erwarten.

Konsum

Einzelhändler erwarten schwaches Weihnachtsgeschäft

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Das legen auch neue Zahlen vom Einzelhandel nahe. Dieser hat vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft einen überraschenden Umsatzrückgang erlitten. Die Einnahmen sanken im Oktober um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Inflationsbereinigt fiel das Minus mit 0,3 Prozent noch größer aus. Das kommt unerwartet: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet, nachdem es im September noch zu einem Plus von 0,3 Prozent gereicht hatte.

„Vielleicht ist es noch etwas zu früh, aber eine Vorweihnachtsstimmung sieht anders aus“, kommentierte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger, die Entwicklung. „Verbraucher sind jedenfalls derzeit nicht dabei, Konsumbudgets auszuweiten.“ Arbeitsplatzsorgen, politische Unsicherheit und eine höhere Sparneigung blieben eine Belastung.

rtr
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