Gore-Tex-Hersteller: Gore wächst in „freiwilliger Gemeinschaft“
Putzbrunn. Das US-Materialtechnologieunternehmen Gore bricht mit fast allen klassischen Managementkonzepten und erzielt doch Wachstumsraten, die deutlich über denen seiner Mitbewerber liegen. So sind alle 13.000 Beschäftigten Miteigentümer, Führungskräfte dürfen keine Anweisungen geben, und weil das Geschäft in viele kleine Einheiten unterteilt ist, sind Skaleneffekte kaum möglich.
Der Chef Bret Snyder sagt im Gespräch mit dem Handelsblatt, seine Firma wachse nicht trotz dieser Struktur, sondern wegen ihr. „Wir alle haben einen Anteil am Erfolg. Daher behandeln wir einander so, als wären wir freiwillig in einer Gemeinschaft, die etwas Produktives erreichen will.“ Es gebe nichts Vergleichbares zu diesem „Nervenkitzel kollektiven Handelns“.
Gore produziert medizinische Implantate, Kabel für die Chipindustrie und Dichtungen für die Raumfahrt. Seine wasserdichte und atmungsaktive Textilmembran „Gore-Tex“ machte es international bekannt. 2025 erwirtschaftete das Unternehmen ein Umsatzplus von sieben Prozent. Die gesamte US-Wirtschaft wuchs im gleichen Zeitraum laut Prognosen lediglich um zwei Prozent. Das sei eine „Bestätigung dafür, dass wir etwas richtig machen“, sagt Snyder. Es ist das erste Interview, das er einem Wirtschaftsmedium gibt.
Im neuen Jahr liege sein Wachstumsziel bei bis zu zehn Prozent, gibt Snyder aus. Unter anderem will er in Deutschland expandieren mit dem Unternehmen, das sein Großvater einst in einem Keller gegründet hat.