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Neustart im JobWie Sie in der Lebensmitte Ihre Karriere noch einmal umkrempeln

Mitten im Leben stellen sich im Job viele Fragen: Arbeite ich noch am richtigen Ort? Wäre ein Karriereneustart nicht sinnvoller? Dabei helfen Realismus – und eine Methode aus Japan.Julia Beil, Milena Merten 24.12.2025 - 09:03 Uhr Artikel anhören
Ist mein Job der richtige für mich? Wie riskant oder lohnenswert wäre eine Veränderung? Diese Fragen treiben viele Menschen zwischen 35 und 55 um. Foto: Getty Images [M]

Düsseldorf. Wenn Niddal Salah-Eldin wegweisende Entscheidungen für ihr Leben trifft, lässt sie sich von einer  Frage leiten: „Wer will ich mal gewesen sein?“ Die Antwort auf diese Frage führte sie zuletzt zu einem ungewöhnlichen Schritt: Die Topmanagerin verließ Ende 2024 den Vorstand des Medienkonzerns Axel Springer – und unterstützt seitdem im Vollzeit-Ehrenamt ihr Heimatland Sudan.

Dort herrscht seit bald drei Jahren eine der größten Hunger- und Vertreibungskrisen der Welt. Salah-Eldins Entscheidung ist gleichzeitig typisch und untypisch für ihre Generation.

Typisch, weil sie ihren bisherigen Karriereweg hinterfragt hat. Die Suche nach dem persönlichen „Warum?“ („Why?“) gab der „Generation Y“ einst ihren Namen. Eher untypisch ist, dass Salah-Eldin ihre Entscheidung nicht aus einer persönlichen Sinnsuche heraus getroffen hat – sondern weil ein Einfluss von außen sie dazu brachte.

2023 begann in ihrem Heimatland der Krieg – und verschob vorläufig die Prioritäten der Managerin. „Die Lage im Sudan orientiert sich nicht an meinen Karriereplänen“, sagt sie. So kommt es, dass die 40-Jährige, die noch bis Ende des vergangenen Jahres als Konzernvorständin die globale Personalarbeit von Springer verantwortete, heute einen völlig anderen Alltag hat: Sie arbeitet mit Dutzenden Hilfsorganisationen und Stiftungen zusammen, wurde im Sommer ins oberste Aufsichtsgremium von Unicef Deutschland gewählt.

Mithilfe ihres Netzwerks baut sie Kommunikationskanäle zu Politik, Medien und Wirtschaft auf und reist selbst immer wieder in Nachbarländer des Sudans, wo ihre Angehörigen inzwischen leben. Ihr Posten bei Springer wurde nicht nachbesetzt, Salah-Eldins Vorstandsressort „Talent and Culture“ entfiel nach ihrem Weggang im Zuge einer Umstrukturierung der Führungsriege.

Mit ihrem Wechsel in die humanitäre Hilfe schlug die Managerin vorerst eine radikal neue Richtung ein. Salah-Eldin ging damit einen Schritt, mit dem viele in ihrer Altersgruppe hadern. Einer Umfrage der Jobplattform Stepstone zufolge denken 68 Prozent der Beschäftigten in Deutschland über einen Jobwechsel nach. Der Wunsch nach beruflicher Veränderung wächst demnach seit Jahren stetig an.

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