Banken: UBS-Chef Ermotti plant offenbar Rücktritt für April 2027
Zürich. Sergio Ermotti könnte einem Medienbericht zufolge im April 2027 sein Amt als CEO der größten Schweizer Bank UBS abgeben. Das berichtet die „Financial Times“ („FT“) am Dienstag unter Berufung auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen. Die UBS wollte sich nicht zu der Personalie äußern.
Damit dürfte Bewegung in den Wettbewerb um die Nachfolge an der Spitze einer der größten Banken auf dem europäischen Kontinent kommen.
Die UBS hatte stets betont, dass Ermotti die Integration der Credit Suisse erfolgreich abschließen will, bevor ein Nachfolger für den 65-Jährigen gesucht werden soll. Dieses Ziel soll bis Ende 2026 „im Wesentlichen“ erreicht sein, wie es in früheren Aussagen der UBS heißt.
Die Aktie der Großbank hat sich seit der Übernahme der zusammengebrochenen Credit Suisse mehr als verdoppelt und allein im vergangenen Jahr um etwa ein Drittel zugelegt.
Der Führungswechsel könnte damit rund um die Generalversammlung der UBS im kommenden Jahr vollzogen werden, berichtet die „FT“ weiter. Der Zeitplan soll jedoch noch nicht vom Aufsichtsgremium, dem Verwaltungsrat, abgesegnet sein und könne sich daher ändern.
Ermotti war im März 2023 zum zweiten Mal in seiner Karriere an die Spitze der UBS gerückt, nachdem die Schweizer Regierung die Übernahme der in Schieflage geratenen Credit Suisse orchestriert hatte. Bereits von 2011 bis 2020 war der in Lugano geborene Top-Manager CEO der UBS. Von dort wechselte er in den Verwaltungsrat der Swiss Re, dem er von 2021 bis 2023 vorstand.
Nachfolger hat eine große Aufgabe vor sich
Mehrere interne Kandidatinnen und Kandidaten werden seit Monaten am Zürcher Paradeplatz für die Ermotti-Nachfolge genannt und können sich auch dem „FT“-Bericht zufolge Chancen ausrechnen.
Dazu gehören die beiden Co-Chefs für die wichtigste Sparte, das Wealth-Management: Iqbal Kahn und Rob Karofsky. Auch Beatriz Martin, Chief Operating Officer, sowie Aleksandar Ivanovic, Leiter des Geschäfts mit professionellen Investoren (Asset-Management), zählen demnach zum Kandidatenkreis.
Ermotti hat die Integration der Credit Suisse bislang zumindest weitgehend geräuschlos durchgesetzt. Seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger hinterlässt er dennoch eine große Aufgabe: Sie oder er muss schärfere Eigenkapitalregeln abwenden, welche die Schweizer Regierung auf den Weg bringen will.
Am Montag hatte die UBS in einer 30-seitigen Erklärung erneut dargelegt, warum das Geldhaus insbesondere eine hundertprozentige Kapitaldeckung der Auslandstochterunternehmen für unverhältnismäßig hält. Dies würde die UBS zwingen, zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 23 Milliarden Dollar aufzubauen – Kosten, die nicht nur UBS, sondern die gesamte Schweizer Finanzindustrie treffen würden. „Die Schweizer Wirtschaft würde geschwächt“, warnt die UBS.
In den vergangenen Monaten wurden immer wieder auch Drohungen der UBS kolportiert, die größte Schweizer Bank könnte als Reaktion auf die härteren Auflagen den Konzernsitz verlagern. Erst Ende vergangenen Jahres hatte Ermotti diese Spekulationen abgeräumt. Sein mitunter wenig diplomatischer Stil im Umgang im Streit mit der Schweizer Regierung über neue Eigenkapitalvorschriften hat die Politik jedoch bislang nicht zum Einlenken bewogen.