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GastkommentarDas EU-Mercosur-Abkommen ist eine Botschaft der Hoffnung

Statt auf die Herrschaft des Stärkeren setzen Europa und Südamerika auf Kooperation. Nur so lässt sich Wohlstand für alle schaffen, argumentiert Spaniens Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo. 15.01.2026 - 11:10 Uhr Artikel anhören
Carlos Cuerpo ist spanischer Minister für Wirtschaft, Handel und Unternehmen. Foto: Afp, Reuters [M]

Als die EU 1999 Verhandlungen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur aufnahm, war die Welt voller Hoffnung. Der Euro hatte gerade sein Debüt auf den globalen Märkten gegeben. Eine neue Welle der Demokratisierung schwappte über alle Kontinente hinweg.

Mehr als ein Vierteljahrhundert später fühlt sich die Welt sehr viel unsicherer und gefährlicher an. Handelskriege, wirtschaftliche und militärische Zwangsmaßnahmen und die zunehmende Missachtung internationaler Normen untergraben die liberale Ordnung, die jahrzehntelang für gemeinsamen Wohlstand und Sicherheit gesorgt hat.

Vor diesem Hintergrund sendet die geplante Unterzeichnung des überfälligen EU-Mercosur-Abkommens in der paraguayischen Hauptstadt Asunción in dieser Woche eine klare Botschaft der Hoffnung: Europa steht weiterhin entschlossen hinter der Verteidigung des regelbasierten Handels und des multilateralen Systems, die seine Fundamente bilden und aus denen Demokratie und offener Handel hervorgegangen sind.

In einer Zeit, in der die „Herrschaft des Stärkeren“ ein Comeback zu erleben scheint, gilt es für Europa, seine globale Führungsrolle auf Grundlage seiner Werte und Prinzipien und nicht durch rohe Gewalt auszuüben. Zusammenarbeit und Integration sollten Vorrang vor Drohungen und Unilateralismus haben. Nur so lässt sich Wohlstand für alle schaffen.

Das Abkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay bekräftigt unser Bekenntnis zu diesen Grundsätzen. Als größtes jemals von der EU abgeschlossenes Handelsabkommen wird damit die weltweit umfangreichste Handelszone geschaffen, die fast ein Viertel der Weltwirtschaft umfasst.

EU-Unternehmen können Milliarden an Zöllen sparen

Mit einer Gesamtbevölkerung von mehr als 700 Millionen Menschen eröffnet das Abkommen Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks riesige neue Märkte – Märkte, die inmitten eines Nebels aus Protektionismus und der Unsicherheit aufgrund sich ständig ändernder Zölle nach Klarheit und Vorhersehbarkeit verlangen.

Außerdem verschafft das Abkommen Europa eine strategisch günstige Position in einer Region mit immensem Wachstumspotenzial. Die europäischen Exporte in das Mercosur-Gebiet dürften um fast 70 Prozent steigen, und EU-Unternehmen könnten jährlich rund vier Milliarden Euro an Zöllen einsparen.

Im Gegensatz zu den Handelsabkommen der 1990er-Jahre handelt es sich hierbei um ein zeitgemäßes Abkommen mit umfassenderem Geltungsbereich zur Förderung echter wirtschaftlicher Resilienz. Es enthält durchsetzbare Verpflichtungen in den Bereichen Klima und Arbeit und öffnet Dienstleistungssektoren und Beschaffungsmärkte, wodurch die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze in den Bereichen Finanzen, Telekommunikation und Technologie begünstigt wird.

Außerdem stärkt das Abkommen die strategische Autonomie Europas, da es grenzüberschreitende Zahlungssysteme unterstützt und die Rolle des Euro im internationalen Handel und als Reservewährung stärkt.

Der Zugang zu kritischen Mineralien – wie Lithium, Kobalt und seltenen Erden – wird die Abhängigkeiten Europas verringern und die Lieferketten für die grüne und digitale Wende sichern. Angesichts der Tatsache, dass die weltweite Nachfrage nach diesen Mineralien bis 2040 voraussichtlich um das Vier- bis Sechsfache steigen wird, verschafft das Abkommen der EU einen Wettbewerbsvorteil in unterschiedlichen Branchen wie Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien bis hin zur Verteidigung.

Europa demonstriert Entschlossenheit

Darüber hinaus präsentiert sich das Abkommen ausgewogen. Durch die Beibehaltung strenger EU-Lebensmittelsicherheitsstandards und die Einführung weiterer Kontrollen bietet es Schutz für europäische Landwirte und eröffnet gleichzeitig Chancen für unseren weltweit führenden Agrar- und Lebensmittelsektor.

Vor allem aber bekräftigt das Abkommen das Engagement Europas, weltweit wieder mehr Gewicht zu erlangen. Während andere sich nach innen wenden, bauen wir unser Netzwerk strategischer Verbündeter aus und verhandeln unter anderem mit Indien, Thailand und Malaysia über neue oder aktualisierte Handelsabkommen.

Die meisten EU-Mitgliedstaaten haben sich darauf verständigt, den Widerstand gegen das Mercosur-Abkommen aufzugeben. Damit konnten wir zeigen, dass wir in der Lage sind, politische Differenzen innerhalb und außerhalb unserer Grenzen zu überwinden. Die Demonstration derartiger Entschlossenheit ist ein wesentlicher Schritt für die EU, um ihre weltweite Glaubwürdigkeit und ihren Einfluss zu stärken.

Dieselbe Entschlossenheit wird dazu beitragen, die Bemühungen zum Abbau interner Handelsbarrieren zu beschleunigen und das Potenzial unseres Binnenmarktes mit 450 Millionen Einwohnern voll auszuschöpfen. Der zweigleisige Ansatz Europas – Ausbau seines Netzwerks an Handelsabkommen bei gleichzeitiger Vertiefung der innergemeinschaftlichen Integration – ist das Erfolgsrezept für Wettbewerbsfähigkeit.

Das Abkommen mit Mercosur ist umso bedeutsamer, als unsere Partnerschaft über wirtschaftliche oder transaktionale Überlegungen hinausgeht. Europa und Lateinamerika teilen fest verankerte Werte: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und das Bekenntnis zu Multilateralismus.

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Das Abkommen ist ein Beweis dafür, dass Unterschiede durch Zusammenarbeit überwunden werden können. Wenn wir eine sicherere, vorhersehbarere Welt wollen, brauchen wir mehr Abkommen wie das zwischen der EU und dem Mercosur.

Der Autor: Carlos Cuerpo ist spanischer Minister für Wirtschaft, Handel und Unternehmen.

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