Erneuerbare Energien: Windkraftverband warnt vor Lücke bei Ausbauzielen bis 2030
Frankfurt. Die bis 2030 gesetzlich festgelegten Ausbauziele für Windenergie an Land könnten nach Ansicht der deutschen Windkraftbranche verfehlt werden. Bei dem Ziel von 115 Gigawatt installierter Leistung drohe bis dahin eine Lücke von zwölf Gigawatt, sagte die Präsidentin des Bundesverbands Windenergie (BWE), Bärbel Heidebroek, am Donnerstag in Berlin. Der Ausbau von Windkraft an Land habe 2025 zwar Rekordwerte erreicht. Es sei aber unterschätzt worden, in welchem Ausmaß die Stilllegung von Altanlagen die Zunahme der installierten Leistung bremse.
Um die drohende Lücke zu schließen, forderte der Verband von der Bundesregierung, das Volumen der staatlichen Förder-Auktionen für die Jahre 2026 und 2027 umgehend zu erhöhen. Die geplanten Ausschreibungsvolumina reichten nicht aus. Die genehmigten Projekte dafür stünden bereit, es handle sich um ein Investitionspotenzial von bis zu 23 Milliarden Euro.
Deutschland will bis 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von 80 Prozent erreichen. Windenergie an Land spielt dabei die wichtigste Rolle. Neben zu geringen Förderzusagen ist nach Darstellung des Verbandes ein schleppender Netzausbau die größte Bremse für die Energiewende.
Bauvorhaben ziehen sich in die Länge
Nach Angaben der Fachagentur Wind und Solar wurden 2025 bundesweit mehr als 5200 Megawatt neue Windkraftleistung in Betrieb genommen, ein Plus von 58 Prozent gegenüber 2024. Mit 558 neu errichteten Anlagen sei der Zubau der zweitstärkste in der Geschichte der Bundesrepublik, nur übertroffen vom Jahr 2017. Nach Abzug von Stilllegungen erhöhte sich die installierte Leistung um rund 4600 Megawatt. Besonders stark war der Ausbau in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Bei den Neugenehmigungen wurde den Angaben zufolge mit über 20.700 Megawatt ebenfalls ein Höchststand verzeichnet. Das sei eine Steigerung um 48 Prozent. Die Genehmigungsverfahren bei den Behörden seien mit nun 17 Monaten deutlich schneller geworden. Allerdings habe sich die Zeit von der Genehmigung bis zur Inbetriebnahme einer Anlage auf durchschnittlich 29 Monate verlängert. Dies liege unter anderem an Klagen, Logistikproblemen und verzögerten Netzanschlüssen.
Nach Angaben der Fachagentur sind derzeit rund 40 Gigawatt Windkraftleistung genehmigt, aber bisher nicht in Betrieb. Davon verfügten etwa 14,8 Gigawatt noch über keinen Zuschlag aus den EEG-Ausschreibungen. Da das Ausschreibungsvolumen nicht ausreiche, würden mehrere Gigawatt genehmigter Projekte absehbar keine Förderung erhalten.