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AfDWarum Trump zu einem Problem für die Partei werden könnte

Die AfD suchte lange die Nähe zu Trump und den Republikanern. Sein Druck auf Europa in der Grönland-Frage zwingt die Partei nun zur Abgrenzung. Eine klare Linie findet sie dabei aber kaum.Dietmar Neuerer 19.01.2026 - 15:53 Uhr Artikel anhören
AfD-Wahlkampfauftakt in Rheinland-Pfalz: Trumps Grönlandpolitik bringt die Partei in Erklärungsnot. Foto: Harald Tittel/dpa

Berlin. Der Konflikt um Grönland wirkt in der AfD wie ein politischer Stresstest. Jahrelang hatte die Partei gezielt die Nähe zu Donald Trump und zum republikanischen Lager in den USA gesucht, Kontakte zur MAGA-Bewegung betont und Trumps Politik als Gegenmodell zu europäischem Multilateralismus und liberaler Außenpolitik dargestellt. Mit der Ankündigung des US-Präsidenten, Strafzölle gegen europäische Staaten mit der Grönlandfrage zu verknüpfen, gerät diese Nähe nun unter Rechtfertigungsdruck.

Trump droht ab dem 1. Februar mit zusätzlichen Zöllen auf Waren aus EU-Ländern, die sich gegen einen US-Kauf des zu Dänemark gehörenden Grönlands stellen. In Europa gilt dies als Eskalation mit wirtschaftlichen Risiken. Wie sollte sich die AfD zu möglichen EU-Reaktionen verhalten?

Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, beschreibt für die AfD dabei mehrere Konfliktfelder: Die Partei müsse zugleich ihre Trump-Nähe, innerparteiliche USA-Skepsis insbesondere in den ostdeutschen Landesverbänden und die geringe Akzeptanz des US-Präsidenten bei deutschen Wählern berücksichtigen. Die widersprüchlichen Signale seien daher vor allem wahlkampftaktisch motiviert, „um vor den kommenden Landtagswahlen das Risiko möglichst gering zu halten“, sagte Lewandowsky dem Handelsblatt.

Auch der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke sieht die AfD in einem Dilemma. Bisher habe sich die Partei als „patriotische Interessenvertretung“ und gleichzeitig als „Teil einer internationalen antiliberalen Bewegung im Einklang mit Trump“ präsentieren können, sagte Lembcke dem Handelsblatt. Jetzt zwänge die Lage die Partei zu einer klareren Positionierung, und damit träten innerparteiliche Konfliktlinien offen zutage. „Das ist kurzfristig auch taktisch, aber im Kern ein echter strategischer Widerspruch“, sagte Lembcke.

AfD-Chefin Weidel fordert Deeskalation und Gespräche

In der Tat begleitete die AfD Trumps Politik über Jahre hinweg wohlwollend. Die harte Rhetorik des US-Präsidenten gegenüber der EU, seine Betonung nationaler Interessen und seine Skepsis gegenüber internationalen Institutionen passten zur eigenen Programmatik.

AfD-Politiker suchten den Austausch mit republikanischen Netzwerken, Trump wurde in der Partei als Beleg dafür gesehen, dass sich ein nationalstaatlich geprägter Kurs auch in westlichen Demokratien durchsetzen lasse. Nun muss die AfD diese Haltung neu justieren.

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AfD-Co-Chefin Alice Weidel wählte dabei einen vorsichtigen Ton. Sie warnte vor den wirtschaftlichen Folgen einer weiteren Verschärfung der US-Zollpolitik und sprach von einer „ernsthaften Bedrohung für die deutsche Wirtschaft“. Zugleich forderte sie Deeskalation und Gespräche. Eine grundsätzliche Kritik an Trump vermied Weidel, ihre Argumentation bleibt auf wirtschaftliche Risiken für Deutschland begrenzt.

In eine ähnliche Richtung argumentierte der außenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Markus Frohnmaier. Er betonte, Außenpolitik müsse sich am deutschen Interesse orientieren, und forderte ein vermittelndes Vorgehen.

Grönland sei „keine deutsche Angelegenheit“, sondern eine Frage zwischen Dänemark und den USA, sagte Frohnmaier. Seine schärfste Kritik richtete sich nicht gegen Washington, sondern gegen die Bundesregierung.

Mit Blick auf die Entsendung eines deutschen Erkundungsteams auf die Arktisinsel sagte er: „Nach nicht einmal 48 Stunden verließen Bundeswehr-Soldaten Grönland wieder. Diese kanonenbootartige Symbolpolitik ist planlos, macht Deutschland international zur Lachnummer und stellt eine unnötige Provokation eines wichtigen sicherheits- und wirtschaftspolitischen Partners dar.“ Der AfD-Politiker warnte, mögliche US-Reaktionen könnten Arbeitsplätze gefährden.

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Deutlicher äußerte sich AfD-Co-Chef Tino Chrupalla. Trumps Vorgehen müsse „kritisch betrachtet werden“, sagte er. Chrupalla schränkte jedoch zugleich ein, man müsse hinterfragen, „inwieweit Donald Trump das wirklich ernst meint“.

Grönland geht uns nichts an.
Maximilian Krah
Bundestagsabgeordneter der AfD

Der AfD-Co-Chef benannte zwar erstmals offen den „imperialen“ Charakter der US-Forderungen, vermied aber eine klare Konfrontation. Auch Chrupalla setzte damit auf vorsichtige Distanz, ohne den Bruch mit Trump offen zu vollziehen.

Demgegenüber hält ein anderer Teil der Partei an einer klaren Trump-freundlichen Linie fest. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah stellte sich gegen Forderungen nach einer harten Antwort auf die USA und erklärte öffentlich: „Grönland geht uns nichts an.“

Innerparteilich gilt Krah zwar derzeit nicht als prägend für die strategische Linie der AfD. Seine Rolle ist begrenzt, sein Einfluss auf die Führung gering. Gleichwohl steht er in dieser Debatte stellvertretend für jene „Trumpianer“ in der Partei, die eine enge Anlehnung an den US-Präsidenten befürworten.

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Zusätzliche innerparteiliche Spannungen entstehen durch die AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“. Deren Vorsitzender Jean-Pascal Hohm widersprach der Trump-Nähe ausdrücklich und forderte europäische Solidarität mit Dänemark und Grönland.

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Eine Erpressung durch Zölle oder militärische Drohungen dürfe nicht akzeptiert werden. Die Wortmeldung ist bemerkenswert, weil sie sich offen gegen die bisherige Trump-Nähe der Partei richtet.

Politikwissenschaftler Lembcke sieht die AfD vor diesem Hintergrund vor einer „Loyalitätsfrage“. Er sagt: „Je stärker Trump Politik macht, die deutsche Interessen verletzt, desto schwerer wird es für die AfD, gleichzeitig ‚Deutschland zuerst‘ und ‚Trump zuerst‘ zu signalisieren. Das macht die Partei nach außen widersprüchlich und nach innen konfliktanfälliger.“ Zudem werde dadurch eine „konsistente außen- und wirtschaftspolitische Linie“ erschwert, etwa mit Blick auf die Nato, die Russland- und die Handelspolitik.

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