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China und das digitale GeldDer Drache giert nach Bitcoins

Die Krypto-Währung mag eine amerikanische Erfindung sein, an der auch die US-Börsen interessiert sind. Doch in China ist die Währung bereits etabliert. Chinesen schaffen zunehmend Kapital in den virtuellen Raum.Finn Mayer-Kuckuk 30.03.2015 - 09:36 Uhr Artikel anhören

In China erfreut sich die digitale Währung großer Beliebtheit.

Foto: dpa

Peking. Wer hört, wie die Minenarbeiter von ihrem Job sprechen, kann denken, sie müssten mit der Spitzhacke nach Kohle schürfen. „Das Leben im Bergwerk ist ziemlich eintönig“, sagt der Geschäftsführer. „Die Arbeit ist hart.“ In Wirklichkeit befindet sich die „Bitcoin-Mine Nummer 1 von Changcheng“ auf drei Stockwerken in einem alten Fabrikgebäude: Ein Verbund von Tausenden starker Computer, die im Monat Strom für 75.000 Euro verbrauchen. Die Minenarbeiter sind junge Computerexperten. Pro Monat erzeugen sie derzeit Bitcoins im Wert von knapp 200.000 Euro.

Hintergrund des einträglichen Geschäfts: Gültige Codes für Bitcoins lassen sich nicht nur kaufen, sondern auch mit mathematischen Methoden ausknobeln. Das ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich Teil der Idee. Genau diese Möglichkeit nutzen die Bitcoin-Bergleute hier in der nordchinesischen Hafenstadt Dalian.

Mit Bitcoins zahlen – so funktioniert es
Zunächst lädt der Nutzer den Bitcoin-Client aus dem Netz und installiert ihn auf seinem Computer. Persönliche Angaben müssen nicht gemacht werden. Beim ersten Öffnen lädt die Software die gemeinsame Datenbank des Netzwerks herunter – ein Verzeichnis aller Zahlungen im Bitcoin-Netzwerk. Die Datenbank stellt sicher, dass niemand Falschgeld überweisen kann: Sie weist jeden Bitcoin einer Bitcoin-Adresse zu und damit einem Nutzer. Die eigene Bitcoin-Adresse, einen kryptischen Buchstabencode, bekommt der Nutzer automatisch mit dem Installieren der Software. Außerdem speichert die Software eine Datei namens wallet.dat auf dem Computer. Sie enthält kryptografische Schlüssel, mit denen der Nutzer gegenüber dem Bitcoin-Netzwerk ausweist, dass ihm die entsprechende Bitcoin-Adresse gehört.
Börsenhandel: Diverse Internetseiten bieten Bitcoins gegen Euro oder andere Währungen an. Dazu muss sich der Nutzer einmalig registrieren und den Geldbetrag etwa per Banküberweisung oder Zahlsysteme wie Dwolla an die Börse senden. Wie an einer Aktienbörse lassen sich dann Bitcoin-Kauforder platzieren. Eine Order, die über dem aktuellen Preisangebot an der Börse liegt, wird sofort erfüllt. Die Börse schickt die Bitcoins schließlich an die Bitcoin-Adresse des Nutzers. Die Börse ist auch der Ort, um Bitcoins wieder in Euro umzuwandeln. Bitcoins schürfen: Bitcoin-Nutzer können auch selbst neue Bitcoins errechnen. Dieses sogenannte Mining erfordert leistungsstarke Computer und ist Computer-Laien nicht zu empfehlen.Bargeld-Eintausch: Privatpersonen bieten Bitcoins gegen Bargeld – Wohnort und Telefonnummern oder E-Mailadressen der Bitcoin-Händler sind auf der Seite Bitcoin local gelistet.
Hat jemand Bitcoins an der Börse erworben, so ist die entsprechende Summe in seinem Bitcoin-Client aufgeführt. Um nun einen Geldbetrag zu überweisen, reicht die Angabe der Summe und der Adresse des Empfängers in der Software. Nach etwa zehn Minuten ist das Geld beim Empfänger angekommen. Eine Liste der Geschäfte, die Bitcoin akzeptieren, gibt es hier.
Um dem Verlust der virtuellen Bitcoin-Geldbörse etwa durch Beschädigung der Festplatte vorzubeugen, sollte die wallet.dat-Datei kopiert werden - zum Beispiel auf einen USB-Stick. Da sich Hacker über das Internet Zugriff auf den Computer verschaffen und die Datei stehlen können, sollte sie zudem mit Hilfe eines speziellen Programms verschlüsselt werde. Eine Anleitung dazu gibt es hier.
Wer häufiger mobil ins Internet geht, kann sich inzwischen auch Android-Apps herunterladen. Sie machen das Handy zur Bitcoin-Geldbörse. Zum Bezahlen generiert die Software des Empfängers eine Rechnung in Form eines QR-Codes. Sobald der Sender diesen Code mit der Handykamera einscannt, verschickt die Software via Internet das Geld zur Bitcoin-Adresse des Empfängers. Vorsicht: Die Programme sind noch in der Entwicklung und können fehlerhaft sein. Darum sollten sie allenfalls zur Übertragung kleiner Geldsummen genutzt werden. Für das iPhone gibt es bisher noch keine Bezahl-Apps, aber Programme wie Bitcoin App, die aktuelle Kursverläufe darstellen.


Der Standort der weltgrößten Bitcoin-Mine ist dabei kein Zufall. In China ist die Begeisterung für Bitcoins deutlich größer als in Europa oder den USA, wo nach dem ersten Hype eine gewisse Ernüchterung eingesetzt hat. Für acht von zehn Bitcoins bezahlen die Käufer mit Yuan, wie aus einem aktuellen Report von Goldman Sachs hervorgeht. China baut so einen enormen Schatz in der digitalen Währung auf.

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