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Claas wettet auf RusslandDeutsche Traktoren für russische Weiten

Viele Investoren und Konzerne haben sich aus Russland zurückgezogen. Anders der Landmaschinenhersteller Claas: Der Mittelständler aus Westfalen wittert in der veralteten russischen Landwirtschaft seine große Chance. 01.08.2015 - 15:22 Uhr Artikel anhören

Der Hersteller von Landmaschinen glaubt an die Perspektiven in Russland.

Foto: dpa

Harsewinkel. Der deutsche Landmaschinenkonzern Claas wettet mit hohem Einsatz auf Russland. Das Unternehmen engagiert sich in dem Land zu einer Zeit, da der allgemeine Trend eher dahin geht, ihm so schnell wie möglich den Rücken zu kehren. Denn die politischen Spannungen und der niedrige Ölpreis haben Russland in eine Rezession getrieben.

Das Familienunternehmen, das seit 2005 im südrussischen Krasnodar Erntemaschinen baut, investiert nun weitere 120 Millionen Euro in eine zweite Fabrik an dem Standort. Dadurch soll die Kapazität auf 2500 Mähdrescher pro Jahr mehr als verdoppelt werden. Die Anlage nimmt im Oktober die Produktion auf und wird zu den vier größten der weltweit insgesamt elf Fabriken von Claas zählen.

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„Die Landwirtschaft in Russland hat ausgezeichnete Zukunftsperspektiven, benötigt aber für die Umsetzung dringend mehr moderne Landtechnik”, erklärt Cathrina Claas-Mühlhäuser, die zusammen mit ihrem Vater mehr als die Hälfte des Unternehmens besitzt. „Wir sind daher – trotz der gegenwärtigen Herausforderungen – vom Erfolg unseres Engagements überzeugt.“

Claas stellt sich mit seiner Expansion gegen den Trend, denn andere Industriekonzerne und Investoren ziehen sich aus Russland zurück. Der Preisverfall bei Rohöl, dem wichtigsten Exportgut Russlands, sowie die Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise haben das Land erstmals seit sechs Jahren in eine Rezession getrieben. Deutsche Exporte nach Russland werden in diesem Jahr voraussichtlich um 33 Prozent auf 20 Milliarden Euro einbrechen, schätzt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Während andere hauptsächlich die finanzielle Ungewissheit im Auge haben, wittert Claas eine Gelegenheit und will seine Position ausbauen. Ein Großteil der russischen Landmaschinen ist veraltet; teilweise stammen sie noch aus der Ära der Kolchosen und Sowchosen. Russland verfügt über 122 Millionen Hektar Ackerland, wovon derzeit lediglich 60 Prozent genutzt werden, schätzt Claas.

„Das größte Potenzial für uns bieten Russland und die Ukraine, in dieser Reihenfolge – und deshalb investieren wir dort trotz der politischen Schwierigkeiten“, sagte Konzernsprecher Lothar Kriszun in einem Interview. „Für uns hat Internationalisierung Priorität.“

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Mittelstand auf einen Blick

Mit weltweit 11.400 Beschäftigten und einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2014 ist Claas ein ungewöhnlich großer Vertreter des deutschen Mittelstands – jener Unternehmen also, die 60 Prozent der Arbeitsplätze des Landes bieten. Die Firma expandiert in Russland, Nordamerika und China und will auf diese Weise ihre Abhängigkeit vom europäischen Markt verringern, wo sie im vergangenen Jahr 72 Prozent ihres Umsatzes erzielte.

Claas-Mühlhäuser, 40, ist Vorsitzende des Aufsichtsrats des Unternehmens mit Sitz im nordrhein-westfälischen Harsewinkel. Sie und ihr Vater Helmut Claas, 89, besitzen zusammen die Mehrheit an der Firma, deren Wert der Bloomberg Billionaires Index mit 2,5 Milliarden Dollar veranschlagt. Wie der Besitz zwischen Vater und Tochter aufgeteilt ist, wollte Claas nicht preisgeben.

Im Unterschied zu Claas fahren Konzerne wie Volkswagen und General Motors ihr Engagement in Russland zurück. Volkswagen kündigte im März eine Einschränkung der Produktion im Werk Kaluga an, während GM in Russland keine Opel-Modelle mehr anbietet.

Auch für Claas ist das Russland-Geschäft nicht einfacher geworden seitdem Präsident Wladimir Putin im vergangenen Jahr die Krim annektierte. 2014 ging der Umsatz in Russland um rund 20 Prozent zurück, und für dieses Jahr rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Umsatzminus von 40 Prozent.

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Dennoch ist es von Vorteil, vor Ort zu produzieren, denn Russland erhebt auf Mähdrescher einen Einfuhrzoll von 27 Prozent. Zudem dürfen in diesem Jahr höchstens 450 der Maschinen von nichtrussischen Herstellern importiert werden, wie Kriszun erläutert.

Als Familienbetrieb braucht Claas bei strategischen Entscheidungen nicht auf die nächsten Quartals- oder Jahresergebnisse zu schauen. „Wer mutig genug ist, um im Land zu bleiben, wird von den Russen positiv beurteilt, denke ich”, sagt der 63-jährige Sprecher der Konzernleitung. „Russland ist nicht Putin. Es ist ein großes, wichtiges Land in Europa und wir denken, dass sich die Dinge normalisieren werden.“

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