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Sechs Milliarden Dollar falsch überwiesenDeutsche-Bank-Irrtum zu Ihren Gunsten

Ein milliardenschwerer Vertipper? Die Deutsche Bank hat versehentlich sechs Milliarden Dollar auf das Konto eines Hedgefonds überwiesen. Die Schuld bekommt ein „recht neuer Kollege“. Auch andere Banken machen Fehler.Katharina Slodczyk 20.10.2015 - 10:39 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Keine Warnlampen gingen bei der Sechs-Milliarden-Überweisung an – ein Problem für das Risikomanagement der Bank?

Foto: dpa

London. Eine falsche Eingabe im Computer, ein Vertipper – es kommt immer wieder mal in der Finanzbranche vor, was Fachleute das „Fat-Finger-Problem“ nennen. Doch in dieser Größenordnung, wie es im Juni offenbar bei der Deutschen Bank passierte, ist es wohl eher selten: Sechs Milliarden Dollar (umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro) hat ein Mitarbeiter im Londoner Devisenhandel auf das Konto eines US-Hedgefonds überwiesen, wie es aus Finanzkreisen verlautete, die damit einen Bericht der „Financial Times“ bestätigten.

Es sei ein recht neuer Kollege gewesen, dem der Fehler passierte. Sein Chef sei in dieser Zeit im Urlaub gewesen, heißt es weiter aus Kreisen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Die Bank hat das Geld zwar wiederbekommen, doch es bleiben einige offene Fragen – allen voran: Wie konnte es dazu kommen, wo doch eigentlich in solchen Fällen das Vier-Augen-Prinzip gelten soll?
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Der Vorfall wirft ein ungünstiges Licht auf die Kontrollsysteme des Geldhauses und darauf, wie streng sie eingehalten werden. Das Problem verlängert zudem die Liste der Baustellen für den neuen Co-Chef der Bank John Cryan, der seit Juli gemeinsam mit Jürgen Fitschen an der Spitze steht. Ab Mai nächsten Jahres wird Cryan die alleinige Führung übernehmen.

Erst am Sonntag hat er einen radikalen Umbau der Bank in die Wege geleitet. Geschäftsbereiche werden anders zugeschnitten, Führungsposten neu besetzt. Cryan will das Institut, das mit schrumpfenden Gewinnen kämpft und mit teuren Altlasten, aus der Krise führen.
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Die KfW tätigte die berühmteste Fehlüberweisung
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Der Empfänger der Zahlung ist nicht bekannt. Die Deutsche Bank informierte Finanzkreisen zufolge sowohl die britische Finanzaufsicht FCA, die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Federal Reserve über die fehlerhafte Überweisung. Weder Sprecher der Regulierungsbehörden noch der Deutschen Bank wollten sich zu dem Vorfall äußern.

Die Milliardenüberweisung ist den informierten Personen zufolge darauf zurückzuführen, dass nicht Positionen gegeneinander verrechnet wurden („netting“), sondern ein nicht verrechneter Betrag angewiesen wurde. Fehlerhafte Aufträge und Wertpapierkäufe kommen immer wieder vor. In der Regel sollen Sicherungssysteme der Banken oder Börsen dies jedoch verhindern.

Der Deutsche-Bank-Vorstand
Im Oktober 2015 verkündete Vorstandschef John Cryan einen Großumbau des Vorstands. Viele Änderungen traten zum 1. Januar 2016 in Kraft.Das Gremium besteht jetzt aus zehn statt zuvor acht Mitglieder.Zwei Frauen gehören zum Zirkel, drei Manager sind Deutsche.
Der Brite führt seit Juli 2015 die Deutsche Bank. An seiner Seite agiert bis Mai 2016 noch Jürgen Fitschen als Co-Vorstandschef. Cryan war zuvor unter anderem Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS.
Die langjährige Boeing-Managerin soll als Technologiechefin die Informationssysteme der Bank auf Vordermann bringen. Sie hatte zunächst als Generalbevollmächtigte begonnen und rückte 2016 in den Vorstand.
Der Brite war bereits vor dem großen Umbau Risikovorstand – und ist es geblieben.
Die Französin war seit gut einem Jahr bei der Bank, bevor sie im Oktober 2015 in den Vorstand einzog. Sie kümmert sich um die Bereiche Regulierung, gute Unternehmensführung und Kampf gegen Finanzkriminalität.
Der Manager kam vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock und zog direkt in den Deutsche-Bank-Vorstand ein. Der Brite ist für das Fondsgeschäft (DWS) und institutionelle Kunden zuständig.
Der britische Manager leitete zuvor das Aktiengeschäft in London und übernahm im Oktober 2015 die Leitung des kompletten Handelsgeschäfts („Global Markets“), das von den anderen Investmentbanking-Aktivitäten getrennt wurde.
Der Deutsche übernahm ab Oktober 2015 die Verantwortung für die Rechtsstreitigkeiten und das Personal. Vorher war er für das Management der globalen Regionen der Bank zuständig.
Bis 2014 arbeitete Schenck für den Energiekonzern Eon und die Investmentbank Goldman Sachs, bevor er als Finanzvorstand zur Deutschen Bank wechselte. Er behielt beim großen Umbau im Herbst 2015 seinen Posten. 2017 übernahm er die Leitung des Investmentbankings.
Er sitzt seit Jahresbeginn 2015 im Vorstand. Nachdem er sich zunächst um die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten der Bank kümmerte, übernahm er im Sommer 2015 die Leitung des Privatkundengeschäfts und damit auch die Verantwortung für die Postbank. Die Position Sewings wurde weiter gestärkt, weil sein Bereich auch die Betreuung von sehr reichen Kunden übernahm.
Der Brite kam im Frühjahr 2015 vom Konkurrenten JP Morgan. Er stieg wenig später in den Vorstand auf und trägt dort die Verantwortung für die neu aufgestellte Unternehmenskunden- und Investmentbank.

Anfang Oktober etwa war der außerbörsliche Aktienmarkt versehentlich mit Aktienaufträgen für Dutzende japanischer Großkonzerne im Wert von umgerechnet fast 500 Milliarden Euro konfrontiert worden. Die Aufträge konnten vor der Ausführung jedoch noch storniert werden. Sonst hätte ein Händler unter anderem 57 Prozent der Aktien von Toyota gekauft. Mehr als 40 Aufträge für Aktien-Transaktionen im Wert von rund 490 Milliarden Euro waren annulliert worden, zeigen Daten der Japan Securities Dealers Association (JSDA).

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Berühmt ist der Fall der deutschen Förderbank KfW, die im September 2008 über 300 Millionen Euro an die US-Großbank Lehman Brothers überwies – Stunden nachdem Lehman Insolvenz angemeldet hatte. Etwa zwei Drittel der Summe hatte die KfW bis 2010 wieder zurückerhalten, der Rest hängt vom Ausgang des Insolvenzverfahrens ab.

Mehr: Überweisung zurückholen: So kommt das falsch überwiesene Geld zurück aufs Konto

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