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ProjektentwicklerJuwi legt tiefrote Zahlen vor

Im Dezember rettete die Mannheimer MVV Energie den Windparkbauer Juwi. Nun zeigt sich, wie schlimm es um die Ökofirma wirklich stand. Die neuen Eigner planen derweil schon wieder Gewinne. 21.10.2015 - 17:23 Uhr Artikel anhören

Rettung in allerhöchster Not.

Foto: Handelsblatt

Wörrstadt/Mannheim. Der eine kam im Tesla zur Arbeit und begrüßte selbst Bundesminister im T-Shirt, der andere baute auf dem Firmengelände eine Kapelle und lud Mitarbeiter zum Gottesdienst. Vor zwei Jahren waren Matthias Willenbacher und Fred Jung noch die schillernden Stars der Ökobranche. Dann stürzte ihr Milliardenkonzern Juwi mit Sitz in Wörrstadt bei Mainz ab. 2013 machte der Wind- und Solarparkbauer fast 53 Millionen Euro Miese. Und es kam noch schlimmer.

Einst schillernder Star der Ökobranche.

Foto: PR

Wie am Dienstag bekannt wurde, erlitt Juwi 2014 einen Verlust von 112 Millionen Euro. Der Umsatz brach um weitere 29 Prozent auf 505 Millionen Euro ein. Die Eigenkapitalquote sank auf 2,7 Prozent. Die rettende Übernahme durch die Mannheimer MVV Energie im Dezember kam damit in allerhöchster Not.

Umso bemerkenswerter ist es, dass Juwi schon 2015 wieder eine „schwarze Null“ und 20 Prozent Umsatzwachstum schaffen soll. „2015 ist für Juwi ein Jahr des Turnarounds. In diesem Jahr erwarten wir eine positive Ergebnisentwicklung“, sagte MVV-Vorstandschef Georg Müller dem Handelsblatt. „In Zukunft gehen wir von einem operativen Jahresergebnis im zweistelligen Millionenbereich aus.“

Foto: Handelsblatt

Noch erscheint das ziemlich ambitioniert. Erst im August hatte MVV der Juwi AG mittels Kapitalerhöhung 70 Millionen Euro nachgeschossen. Der börsennotierte Mannheimer Stadtwerkekonzern hält seither 63 Prozent der Anteile. Den Rest teilen sich die Juwi-Gründer Matthias Willenbacher und Fred Jung. Während Jung noch immer Vorstand ist, hat Willenbacher das Unternehmen inzwischen verlassen.

Bilanz 2014 der Juwi AG
Umsatz: 505,2 Mio. Euro (Vorjahr: 712,5 Mio.)
EBIT: -75,6 Mio. Euro (Vorjahr: -36 Mio.)
Konzernergebnis: -111,9 Mio. Euro (Vorjahr: -52,7 Mio.)
Operativer Cashflow: -88,2 Mio. Euro (Vorjahr: -63,6 Mio.)
Eigenkapital: 7,3 Mio. Euro (Vorjahr: 21,6 Mio.)
Eigenkapitalquote: 2,7 Prozent (Vorjahr: 5,0)

Die beiden Gründer hatten Juwi von einer Studentenbude zu Deutschlands größtem Projektentwickler für Ökoenergie aufgebaut. Doch dann verloren sie wohl den Überblick, die Kosten liefen aus dem Ruder. Zu Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen 1800 Mitarbeiter. Inzwischen sind es noch 1000. Juwi plant und baut Windparks und Solaranalagen, um sie mit Gewinn zu verkaufen. Seit Gründung 1996 wurden angeblich Projekte für mehr als sechs Milliarden Euro realisiert.

drn, fhu
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