Xiaomi Mi Band 2 im Test: Fitness-Preisbrecher am Handgelenk
Dank des sehr guten Armbands ist das Gerät im Alltag angenehm zu tragen. (Foto: pr)
Foto: HandelsblattBerlin. Einen Vorteil haben Fitness-Tracker mit eingebauter optischer Pulsmessung. Wer angesichts der Preise beim Bezahlen unter Herzrasen leidet, bekommt die Details wenigstens schön unkompliziert angezeigt. Geräte wie das Charge HR von Fitbit, der A360 von Polar oder der Vivosmart HR von Garmin kosten je nach Händler um die 150 Euro.
Günstiger ist das seit kurzem erhältliche Mi Band 2 des chinesischen Herstellers Xiaomi: Es ist in Deutschland für rund 40 Euro zu haben. Wir haben es ein paar Tage lang ausprobiert.
Das nur rund 1,2 cm breite Mi Band 2 besteht aus zwei Teilen: Dem Band und dem eigentlichen Tracker. Der lässt sich aus dem Band herausdrücken – vor allem, um ihn über eine proprietäre, mitgelieferte Schnittstelle mit einem kurzen Kabel aufzuladen. Das ist aber nur alle 20 Tage nötig, sagt der Hersteller – und das ist auch unser Eindruck.
Das Band gibt es in unterschiedlichen Farben, es ist sehr leicht und unempfindlich und eine der Stärken des Gesamtpakets. Der Tracker sitzt bombenfest und auch die Stiftschließe stand selbst in heftigen Hundespiel-Attacken nie auch nur ansatzweise in Gefahr, sich zu öffnen. Da haben wir bei anderen Bändern schon ganz andere Erfahrungen gemacht.
Das Mi Band 2 kann die Herzfrequenz direkt am Handgelenk messen. Dazu muss man den einzigen Knopf des Geräts so oft drücken, bis auf dem Display ein Herzsymbol erscheint. Dann dauert es ein paar Augenblicke und anschließend wird der Puls angezeigt. Eine kontinuierliche Messung ist eigentlich nicht vorgesehen.
Jetzt werden schon Fitnessuhren gehackt..
Mit einer zusätzlichen App von einem unabhängigen Programmierer geht das aber doch. Die Software ist unter dem Namen Mi HR ebenfalls für Smartphones verfügbar. Mi HR manipuliert das Mi Band 2 so, dass die Herzfrequenz dauerhaft gemessen und sogar beim Training mit Smartphone-Anwendungen wie Strava oder Endomondo verwendet werden kann.
Der Programmierer dieser Hack-App sagt selbst, dass das Ganze nicht perfekt funktioniert. Wir hatten offenbar Glück: Mit unserem aktuellen iPhone in der Hand konnten wir Trainings mit GPS und eben auch Pulsdaten problemlos aufzeichnen.
Wer diese sehr spezielle, aber unschlagbar preisgünstige Form der optischen Herzfrequenzmessung am Handgelenk spannend findet: Mi HR ist kostenlos als Download für Android und für iOS erhältlich. Die Einrichtung ist selbsterklärend. Nach einem nur 10 Minuten lang nutzbaren Demomodus ist ein In-App-Kauf für rund einem Euro fällig, um die Software dauerhaft verwenden zu können.
Das nur rund 1,2 cm breite Mi Band 2 besteht aus zwei Teilen: Dem Band und dem eigentlichen Tracker, der sich bei Bedarf aus dem Band herausdrücken lässt. (Foto: pr)
Foto: HandelsblattDie Qualität der Pulsdaten ist selbst unter Idealbedingungen allerdings nur okay. Mit fest angezogenem Band und beim Joggen und Walken im niedrigen Pulsbereich entsprach die Kurve weitgehend der, die wir gleichzeitig mit anderer Wrist-Hardware gemessen haben. Sobald wir schneller unterwegs waren, gingen die Werte dann aber auseinander – um 10 bis 20 Prozent, also durchaus um bis zu 20 Schläge pro Minute.
Intervalltraining oder Ähnliches ist damit unmöglich. Grund: Mi Band 2 verwendet nur zwei grüne LEDs. Die meisten teuren optischen Herzfrequenzmesser nutzen drei LEDs, die zudem sehr viel heller leuchten – so lässt sich das Pulsieren der Adern viel besser auswerten.
Generell ist die Einrichtung des Mi Band 2 über die für Android und iOS verfügbare App relativ simpel. Statt uns mit einer Mail-Adresse zu registrieren, müssen wir allerdings unsere Mobilnummer angeben und dann einen SMS-Code zur Aktivierung verwenden. Einige Felder sind etwas missverständlich beschriftet, sodass man durchaus ein paar Versuche mehr braucht. Wir hatten das Ganze nach zehn Minuten aber doch erledigt und ab dann keine Probleme mehr.
Die App bietet alle relevanten Informationen über die gegangenen Schritte und unseren Nachtschlaf in recht spartanischer Form. Wir können Alarme aktivieren, sodass das Band bei Anrufen oder Nachrichten vibriert. Außerdem können wir Ziele etwa für unsere Schritte vorgeben und uns mit Freunden verbinden, die ebenfalls ein Band von Xiaomi verwenden.
Ein separates Portal im Web gibt es bei dem Hersteller nicht, ohne Smartphone oder Tablet ist das Mi Band 2 nicht nutzbar. Die Pulsdaten werden beim Synchronisieren übrigens mit übertragen, aber ohne Kurve oder Ähnliches einfach nur mit der Uhrzeit gespeichert.
Stimmige Angaben
Auf dem OLED-Display des Mi Band 2 selbst lassen sich auf Knopfdruck unter anderem die Uhrzeit, die Anzahl der gegangenen Schritte, eine Schätzung über die verbrauchten Kalorien und die gelaufenen Kilometer einblenden. Der eingebaute Schrittzähler hat bei einigen Probanden übrigens extrem gut funktioniert – ganz ohne GPS.
Bei einem Spaziergang über rund 5 Kilometer konnte das Mi Band 2 die Kilometer sogar besser einschätzen als eine gleichzeitig getragene, sich selbst kalibrierende und vielfach teurere Sportuhr von Garmin. Zur Referenz Google Maps haben beim Mi Band 2 nur rund 10 Meter gefehlt, bei der Garmin-Uhr war es knapp das 20-Fache.
Bei weiteren Messungen haben sich diese Werte bestätigt. Erst bei einer anderen Versuchsperson – die Größenangabe haben wir natürlich in der App entsprechend angepasst – war das Mi Band 2 weniger genau. Es hat dann ungefähr die immer noch ordentliche Präzision des Konkurrenzgeräts erreicht.
Vermutlich hatten wir anfangs mit unserer Größe einfach Glück und zufällig das statistische Idealmaß der Xiaomi-Ingenieure getroffen. Trotzdem sind die Werte für ein solches Gadget generell mehr als zufriedenstellend. Das Mi Band 2 hat während des ganzen Tests in sich stimmige Angaben geliefert, und darauf kommt es bei derartigen Trackern eigentlich an. Einen manuell oder automatisch aktivierbaren Trainingsmodus, wie ihn unter anderem das Charge HR von Fitbit für Laufrunden oder Radtouren bietet, kennt das Mi Band 2 übrigens nicht.
Das Mi Band 2 von Xiaomi ist im Alltag dank des sehr guten Armbands angenehm zu tragen und dank der langen Akkulaufzeit braucht das Gerät viel weniger Zuwendung als viele Konkurrenten. Wer einfach seine Schritte zählen möchte, macht mit dem Mi Band 2 angesichts des günstigen Preises nichts falsch. Es sieht sogar recht schick aus.
Aber auch für Sportler ist der Tracker von Xiaomi nicht ganz uninteressant – dank der App, die das Übertragen der Herzfrequenz auf das Smartphone erlaubt. Wer bei einer Geschäftsreise mit möglichst wenig Kleinkram in der Aktentasche reisen und trotzdem morgens beim Joggen oder Walken alle Daten aufzeichnen möchte, bekommt hier eine brauchbare Lösung für wenig Geld.
Die Herzfrequenzkurve hat zwar eher den Charakter einer Schätzung, aber einen ungefähren Eindruck von der gebrachten Leistung bekommt man doch. Jedenfalls, wenn der App-Hack so gut funktioniert wie bei uns.
Die größten Schwächen hat Xiaomi bei der Software, die viel weniger als die Portale von Fitbit, Polar oder Garmin kann. Aber wer detaillierte Statistiken und Kurven sowieso nicht braucht, bekommt mit dem Mi Band 2 einen alltagstauglichen Fitness-Tracker zum fairen Preis.