Fünf Finanzinvestoren im Porträt: Das sind die wahren Herrn des Kapitalismus
Der Blackstone-Gründer kann sich auch einen Oligarchen als US-Präsidenten vorstellen.
Foto: laifStephen Schwarzman – Aggressiver Strippenzieher
München. Der Blackstone-Chef hält nicht viel von politischer Korrektheit und hat Firmen im Wert von 200 Milliarden Dollar gekauft und verkauft.
Wen er gewählt hat, verrät Stephen Schwarzman, 69, nicht. Aber es ist recht schnell nach der US-Präsidentenwahl klar geworden, dass sich der vielleicht abgebrühteste der Häuptlinge des Finanzkapitalismus ein paar wunderbare Dinge in der Amtszeit des Donald Trump vorstellen kann. Dazu gehört vor allem ein Abbau von Regulierungen und Gesetzen, was das Investieren erleichtern und mehr Wachstum ermöglichen soll. Interventionen aus Washington mag der Gründer und Chef der Firma Blackstone überhaupt nicht, und bei Barack Obama zeigte Schwarzman auch schon mal die unhöflichen, wenig vorteilhaften Seiten seines Charakters. Der Mann, der auf knapp zehn Milliarden Dollar Vermögen kommt, verglich Pläne der US-Regierung, Private-Equity-Firmen und Hedgefonds stärker zu besteuern, mit Adolf Hitlers Einmarsch in Polen 1939. Später nahm der Gefolgsmann der Republikanischen Partei den Vergleich zurück, die Pläne wurden auch nicht umgesetzt.
Klar ist, dass Schwarzmans Verhältnis zur Politik von der Präferenz für starke Persönlichkeiten geprägt ist, ja sogar Oligarchen würde er für gute US-Präsidenten halten. Die enge Beziehung zu Mitt Romney, einst Chef von Bain Capital und Präsidentschaftskandidat 2012, erklärt er damit, dass die beiden bei einem gemeinsamen Investment das 24-Fache des Einsatzes zurückbekommen hatten: „Im Finanzgeschäft ist das die Art, wie man sich Freunde macht.“
Groß im Kreditgeschäft
Schwarzman hat sich längst gelöst von seinem Urgeschäft, der Beteiligung an Firmen. 2015 hatte er insgesamt 340 Milliarden Dollar an Vermögenswerten unter seinen Fittichen, und die Sparte Private Equity (wo er Weltmarktführer ist) steuerte nur 94 Milliarden Dollar bei, also gerade mal 25 Prozent. Die Geschäfte sind vielfältiger geworden, was daran liegt, dass Schwarzman das macht, was früher Banken machten. So lag allein das Volumen der ausgereichten Kredite bei knapp 80 Milliarden Dollar. Beteiligungsgesellschaften verleihen Geld in der Regel durch Kreditfonds, die sich direkt bei Investoren refinanzieren. Enorm zugelegt hat bei Blackstone das Immobiliengeschäft – nach dem Kauf des Equity Office Properties Trust (2007) für 39 Milliarden Dollar. Mitte 2016 war Schwarzman sogar zum weltgrößten Immobilienbesitzer aufgestiegen, die niedrigen Zinsen wirkten wie ein Superantriebsstoff für weitere Akquisitionen. Zusammengenommen kamen Blackstones Immobilien schon 2015 auf einen Wert von 135 Milliarden Euro, niemand hat in den USA und in Indien mehr Bürofläche als Blackstone. Der für dieses Geschäftssegment verantwortliche Manager Jonathan Gray wurde bereits für die Nachfolge Schwarzmans auserkoren. Gray machte sein Meisterstück mit dem Kauf der Hilton-Hotels (2007) für 26 Milliarden Dollar, die er zunächst von der Börse holte und dann im Dezember 2013 wieder dorthin zurückführte. Im Oktober verkaufte Schwarzman, der Grundherr Amerikas, 25 Prozent der Hilton-Anteile für 6,5 Milliarden Dollar an die chinesische HNA-Group. Zu Schwarzmans Imperium gehören auch 50.000 Mietshäuser, die Einheit soll 2017 an der Börse versilbert werden.
Im Stammgeschäft Private Equity führt der New Yorker 90 Firmenbeteiligungen im Portfolio, darunter in Deutschland die wenig erfolgreiche Outdoor-Marke Jack Wolfskin, wo die Amerikaner schon 75 Millionen Euro Kapital nachschießen mussten, sowie 45 Prozent am Traditions-Kamerahersteller Leica. Zwischenzeitlich, von 2006 an, war Blackstone sogar mit 4,5 Prozent zweitgrößter Aktionär nach dem Bund bei der Deutschen Telekom. Doch der US-Titan gab seinen Plan auf, den Bonner Konzern zum Global Player zu machen. Schwarzman weiß nur zu gut, dass es in Deutschland immer noch Vorbehalte gegen Private-Equity-Firmen gibt, die einst als „Heuschrecken“ gescholten wurden – deshalb gibt er sich in der Regel Deutschen gegenüber sehr freundlich.
Seit 2007 ist Blackstone an der Börse notiert, die Firma weist sehr schwankende Kursverläufe und Gewinne auf. 2012 fielen nach Steuern gut 800 Millionen Dollar an, danach stieg der Gewinn auf 3,7 Milliarden, um 2015 wieder auf 1,6 Milliarden zu fallen. Das ist aber nur der Profit der Gesellschaft, nicht ihrer Fonds. Die Branche ist sehr umstritten, auch weil die Berechnung der Gebühren – jenseits des Standardsatzes von zwei Prozent – oft undurchsichtig ist. 2014 bestanden immerhin 58 Prozent des Blackstone-Profits aus „performance fees“, das sind erfolgsabhängige Größten (jeweils 20 Prozent vom Gewinn des Investments). Das Schöne für Schwarzman: Diese „performance fees“ werden wie Kapitalerträge („carried interest“) besteuert und nicht wie Arbeitseinkommen – dann würden mit bis zu knapp 40 Prozent doppelt so hohe Steuersätze anfallen. Die Politik traut sich an dieses Thema nicht heran.
Reichtum als Ausweis des Erfolgs
Schwarzman kassierte 2015, einschließlich Kapitalerträge, sagenhafte 800 Millionen Dollar. Allein 640 Millionen kamen durch die Dividende auf seinen Blackstone-Anteil von rund 20 Prozent zustande. Der Sohn eines Einzelhändlers aus Philadelphia ging nach dem Studium zur Investmentbank Lehman Brothers, wo er enge Freundschaft schloss mit seinem Chef Peter Peterson, einst Handelsminister unter US-Präsident Richard Nixon. 1985 machte sich das Duo selbstständig, beim Börsengang erlöste Veteran Peterson immerhin 1,9 Milliarden Dollar. Seit Gründung hat Blackstone Unternehmen im Wert von 200 Milliarden Dollar gekauft und verkauft.
So einer wie Schwarzman will Maßstäbe setzen und schätzt Reichtum als Ausweis des Erfolgs. Alles eine Frage der Ehre, die ihren Preis hat. Zum 60. Geburtstag organisierte er eine Party für 1500 Gäste, die drei Millionen kostete. Rod Stewart und Patti LaBelle sangen. Als der durchaus aggressive Strippenzieher („Ich will Krieg und keine Serie on Scharmützeln“) einmal im Gespräch von einem Journalisten hörte, mit beispielsweise 150 Millionen Dollar auf dem Konto würde er nicht mehr arbeiten, hatte Schwarzman eine entwaffnende Antwort parat: „Das ist vielleicht der Grund, weshalb Sie nie 150 Millionen haben werden!“
Der Blackrock-Chef will von großer Macht nichts wissen.
Foto: laifSein Unternehmen Blackrock ist der mächtigste Finanzkonzern der Welt. Hinter den Kulissen nimmt Larry Fink systematisch Einfluss auf die Weltwirtschaft.
Amerikanischer Finanzminister ist er nun nicht geworden. Dafür hätte Hillary Clinton gewinnen müssen. Aber Larry Fink, 64, treuer Unterstützer der Demokratischen Partei, wird sich rasch auf den Republikaner Donald Trump einstellen. Schon im Juni hat Fink gefordert, man müsse den Kandidaten und seine Versprechungen ernst nehmen.
Der Mann aus New York, der in Kalifornien groß wurde, ist als Vorstandschef und Chairman des Finanzriesen Blackrock eine Galionsfigur der Branche. Er ist an allen Ecken und Enden des Weltwirtschaftssystems als aktiver Spieler dabei und hat zu allem eine Meinung: zu Negativzinsen (schädlich) genauso wie zu Wachstum (bedroht) und zur Beschäftigung (labil durch Digitalisierung). Mit 13.000 Mitarbeitern und fünf Billionen Dollar verwaltetem Vermögen ist Blackrock tatsächlich so etwas wie der große, schwarze Felsen der Finanzlandschaft.
Das Handwerk als Finanzingenieur lernte Fink an der Wall Street bei der Bank First Boston (in Credit Suisse aufgegangen). Dort entwickelte er jene Hypothekenpapiere, die zum Finanzcrash 2007/2008 maßgeblich beitrugen. 1986 schätzte der Experte die Zinsentwicklung falsch ein; das kostete seinen Arbeitgeber 100 Millionen Dollar, und er machte sich notgedrungen selbstständig. 1999 ging Blackrock an die Börse; die Zukäufe des Fondsgeschäfts von Merrill Lynch (2006) sowie der börsennotierten Fonds der britischen Barclays-Bank (2009) machten Finks Firma endgültig zum weltgrößten Vermögensverwalter – mit sehr viel Potenzial.
Zurückhaltender Großaktionär
Eine Anzahl illustrer Beteiligungen fällt auf. In den USA ist Blackrock mit 5,7 Prozent Großaktionär des Apple-Konzerns, in dessen Aufsichtsrat Fink seine Direktorin Sue Wagner delegierte – eine Ausnahme, denn ansonsten hält sich der Herr des Geldes von solchen Gremien fern, da er sonst pausenlos in Konflikt mit Insiderregeln käme. Blackrock ist auch an anderen US-Riesen wie Microsoft (5,8 Prozent), Exxon Mobil (6,0 Prozent) und General Electric (5,7 Prozent) mit dicken Aktienpaketen dabei. In Deutschland sind Bayer (7,0 Prozent); Daimler (5,2 Prozent), BASF (6,1 Prozent), VW (knapp vier Prozent) und Siemens (5,6 Prozent) zu nennen – sowie natürlich Deutsche Bank (6,2 Prozent) und Allianz (5,4 Prozent). Ein gewisser Teil dieser Investments ist nicht ganz freiwillig entstanden. Als weltgrößter Anbieter sogenannter passiver Investments muss Blackrock etwa Anteile an jedem Unternehmen des Deutschen Aktienindex besitzen – einfach, um den Index nachzubilden. Blackrock hat mehr als eine Milliarde Dollar in iShares stecken, dem von Barclays übernommenen Geschäft, was im Indexgeschäft in Europa zu 50 Prozent Marktanteil führt. Die „passiven Fonds“ bewirken unterm Strich nicht Passivität, sondern Aktivität. Fink: „Der Nachteil daran ist, dass man einen Haufen mieser Unternehmen besitzt. Man muss sich also als passiver Investor noch stärker mit diesen Firmen auseinandersetzen.“
Fordert eine zügige Reform der chinesischen Staatsbetriebe und klare Spielregeln für Finanzinstitutionen.
Foto: PressebildHinter den Kulissen übt Großaktionär Fink systematisch Einfluss aus. Das läuft über eine Mannschaft von 30 Leuten im Corporate Governance and Responsible Investment Team; sie arbeiten in New York, San Francisco, London, Tokio und Hongkong und sorgen dafür, dass bei allen Beteiligungen die gleiche Linie verfolgt wird. Persönlich schreibt Fink einmal im Jahr einen Brandbrief an Vorstandschefs, in denen er langfristiges Denken anmahnt, er schaut beim Weltwirtschaftsforum in Davos nach dem Rechten und empfängt Firmenverantwortliche zum Einzelgespräch. Für die übergroße Kontrollfunktion Finks spricht, dass zum Beispiel Stuart Gulliver im Jahr 2011 extra rasch von London nach New York flog, um sich der Unterstützung Finks bei der Kür zum Chef der Großbank HSBC zu versichern.
„Grundsätzlich spielen wir bei Unternehmensentscheidungen eine konstruktive und maßvolle Rolle“, gibt Fink überaus bescheiden zu Protokoll.
Kritische Aktionärsgruppen haben ihre Zweifel an Larry Fink. Blackrock tue als Multiaktionär noch viel zu wenig gegen die Selbstbedienung in Unternehmen. Da ist es ein Hintertreppenwitz der Geschichte, dass Finks eigenes fürstliches Gehalt von 28,6 Millionen Dollar zum Debattenthema wurde. Viele Aktionäre stören sich an dem Geldfluss des Firmengründers. Fink sei „überbezahlt“, wetterte der Multimillionär und Philanthrop Steve Silberstein; der Blackrock-Chef habe sein Jahresgehalt um zwei Millionen Dollar angehoben, während der Konzerngewinn nur um zwei Prozent wuchs.
Ein Unwohlsein bleibt. Die Geldmarktfonds der Gruppe – ein bankenähnliches Geschäft – werden von den Aufsichtsbehörden ähnlich kritisch betrachtet wie die eigene Software Aladdin, die bei vielen Vermögensverwaltern und Bankern eingesetzt wird. Rund 14 Billionen Dollar laufen über das Aladdin-System, einer Art SAP für Investoren. 20.000 Nutzer in Banken, Versicherungen und Fondsfirmen sehen die Finanzwelt sozusagen mit den Augen von Blackrock. 6 000 Computer bereiten am Standort East Wenatchee im Staat Washington die Daten auf.
Gegen die Systemrelevanz
Gerne heuert Blackrock bekannte Persönlichkeiten an wie den heutigen Vice Chairman Philipp Hildebrand, einst Schweizer Notenbankchef. Oder die Finanzfirma beförderte den ehemaligen CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz zum Aufsichtsratschef der Deutschland-Tochter von Blackrock. Prominenz sichert Kontakte. Die größte, für manche auch gefährlichste Finanzfirma der Welt setzt auf Lobbying. Schließlich ist Blackrock auf ein gutes Verhältnis zur Politik angewiesen, da diese über Altersvorsorge entscheidet und Finks Betrieb so intensiv wie möglich Vorsorgegelder der Bürger für die eigene Rente an den Kapitalmärkten anlegen will.
Gleich nach der Finanzkrise stieg Blackrock-Partnerin Barbara Novick zum Kopf eines Spezialteams auf, das in Washington gezielt Interessen von Investoren vertritt. Ihr gelang es, Pläne für eine Neuregelung des Derivatehandels so zu verändern, dass die Sicherheiten der Investoren besser geschützt sind. Ihr Job ist es zu verhindern, dass Blackrock in den USA als „systemrelevant“ eingestuft und mit höheren Auflagen belegt wird. Aber selbst Fink, der große Chairman, versteht, dass sich die Finanzaufsicht stärker mit Schattenbanken beschäftigen will: „Wenn ich auf der Seite der Aufsichtsbehörde säße, würden mich viele in der Branche nicht mögen. Denn ich würde sogar weitaus aggressiver vorgehen, als viele denken, um zu verhindern, dass einzelne Fonds zu einer Gefahr für das Finanzsystem werden.“ Er meint kleinere, ins Risiko verliebte Fonds, nicht die von Blackrock. Der deutschen Aufsichtsbehörde Bafin war die Transparenz bei Blackrock nicht groß genug: Deshalb lehnte sie eine Beteiligung der Amerikaner an der Frankfurter BHF-Bank ab.
Man sieht: Selbst Larry Fink ist nicht alles gelungen. 2006 scheiterte ein großes Immobilienprojekt in Manhattan, die Stuyvesant Town-Peter Cooper Village, in die Blackrock rund 5,4 Milliarden Dollar investiert hatte; die eigenen Kunden verloren viel Geld, allein der kalifornische Pensionsfonds Calpers 500 Millionen Dollar. Dass sich solche Flops nicht wiederholen, dafür will Rob Kapito sorgen, der Mitgründer und Präsident: „Larry steht halt gern im Scheinwerferlicht, und ich kümmere mich gern um das Geschäft und die Kunden.“
Li Jiange reformiert das chinesische Finanzsystem und die Banken.
Foto: laifDas Unternehmen ist fest in Familienhand.
Foto: APEr ist Kontrolleur und doch Reformer. Li Jiange setzt um, was die kommunistische Partei in Peking entscheidet.
Er lächelt in einem fort. Er lächelt nicht aus Unsicherheit, wie es in Asien oft zu beobachten ist, nein, er lächelt aus einer Sicherheit heraus, die auf Autorität beruht. Und während Li Jiange, 67, lächelt, haut er radikal-marktwirtschaftliche Sätze heraus, die nicht dem argumentativen Baukastenprinzip der Kommunistischen Partei entsprechen; deren Mitglieder müssen sich auf Weisung des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping neuerdings wieder wie früher permanent mit „Genosse“ anreden. Dieser Li Jiange ist als stellvertretender Vorstandschef von Central Huijin Investment einer der wichtigsten Macher im Lande, der doch weithin in der Welt unbekannt ist.
Die offizielle Bezeichnung als Vizechef täuscht über die faktische Bedeutung hinweg. Der als Vorstandschef ausgewiesene Ding Xuedong tritt operativ überhaupt nicht in Erscheinung. Ding steht lediglich dem größten Staatsfonds des Landes – China Investment Corporation (CIC) – vor, dem Huijin formal organisatorisch, also bilanztechnisch, zugeordnet ist. In Wirklichkeit überwacht der chinesische Finanzminister Lou Jiwei die ganze Konstruktion; mit ihm bespricht Li Jiange die wichtigsten Strategien. Das macht ihn zum heimlichen Global Player, zum Repräsentanten eines Systems, das sich als Alternative zum West-Kapitalismus begreift. Politisch hat die Regierung von Ministerpräsident Li Keqiang die Verantwortung.
Alternative zum West-Kapitalismus
Huijin Investment ist eine höchst eigenartige, merkwürdige Gesellschaft. Das Staatsunternehmen ist maßgeblich an immerhin 19 Finanzinstitutionen beteiligt, dazu gehören vor allem die vier größten Banken des Landes, die zugleich die Weltspitze unter sich ausmachen.
Da ist zum Beispiel die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), die sowohl nach Marktwert (rund 225 Milliarden Dollar) als auch nach Bilanzsumme (3,4 Billionen Dollar) die größte Bank der Welt ist. Huijin ist an der Finanzinstitution, die sich vornehmlich um die Finanzierung in Maschinenbau und Handel kümmert und die 466.000 Mitarbeiter hat, mit 34,7 Prozent beteiligt; 34,6 Prozent liegen beim Finanzministerium. An der China Construction Bank (CBC), die für die Baubranche zuständig ist, besitzt die Holding Huijin mehr als 57 Prozent, bei der Agricultural Bank of China (Kunden: Bauern) sind es 40,4 Prozent (Finanzministerium: 39,2 Prozent) und bei der Bank of China schließlich, der Bank der Kommunistischen Partei, stehen fast 65 Prozent zu Buche.
Treuhänder für Anleger.
Foto: ReutersZu diesen Beteiligungsverhältnissen kam es, als die vier Staatsbanken an die Börse sollten. Dafür aber brauchten sie genügend Kapital, um die internationalen Richtlinien („Baseler Protokoll“) einzuhalten. Das nötige Geld kam von der Zentralbank; zuständig ist seitdem Central Huijin Investment. Es gibt wohl kein Unternehmen auf der Welt, das so unbekannt ist und gleichzeitig so viel Macht hat wie diese staatliche Finanzholding. Addiert erreichten allein die vier Topbanken Mitte 2016 in ihrem Gehege einen Börsenwert von 680 Milliarden Dollar. Die Bankchefs sind selbstverständlich zuverlässige Parteimitglieder. Ausländische Anleger können sich nur über in Hongkong ausgegebene Aktien beteiligen.
Li Jiange, der Meister des großen Geldes, kontrolliert, ob die Chefs der vier Großbanken ihre Rolle ausfüllen und ob die internationale Ausrichtung der Geldinstitute trägt. Das Hauptproblem ist, dass die vier staatlichen Banken in einigen Bereichen zu viele Darlehen gewährt haben; nun lasten faule Kredite auf der Bilanz. Manche der betroffenen Firmen werden nie in der Lage sein, die Gelder zurückzuzahlen. Für Li Jiange, den Reformer, gibt es nur eine Lösung: „Die von der Regierung geschaffenen sogenannten Zombiefirmen müssen geschlossen werden, oder man muss sie in Konkurs gehen lassen.“
Aus vergangenen Krisen hat Li Jiange seine eigenen Schlussfolgerungen gezogen. „Der Aktienmarkt, aber auch der Immobilienmarkt dürfen von der Regierung nicht dazu benutzt werden, die Wirtschaft anzukurbeln.“ Die Entwicklungsrichtung könne jetzt nur „mehr Markt“ sein und nicht „weniger Markt“. Li, der auch als Wirtschaftsprofessor an der Tsinghua-Universität in Peking lehrt, macht sich für höhere Gehälter stark. Es stört ihn, dass die Gehälter der Spitzenbank gedeckelt sind und somit die Wettbewerbsfähigkeit leide. Der Chef von ICBC verdient weniger als umgerechnet 85.000 Euro im Jahr. Die niedrigen Gehaltsniveaus seien nicht attraktiv, um internationale Manager, die das Land dringend benötige, anzuziehen, erklärt Li: „Unser Problem ist derzeit nicht so sehr das System, sondern vor allem das Personal.“ Und: „Ein Bankchef, der fähig ist, soll auch viel verdienen.“
Die neue Wachstumsrealität
Das chinesische Bankensystem ist nicht sehr mittelstandsfreundlich. Mittlere und kleine Unternehmen kommen kaum an Kredite heran. Das Gros fließt noch immer in Staatsbetriebe. Für Li besteht ein Problem aber auch darin, dass die kleinen Unternehmen nicht genügend Sicherheiten haben, wenn sie Kredite beantragen: „In solchen Fällen geben die Banken im Zweifel kein Geld, das muss sich ändern.“ Experte Li sieht keine Gefahr einer harten Landung in der Realität: „Die chinesische Wirtschaft ist nicht nur flexibel, sondern inzwischen auch sehr zäh. Wenn sie steigt, steigt sie nun nicht mehr so stark. Aber wenn sie sinkt, sinkt sie ebenfalls nicht mehr so stark.“
Zur neuen Normalität der Volksrepublik China gehört, dass nur noch sechs bis sieben Prozent Wachstum erreicht werden sollen. Chinas Regierung will, dass das Geld nicht nur im Finanzsektor zirkuliert, sondern es vielmehr in die Realwirtschaft wandert. „Die sozialistische Marktwirtschaft, wie wir sie seit 1991 in China nennen, ist ein sehr passendes Modell für uns“, bilanziert Li. Dabei habe die Volksrepublik viel gelernt: Soziale Stabilität sei wichtig, während der Markt eine noch größere Rolle spielen soll. Das Credo des Mannes, der über Chinas Wirtschaft entscheidet: „Man muss den Armen helfen, ohne dass die Faulen zu sehr profitieren.“
Verwaltet 1,3 Prozent aller weltweiten Aktien.
Foto: BloombergDie Fidelity-Chefin führt den weltweit viertgrößten Vermögensverwalter, der 2,1 Billionen Dollar für Kunden anlegt. Ihr Privatvermögen wird auf 13 Milliarden Dollar geschätzt.
Sie ist zurückhaltend, fast scheu. Man kann sie leicht unterschätzen. Doch Abigail („Abby“) Johnson, 54, ist eine Frau mit enormem Einfluss. Sie ist Chefin der amerikanischen Fondsgesellschaft Fidelity Investments, die rund 2,1 Billionen Dollar für ihre Kunden anlegt, davon die Hälfte in Aktien. Die Bedeutung wird klar, wenn man sich die Liste der weltgrößten Vermögensverwalter anschaut: Nur drei liegen vor Fidelity.
Damit haben diese Finanzgesellschaft und die introvertierte Frau an der Spitze erheblichen Einfluss auf die Verwendung des Kapitals amerikanischer Sparer. Hinzu kommt noch Fidelity Worldwide mit knapp 300 Milliarden Dollar. Das ist eine rechtlich selbstständige Schwestergesellschaft, die für das Geschäft außerhalb Amerikas, vor allem in Europa, zuständig ist. Dort ist Abigail Johnson Vorsitzende.
Die Johnsons sind schon lange im Finanzgeschäft und haben viel Sinn für Tradition. Abigails Großvater ist Edward Crosby Johnson II – er hat die Finanzfirma nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1946 in Boston gegründet. Das Geschäft ging über auf Edward („Ned“) Crosby Johnson III, Abigails Vater, der geschlagene 37 Jahre an der Spitze stand und immer noch als Präsident der Firma agiert, also als eine Art Oberkontrolleur über die Geschehnisse wacht.
Aus fünf Milliarden werden zwei Billionen Dollar
In der Szene hat der Senior den Ruf eines mutigen Könners, der bei einem Vermögensbestand von fünf Milliarden Dollar übernommen und bei zwei Billionen Dollar abgegeben hat. Der Technik-Fan, dessen Unternehmen 1995 als erste Fondsfirma eine Website gestartet hatte, handelt impulsiv. Seine Tochter geht dagegen eher analytisch vor.
Im Oktober 2014 hat Abigail Johnson voller Elan den Chefsessel übernommen und gleich nach Amtsübernahme erst einmal die Kosten gründlich überprüft. Auch stellte sie das eigene Geschäft mit Unternehmensbeteiligungen, das in der Tochtergesellschaft Devonshire betrieben wird, infrage. Neun Firmen mit 17.000 Mitarbeitern gehören dazu, zum Beispiel die britische Telekommunikationsfirma Colt oder auch eine Tomatenfarm im US-Bundesstaat Maine, die ihrem Vater immer sehr am Herzen lag.
Die Familie Johnson hat Fidelity fest im Griff: Ihr gehört knapp die Hälfte der Anteile, den Rest (51 Prozent) teilen sich die Angestellten. Abigail pflegt ganz und gar die Tradition ihres Vaters und Großvaters – und tritt in der Öffentlichkeit nur sehr selten in Erscheinung. Eitelkeiten und Showtermine lehnt die Fidelity-Chefin ab, die laut „Forbes“ mit ihrem Vermögen von rund 13 Milliarden Dollar zu den 20 mächtigsten Frauen der Welt gehört. Eine Ausnahme von der PR-Abstinenz ist ein Video: Es gibt ein Interview wieder, das sie kurz nach Amtsantritt Moira Forbes gegeben hat.
Im korrekt blauen Hosenanzug spricht Abigail Johnson dort mit der Ausstrahlung einer strengen, doch irgendwie verständnisvollen Schuldirektorin über ihre Karriere und ihre Berufsansichten. Politisch wird es nie. Im Hintergrund ist biederes Mobiliar zu sehen. Dieses TV-Interview ist eine Art Gespräch unter höheren Töchtern: Moira hat mit dem konservativen Verleger Steve Forbes ebenfalls einen mächtigen Vater. Abigail Johnson beweist bei der Plauderei eine Menge Humor und Selbstbewusstsein. So präsentiert sie die These, professionelle Geldanlage sei ein guter Beruf für Frauen, „weil es dabei auf die Intelligenz ankommt“.
Dabei ist die globale Geldbranche ausgesprochen männlich. Nur zehn Prozent der Investmentfonds und zwei Prozent der Hedgefonds werden von Frauen geleitet. Abigail Johnson ist als Chefin ebenso eine Rarität wie Fidelity als Familienbetrieb in den Top Five des Asset-Management-Geschäfts. Eine kurze Zeit war sie bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton gewesen, ehe sie zwei Jahre die Harvard Business School besuchte. In Vaters Firma startete sie 1988 als Analystin.
„Fidelity“ heißt auf Deutsch „Treue“. Kaum eine Marke zielt direkter auf das Vertrauen der Kunden und bringt zum Ausdruck, was der von einem Geldverwalter erwartet: eine Art Treuhänder zu sein. Mit dieser Marke, einer der bekanntesten der Finanzbranche weltweit, hat die Familie Johnson den Aufstieg der Vereinigten Saaten zur Wohlstandsgesellschaft seit der Nachkriegszeit eng begleitet. Mit den riesigen Summen in ihren aktiven Fonds hat Abigail Johnson zahlreiche Stimmen in den Hauptversammlungen großer Aktiengesellschaften. Ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen bestimmen mit über die Kursverläufe und damit auch darüber, in welchem Bereich der Wirtschaft zu welchen Konditionen investiert wird.
Riesige Summen für zahlreiche Stimmen
Gezielt investiert Fidelity auch in neue Unternehmen, die noch nicht an der Börse notiert sind, und ist in diesem Bereich einer der größten Investoren.
2016 war Facebook (Anteil: 2,41 Prozent) mit Abstand der größte Aktienbrocken. Auf den folgenden Plätzen finden sich Google (1,96 Prozent A-Aktien und 1,64 Prozent stimmrechtlose C-Aktien), Apple (2,19 Prozent), Amazon (1,63 Prozent) und Microsoft (1,12 Prozent) – die ganze Herrlichkeit der digitalen Welt von der amerikanischen Westküste. Ausländische Aktien spielen aufs Ganze gesehen nur eine untergeordnete Rolle.
Spezialität der Firma waren viele Jahre lang leistungsstarke aktive Fonds wie der Fidelity Magellan Fund, der allerdings von 106 Milliarden Dollar (1999) auf 14 Milliarden (2014) gefallen ist. Auch der aktuell größte Fonds, Fidelity Contrafund (Juni 2016: 108 Milliarden) muss Abflüsse verzeichnen. Abigail Johnson bietet nach langem Zögern und Zaudern inzwischen auch Indexfonds an und reduziert die Gebühren hierfür deutlich. Zudem entwickelt ihre Fondsgesellschaft einen eigenen Robo-Advisor (automatische Geldanlageberatung) und hat die Zusammenarbeit mit Betterment, einem Spezialisten auf diesem Gebiet, aufgekündigt. Aber der größte Teil des Geschäfts läuft noch immer nach traditionellem Muster ab – in der Hoffnung, dass die Kunden Fidelity die Treue halten.
Norwegens Staatsfonds soll den Wohlfahrtsstaat nach Versiegen der Öl- und Gasquellen sichern. Yngve Slyngstad will das mit ethisch korrekten Investments schaffen.
Kennen Sie Yngve Slyngstad? Der Mann lebt in Oslo, ist ein zentraler Akteur der Kapitalmärkte, und wer die Homepage seines „States pensjonsfond utland“ besuchte, dem konnte ganz schön schwindlig werden. Eine große Ziffer flimmerte monatelang auf dem Display, als gelte es, einen neuen Rekord in einer sportlichen Disziplin zu verkünden. Aber nein, hier verkündete der größte Staatsfonds der Welt, Norges Bank Investment Management (Norges Invest), lediglich im Sekundentakt den aktuellen Marktwert aller Beteiligungen. Im Juli 2016 lag er bei 825 Milliarden Dollar.
Yngve Slyngstad, 54, ist bei dem 1998 gegründeten Fonds von Anfang an dabei. Seit 2008 steht er an der Spitze. Der Norweger hat in Paris (Politik), Kalifornien (Ökonomie) und Oslo (Recht) studiert. Er bringt also viele Talente in seinen Job ein. In lokaler Währung sind es mehr als 7000 Milliarden norwegische Kronen, die sein Fonds verwaltet – verteilt man das Geld auf die fünf Millionen Einwohner des skandinavischen Landes, würde jeder Norweger zum Kronen-Millionär. In Norges Invest fließen die Einnahmen aus dem staatlich kontrollierten Öl- und Gasgeschäft. Und weil die Energiepreise seit 2014 stark gesunken sind, kommen auf den Fonds immer wichtigere Aufgaben zu. Schließlich ist er eingerichtet worden, um den Wohlfahrtsstaat auch nach Versiegen der Energiequellen noch finanzieren zu können. Und der Ölfonds soll den Staatshaushalt in der Balance halten, weswegen Erträge von vier Prozent im Haushalt eingeplant sind. Im ersten Quartal 2016 zog die norwegische Regierung erstmals in der Geschichte aus Norges Invest Geld für den löchrigen Etat ab – insgesamt 2,7 Milliarden Euro.
„Unser Ziel ist es, die bestmögliche Rendite bei einem akzeptablen Risiko zu erzielen“, kommentiert Slyngstad trocken. Seit 1998 beträgt die durchschnittliche Rendite 5,6 Prozent. Ob er damit zufrieden ist, will der Fonds-Chef nicht erklären. Er kann nicht, wie viele andere Fondsmanager, völlig frei entscheiden, wie er das Kapital anlegt. Norges Invest steht unter der Verwaltung der norwegischen Zentralbank, die wiederum die Anlagerichtlinien vom norwegischen Finanzministerium erhält. Und die sahen bis 2007 vor, dass Slyngstad und seine Crew 60 Prozent des Kapitals in ausländische Aktien und 40 Prozent in Anleihen anlegen durften; 2010 ist dieser Anleihe-Anteil auf 35 Prozent reduziert worden; die freigewordenen fünf Prozent investiert Slyngstad in Immobilien. Diversifizierung soll das Risiko mindern. Erste Immobilienkäufe wurden 2011 in Großbritannien getätigt, später kamen Immobilien in den USA und in Frankreich hinzu. Über Details hält man sich am Bankplassen 2 in Oslo, dem Sitz von Norges Invest und der Zentralbank, sehr bedeckt. Slyngstad erklärt auf Nachfrage, weitere Zukäufe in Großbritannien, Deutschland und Frankreich seien geplant. Es ist schwer, von ihm Konkretes zu erfahren, was damit zusammenhängt, dass der Fonds einen enormen Einfluss auf die Finanzmärkte hat. Und Slyngstad will „Good Governance“, eine ethisch korrekte Wirtschaft, und keinen Wildwestkapitalismus. Hier zählt der Kant‘sche Imperativ mehr als Milton Fridmans Radikalökonomie („The business of business is business“).
Outsider in der Finanzwelt
Wegen der Schuldenkrise in Europas und der damit verbundenen geldpolitischen Lockerungen hat sich Norges Invest mehr und mehr vom Euro abgewendet, sieht aber auch Dollar, Pfund und Yen kritisch. Stattdessen begann der Fonds, auf festverzinsliche Papiere aus Ländern wie Türkei, Russland und Taiwan zu setzen, auch mexikanische Staatsanleihen zählen zu den Hauptinvestitionen. Der Fonds ist in 78 Ländern aktiv, nur nicht im eigenen Land, da hier Investitionen zur Überhitzung der relativ kleinen Wirtschaft führen könnten. Die Ölmilliarden stecken in mehr als 9000 Unternehmen, dem Fonds gehören 1,3 Prozent aller auf der Welt ausgegebenen Aktien. In Europa liegt dieser Anteil bei 2,3 Prozent. Zu den größten Investments zählen Nestlé (knapp 2,5 Prozent), Shell (2,0 Prozent), Daimler (2,6 Prozent), BASF (3,0 Prozent), Linde (6,6 Prozent) und BMW (3,0 Prozent). Sogar an Borussia Dortmund (0,2 Prozent) sind die Norweger beteiligt, denen es jedoch keinesfalls um „Trophy Assets“ geht, sondern um eine höchst seriöse Geldanlage.
Slyngstads Leute gelten in der angelsächsisch geprägten Finanzwelt als Outsider, als ernsthafte Experten mit bildungsbürgerlichem Habitus (Bärte, Pullover). „Man hat das Gefühl, es sei eine Auszeichnung, von denen genommen zu werden“, gibt der Finanzchef eines Dax-Konzerns kund.
Die Macht dieses Fonds haben Länder und Unternehmen zu spüren bekommen. Wegen der politisch vorgegebenen ethischen Anlagestrategie hat Norges Invest wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. So beschloss der Finanzausschuss des norwegischen Parlaments, unter dessen Aufsicht der Fonds steht, einstimmig, dass sich Norges Invest aus Energie- und Bergbau-Unternehmen zurückziehen muss, wenn das Kohlegeschäft mehr als 30 Prozent der Aktivitäten und Gewinne ausmacht. Die Regel spürte zum Beispiel der RWE-Konzern. Das Geld der Norweger war so lange perdu, bis die grüne Tochter Innogy selbstständig an die Börse ging. Somit war der RWE-Verbund für Slyngstad wieder interessant. Für ihn ist der Kohle-Exit nicht nur in umweltpolitischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht klug – irgendwann würden ja politische Regulierungen greifen und die betroffenen Konzerne schädigen. Auch Waffen und Tabak sind seit längerem als Anlagefelder für Norges Invest tabu. Der Fonds stieg aus Rüstungsunternehmen wie Textron aus, verkaufte seine Anteile am kanadischen Grubenkonzern Barrick Gold, floh aus Tabakkonzernen wie Philip Morris und stieß Anteile an Boeing und Honeywell ab, weil diese Unternehmen an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sein sollen. Ausgelistet wurden vier asiatische Firmen wie Posco aus Südkorea, die Wald abholzten, um Ölpalmen anzupflanzen. Diskussionen gab es über Investments in deutsche Immobilien wie die „Welle“ in Frankfurt am Main, die über eine Luxemburger Tochter laufen – was Steuern spart, vor allem aber einfacher zu handhaben sei, wie sich Norges-Manager verteidigen. Im Osloer Parlament drängen Politiker darauf, dass Norges Invest künftig Firmen, die sich um Steuern drücken, das Geld entzieht.
VW in der Kritik
Seit dem Abgasskandal steht auch der Volkswagen-Konzern deutlich erkennbar in der Kritik des rührigen norwegischen Staatsfonds. Norges Invest ist mit mehr als einem Prozent des Kapitals einer der größten Einzelaktionäre des Wolfsburger Autobauers. Das Aktienpaket verlor drastisch an Wert. Norges Invest kündigte eine Klage gegen das Management an. Bei der Hauptversammlung verweigerten die Kantianer des Kapitalismus aus Oslo sogar die Entlastung des Vorstands. Die Führungsstruktur in Wolfsburg sei „komplex und problematisch“.
Einst war der norwegische Staatsfonds ein recht stiller Gesellschafter in Unternehmen; heute tritt er wesentlich selbstbewusster auf. Fonds-Chef Slyngstad: „Bei unserer Größe haben wir eine große Verantwortung für eine gute Unternehmensführung.“ Das betrifft beispielsweise Firmen wie den brasilianischen Konzern Petrobras, der durch Korruption ins Blickfeld geriet. Prompte Reaktion des Ölfonds aus Oslo: ausgemustert.