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Trump-Schwiegersohn Jared KushnerSanft, bescheiden, mächtig

Der Schwiegersohn des künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat eine steile Karriere hingelegt: Mit 35 Jahren ist er Immobilien-Unternehmer, Verleger – und bald auch eine Schlüsselfigur im Weißen Haus.Thomas Jahn 18.11.2016 - 15:30 Uhr Quelle: Handelsblatt ePaperArtikel anhören

Jared Kushner mit Ivanka Trump.

Foto: Reuters

New York. Was für eine Hochzeit war das 2009. Schauspieler Russell Crowe und Natalie Portman waren da, die in Amerika berühmte TV-Moderatorin Barbara Walters sowie der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani. 500 Gäste bestaunten vor sieben Jahren im Trump National Golf Club in Bedminster in New Jersey die schöne Braut.

Ganz in Weiß heiratete Ivanka Trump, bei jeder Bewegung glitzerte es. Haarband, Ohrringe und Ringe waren aus Gold und Diamanten mit einem Gesamtwert von 220.000 Dollar. Bei so viel Pracht übersahen nicht wenige den Bräutigam. Das mag auch am Jungengesicht von Jared Kushner gelegen haben, der gleichwohl im schwarzen Frack mit Fliege eine makellose Figur machte.

Genauso mag es der 35-Jährige. Unauffällig, mit sanfter Stimme und bescheidener Haltung legte Kushner in einem Jahrzehnt eine Karriere hin, die sich sehen lassen kann. Mit Erfolg führte er die Immobilienfirma seines Vaters durch die Finanzkrise, kaufte zur rechten Zeit die Zeitung „New York Observer“ und heiratete die Lieblingstochter des neuen US-Präsidenten Donald Trump. „Jared ist ein sehr, sehr erfolgreicher Immobilienunternehmer in Manhattan“, sagte Trump vor einigen Monaten auf einer Wahlveranstaltung. Der Schwiegersohn stand dabei neben ihm, lächelte bescheiden. Trump sagte dann noch etwas, das sich jetzt zu bewahrheiten scheint: „Er mag dies hier mehr als Immobilien.“

Damit meinte Trump die Politik oder besser gesagt die politische Macht. Kushner zog denn auch hinter den Kulissen die Fäden von Trumps Wahlkampfkampagne, organisierte Auftritte, ermittelte Wählerdaten, heuerte Berater an. Gemeinsam mit Stephen Bannon entwarf er die Wahlstrategie, die sich als erfolgreich erwies. Jetzt rückt Kushner ins Weiße Haus auf.

Illegale Spende an Politiker

Trump bricht mit vielen Regeln, auch im Falle Kushners. Seinen Schwiegersohn kann er nicht in sein Kabinett holen. Die US-Gesetze verhindern die Bildung eines solchen Family-Office. Ausgenommen sind Beraterposten etwa im „Intelligence Oversight Board“ des Weißen Hauses. Der Vorteil: Dort dürfen auch Unternehmer sitzen, ohne ihre Geschäftsinteressen aufzugeben.

Schon früh zeichnete sich der Ehrgeiz von Kushner ab. Oft zog er mit seinem Vater auf Baustellen – Charles Kushner war ein erfolgreicher Unternehmer in New Jersey, der in dem Bundesstaat an der Ostküste mit Wohngebäuden ein Vermögen machte. Mit Anfang 20 studierte der Sohn in Harvard, nachdem sein Vater 2,5 Millionen Dollar an die Eliteuniversität gespendet hatte. Das Geld holte sich Jared Kushner schnell zurück. Neben seinem Bachelorstudium investierte er in Häuser in der Nähe von Boston. „Er war immer am Telefon“, erinnerte sich Nitin Saigal, der mit ihm zusammen studierte. Nach dem Verkauf der Objekte soll sich der Gewinn laut „New Yorker“ auf 20 Millionen Dollar belaufen haben.

Die Frühreife zahlte sich aus, als sein Vater für zwei Jahre im Gefängnis landete. Der hatte 385.000 Dollar illegal an Politiker in New Jersey gespendet – im Namen von Geschäftspartnern, die von ihrem Glück nichts wussten. Die Sache flog auf, als Ermittler die Schwester von Charles Kushner – und die Tante von Jared Kushner – davon überzeugten, ihnen zu helfen.

Kredit in Milliardenhöhe

Dabei ging es zu wie im Kriminalroman. Als Charles Kushner von der Kooperation seiner Schwester mit den Behörden erfuhr, heuerte er Detektive an. Die filmten seinen Schwager in einem Motel in New Jersey beim Sex mit einer Prostituierten. „Es war wie bei Sopranos“, erinnerte sich Jeff Tittel, Chef des Umweltschutzverbunds Sierra Club in New Jersey. Ein passender Vergleich, spielt die berühmte Mafia-Serie doch genau in dem Bundesstaat.

2004 übernahm der Sohn die Geschäfte vom Vater. Für sein Alter verhielt sich der damals 23-Jährige smart. Früh erkannte Jared Kushner die Chancen in der nahe liegenden Stadt New York. „Er realisierte, dass er von New Jersey nach New York wechseln muss, um wichtig zu werden“, sagt Mitchell Moss, Professor an der New York University für Stadtplanung.

Die Szene horchte erstmals 2007 auf, als er für 1,8 Milliarden Dollar einen Wolkenkratzer mit der noblen Adresse 666 Fifth Avenue kaufte – nur wenige Blocks entfernt vom Trump Tower. Das war damals der höchste jemals gezahlte Preis für ein New Yorker Gebäude. Kushner kaufte wie üblich in der Branche auf Kredit: 1,2 Milliarden Dollar langlaufender Kredit von Barclays, der Rest waren kurzfristige Schuldverschreibungen.

Erfolgreicher Schachzug

Als 2008 die Finanzkrise ausbrach und die Immobilienpreise einknickten, erlebt Kushner seine erste Krise. Plötzlich war das Gebäude weniger wert als die aufgenommenen Schulden. Der zu diesem Zeitpunkt 27-Jährige bewältigte sie souverän, verkaufte 49 Prozent an die Private-Equity-Gruppe Carlyle. Im Gegenzug erhielt er genug Geld, um die kurzfristigen Schulden zu begleichen, abgesehen davon, dass er die Mehrheit am Objekt behielt. Die Preise erholen sich seitdem.

Ein anderer erfolgreicher Schachzug war 2006 der Kauf des „New York Observer“. Es gab keine offiziellen Zahlen, aber der Preis soll um die zehn Millionen Dollar gelegen haben. Schon damals war klar: Printmedien haben Probleme durch das Internet, die Stadtzeitung verlor an Auflage und schrieb rote Zahlen. Aber für Kushner zählte mehr der Status, den ihm die Zeitung verlieh.

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Der „New York Observer“ wird vor allem von bessergestellten Bürgern gelesen. Früher ähnelte er wegen des rosafarbenen Papiers der „Financial Times“. Nach Kostenkürzungen und einem Relaunch erinnert er heute im Format eher an das „Handelsblatt“. Der Inhalt ist aber gleichgeblieben: Neuigkeiten im New Yorker Gesellschaftsleben, bei Immobilien und aus der Kunstszene.

Aufstieg durch Hochzeit

Der Einfluss von Kushner auf das Blatt ist umstritten. So soll er zwei Reporter dazu gedrängt haben, eine negative Geschichte über einen Konkurrenten zu schreiben. Mit der Chefredakteurin Elizabeth Spiers hatte Kushner großen Streit über die Berichterstattung über die Trump-Wahlkampagne 2012, die er „neutral“ haben wollte, wie sich Spiers später erinnerte. Sie dagegen forderte eine kritischere Tonlage.

Als Herausgeber stieg Kushner in der New Yorker Gesellschaft auf. Als er 2009 Ivanka Trump heiratete, war er oben angekommen – im buchstäblichen Sinne. Die beiden leben in einem hohen Stockwerk im Trump Tower, haben drei Kinder. Kushner hat ein enges, herzliches Verhältnis zum Schwiegervater. Der Aufstieg geht weiter.

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