Schwere Vorwürfe gegen Ratan Tata: Schlammschlacht um Mr. Sauber
Seit 2012 in Rente und nun mit ungeheuren Vorwürfen konftrontiert.
Foto: ReutersBangkok. Um seinen Ruf als Vorzeigeunternehmer musste sich Indiens bekanntester Manager eigentlich keine Sorgen mehr machen: In einem von Korruption geplagten Land galt der 78 Jahre alte Ratan Tata als Musterbeispiel des ehrbaren Kaufmanns. Die Liste der Auszeichnungen ist lang: Mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden, die höchsten Orden Frankreichs und Italiens – sogar die britische Königin ehrte den Mann, der das Familienunternehmen Tata zu einem Weltkonzern mit mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz machte, für seine „Integrität, die den Goldstandard für Geschäftsleute“ darstelle.
Doch obwohl sich Tata vor vier Jahren in den Ruhestand verabschiedete, bekommt sein glänzendes Image nun hässliche Kratzer. Ein Machtkampf um das Firmenimperium, zu dem Jaguar Land Rover, die Teemarke Tetley sowie die Beratungsfirma Tata Consultancy Services gehören, bringt schwere Vorwürfe ans Licht. Es geht um den Verdacht der Vetternwirtschaft und des Betrugs. Ein Abgeordneter fordert nun ein Strafverfahren.
Hintergrund der Anschuldigungen ist eine Schlammschlacht, die seit zwei Monaten Indiens Unternehmenswelt erschüttert. Ende Oktober sorgte Tata, der nach mehr als 20 Jahren an der Konzernspitze seit 2012 in Rente war, für die überraschende Abberufung seines Nachfolgers Cyrus Mistry. Dieser behauptet, er sei gefeuert worden, weil er Missstände im Unternehmen beseitigen wollte. Von seinen Führungsposten bei diversen Tochterfirmen trat Mistry am Montag zurück. Um den Konzern wolle er nun auf einer „höheren Ebene“ kämpfen, sagte er und machte klar, dass er damit einen Rechtsstreit meint.
Mistry beschuldigt Ratan Tata
Mistry wirft Tata vor, nach dessen Abschied vom Chefposten unangemessenen Einfluss auf den Konzern genommen und Skandale ignoriert zu haben. Der jüngste Fall betrifft die Billigfluglinie Air Asia India, die Tata zusammen mit einem malaysischen Partner gründete.
Mistry, in dessen Amtszeit der Deal fiel, sagt nun, das Geschäft sei auf Ratan Tatas Druck gegen seinen Widerstand abgeschlossen worden. Der Wirtschaftsprüfer Deloitte hätte außerdem Zahlungen von mehr als drei Millionen Dollar bei der Airline identifiziert, die unter Betrugsverdacht stehen. Mistry beschuldigt Ratan Tata, der als Interimschef an die Konzernspitze zurückkehrte, den Skandal zu ignorieren und stattdessen weitere Gelder an die Airline freizugeben.
Zudem legt Mistry nahe, der Tata-Patriarch habe Verstöße gegen Insiderhandelsgesetze riskiert und Freunde begünstigt. Im Fokus steht die 100-Millionen-Dollar-Schuld eines Geschäftsmanns mit engen Verbindungen zu Tata, die Mistry nach eigenen Angaben erfolglos einzutreiben versuchte. Es gebe eine „lange Geschichte fragwürdiger Geschäfte“ mit der Person, schrieb Mistry. Kurz zuvor hatte auch der Abgeordnete Subramanian Swamy Zweifel an den Geschäften Ratan Tatas geschürt. Er forderte von Strafverfolgungsbehörden Ermittlungen wegen eines möglicherweise illegalen Vorgehens bei der Beschaffung von Mobilfunklizenzen.
Tata wies die Vorwürfe, die Mistry wiederholte, als „substanzlos und böswillig“ zurück. Seine Kritik will Mistry ohne Rücksicht auf Verluste weiter äußern. Kurzfristig werde Tata zwar Schaden nehmen, schrieb er. Langfristig sei es für das Unternehmen aber besser, den Schmerz jetzt hinzunehmen.