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Ausstellungshit „Geschlechterkampf“Mann und Frau – tödliche Rivalen

Wer sich ein Bild über die Urängste des Mannes machen will, muss nach Frankfurt. Im Städel Museum bekommen Besucher alle Spielarten verhängnisvoller Paarbeziehungen vor Augen geführt. Das Timing könnte kaum besser sein.Regine Müller 26.01.2017 - 13:19 Uhr Artikel anhören

Max Liebermann verwandelt die alttestamentarische Geschichte von Samson und Delila in eine moderne Erzählung.

Foto: Städel Museum/ARTOTHEK

Frankfurt. Wenn man eine Sonderausstellung im Frankfurter Städel Museum besuchen will, muss man erst einmal einen Teil der ständigen Sammlung passieren. So ist man versucht, das Thema der Sonderausstellung bereits bei den Exponaten der Sammlung aufzuspüren. Ein reizvoller Irrtum, denn gerade das Thema „Geschlechterkampf“ (bis 19.3.), das stets in mythischen Szenen, in Paarporträts und Anbahnungsszenen verborgen ist, scheint wirklich unerschöpflich.

Am Ausstellungseingang weisen Wandtexte mit Parolen aus der gesellschaftspolitischen Realität des 21. Jahrhunderts darauf hin, dass der Geschlechterkampf keineswegs passé ist. Tatsächlich könnte das Timing der Ausstellung kaum besser sein. Denn mit der Inthronisierung des offen sexistisch auftretenden Donald Trump gehen nicht nur in Amerika die Frauen wieder auf die Straße, um ihre hart erkämpften Rechte zu verteidigen. Auf der anderen Seite werfen hierzulande Kritiker dem links-liberalen Mainstream vor, mit Quoten- und Genderfragen den Blick fürs Wesentliche verloren zu haben; und mit solcherart weltfremden Luxusdebatten die Bürger in die Arme der Populisten getrieben zu haben. Der Geschlechterkampf ist und bleibt also hochpolitisch.

Das unterstreicht die Frankfurter Schau, auch wenn sie den politischen Aspekt nicht explizit betont. „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ konzentriert sich auf den Zeitabschnitt von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts – etwa bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Rund 150 Werke gebündelt unter zwölf thematische Klammern, die sich mal einzelnen Künstlern – wie etwa Edvard Munch – oder übergreifenden Themen wie „Im Bann der Sphinx“ widmen.

Ein Lieblingsthema von Edvard Munch. Hier das 2 Meter breite, auf Leinwand gemalte Bild "Asche" aus dem Jahr 1925.

Foto: Edvard Munch

Die Ausstellung scheut sich nicht, erstklassige, berühmte Arbeiten von Stuck, Liebermann, Munch oder Kahlo – neben schwül parfümierte Werke aus der zweiten Reihe des Symbolismus zu hängen. Denn die Breite des ästhetischen Ausdrucks bekräftigt nur die Einsicht, dass der dramatische Wandel der Geschlechteridentitäten ab 1850 alles erfasste, uralte Ängste wiederbelebte und neue oftmals verstörende Bilder erzeugte.

Da ist etwa Gustav Adolf Mossas „Sie“, eine dralle Nackte, die dem Betrachter somnambul ins Gesicht blickt und auf einem Berg von miniaturhaften, toten Männerleibern sitzt. Oder Suzanne Valadons „Adam und Eva“, ein Selbstbildnis der Künstlerin mit ihrem 20 Jahre jüngeren Partner, der mit ihr gemeinsam nach dem verhängnisvollen Apfel greift – eine ganz neue Sicht auf das alttestamentarische Geschehen. Im gleichen Raum dann aber „Adam und Eva“ von Franz von Stuck, der Eva getreu der alten Rolle als Verführerin mit Riesenschlange und feuerrotem Apfel zeigt. Die Frau als Verhängnis, als alles verschlingende erotische Urgewalt und als eiskalte Täterin: Diese männlichen Urängste thematisieren etliche der gezeigten Salome-, Sphinx- und Dalila- Versionen.

Aber auch die Frau als Opfer – etwa Josef Scharls erschreckendes Bild „Misshandelte Dirne“ und weitere Exponate der Abteilung „Lustmord und Prostitution“ – ist ein Thema, das in dieser Zeit ungeschönt verhandelt wird. Auch Filme sind zu sehen, etwa Ausschnitte aus „King Kong “ oder „Extase“, der mit Hedy Lamarr die erste Nackte des deutschen Films zeigte.

Im letzten Drittel verfranzt die Schau sich etwas in der Überfülle ihrer Exponate und der allmählich schwer überschaubaren Vielfalt der Spielarten. Insgesamt eine erhellende Schau, von der man gerne einen Teil zwei – 1945 bis 2017 – sehen würde.

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