Naga-Group-Chef Yasin Sebastian Qureshi: Die Schatten der Varengold-Vergangenheit
Alles bestens? Nicht ganz!
Der Erfolg wirkt fast unheimlich. Vier Wochen ist es her, dass die Naga Group mit Vorstandschef Yasin Sebastian Qureshi Details zu ihrem Börsengang veröffentlichte und sich über positive Analystenkommentare freuen konnte. Der angepeilte Ausgabekurs von 2,60 Euro pro Aktie sei günstig, der faire Wert liege bei vier Euro.
Makulatur. Montag ging Naga an die Börse, Dienstag war Qureshis Aktie mehr als neun Euro Wert. Mittwoch stand für eine Weile eine 14 vor dem Komma. Sein Unternehmen, kaum zwei Jahre alt, war gemessen am Aktienkurs plötzlich mehr als 250 Millionen Euro wert.
Alles bestens also bei Qureshi? Nicht ganz. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen im Zusammenhang mit seiner früheren Funktion als Geschäftsführer der Varengold Bank bereiten ihm Sorgen. Qureshi wirkte nervös, als ihn das Handelsblatt am Telefon erreichte. „Ich kann nichts sagen, ich darf nichts sagen“, antwortete der 44-Jährige und verwies auf seine Anwältin. Die sagte kaum mehr: „Zu den Ermittlungen geben wir keinen Kommentar.“
Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen mehrere Personen in der Bank, auch gegen Qureshi. Es geht um den Verdacht auf Steuerhinterziehung. Die Varengold Bank hatte einen Fonds aufgelegt, der darauf abzielte, Profite mit Aktiendeals rund um den Dividendenstichtag zu machen – auf Kosten der Steuerzahler. Die Bank weist die Vorwürfe zurück. Daneben ermittelte auch die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen Qureshi. Über ein Konto der Varengold waren 222 Millionen Euro ungeklärter Herkunft geflossen. Die Staatsanwaltschaft vermutete Geldwäsche. Gegen Qureshi wurde das Verfahren jedoch gerade eingestellt.
Wie lang wird ihm die Vergangenheit nachhängen? Mit der Naga AG will er jedenfalls neu durchstarten – und den Börsenhandel revolutionieren. Das ließ sich auch gut an. Im März 2017 investierte die chinesische Investmentgruppe Fosun 12,5 Millionen Euro. Dass kurz danach der Börsengang folgte, erklärt die Führung mit dem Wunsch, in Zukunft so transparent wie möglich zu sein. Es sind neue Töne von Qureshi.