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Expertenrat – Nora HeerWann ein guter Vorsatz wirklich gut ist

Der Jahreswechsel ist die Zeit für gute Vorsätze. Diese werden jedoch selten durchgehalten – häufig weil sie zu ambitioniert sind. Ziele müssen vor allem klar formuliert werden. Das muss auch Donald Trump noch lernen.Nora Heer 10.01.2018 - 15:10 Uhr Artikel anhören

Der US-Präsident wünscht sich ein „fabelhaftes Jahr“ – undeutlicher geht's nicht.

Foto: Bloomberg

Der Übergang vom alten zum neuen Jahr ist traditionell der Zeitpunkt, mit Vergangenem abzuschließen und Neues mit Elan in Angriff zu nehmen: Hochkonjunktur für gute Vorsätze. Allerdings schafft es nur jeder Zweite, seine Vorhaben auch tatsächlich über das Jahr durchzuhalten. Die meisten Vorsätze haben eine Halbwertzeit von lediglich weniger als drei Monaten. Das wird Fitnessstudios, die zu Jahresbeginn einen starken Anstieg an Neuanmeldungen verzeichnen, freuen. Enttäuscht und desillusioniert sind aber all jene, die hoffnungsvoll ins Jahr gestartet sind und an den eigenen Ambitionen scheitern.

Als Unternehmerin weiß ich um die Bedeutung von Zielen. Diese geben Struktur und eine Richtung vor. Sie ermöglichen mir, nicht nur Aufgaben, sondern auch Verantwortung zu delegieren, was mich in meiner täglichen Führungsarbeit entlastet. Ziele machen transparent, was wir gemeinsam erreichen wollen und sie ermöglichen es – wenn richtig formuliert – Erfolg zu messen. Am allerwichtigsten aus meiner Sicht ist jedoch: Talente und Leistungsträger wollen auf herausfordernde Ziele hinarbeiten. Sie wollen gefordert werden und damit die eigene Entwicklung vorantreiben.

Dabei ist zu beachten, dass Ziele herausfordernd und doch realistisch und erreichbar sind. Zu hoch gesteckte Ziele können frustrierend sein – wahrscheinlich der Hauptgrund für die kurze Dauer der meisten Neujahrsvorsätze. Wer XXL trägt, wird mit dem Ziel „Waschbrettbauch bis zur Badesaison“ höchstwahrscheinlich überfordert sein. Wer seit der Schulzeit keinen Sport mehr getrieben hat, kann sich die Anmeldegebühr für den Marathon im Frühling sparen. Sinnvoller ist es, realistische Ziele zu setzen. Besser eine Etappe schaffen, als grandios am Gesamtziel zu scheitern. Sinnvoll kann es auch sein, angestrebtes Verhalten als Ziel zu formulieren. „Jeden Tag mindestens eine Portion Obst essen!“ ist machbar und hilft ebenfalls, Gewicht zu reduzieren, auch wenn eine Banane am Tag allein noch keine Idealfigur garantiert.

Ziele müssen SMART sein

Der häufigste Fehler beim Vereinbaren von Zielen ist jedoch, dass diese zu schwammig formuliert werden. Ein gut formuliertes Ziel entspricht dem bewähren SMART-Prinzip: spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert. Eine Zielformulierung muss in diesem Sinne klarmachen, was denn genau erreicht werden soll, um Interpretationsspielraum zu vermeiden. Es muss messbar oder zumindest neutral bewertbar sein, ob ein Ziel erreicht oder verfehlt worden ist. Unrealistisch hohe Ziele und Ziele, die für das Individuum weder motivierend noch angemessen sind, entfalten bestimmt nicht die gewünschte Wirkung. Klar ist auch, dass zu Zielen immer ein Termin gehört, bis zu dem das Ziel erreicht werden soll. Bei umfangreicheren Vorhaben empfiehlt es sich, auch Etappenziele zu terminieren.

Der erfahrene Immobilienmanager Donald Trump hat seine erste Jahresetappe als Präsident fast abgeschlossen. Nach der langen Reihe von Pleiten, Pech und Pannen, die er bisher in seiner Amtszeit hingelegt hat, wünscht man sich, dass er sich zum Jahreswechsel ein paar knackige Vorsätze fasst. Außer Wunschdenken war von seiner Seite leider nichts zu vernehmen. 2018 werde für ihn und die USA „ein fabelhaftes Jahr“. Ihm ist deshalb heute schon klar, dass er 2020 wieder gewählt wird. Woher er den Optimismus nimmt, kann ich mir nicht erklären angesichts der beeindruckenden Liste ungelöster Probleme und schwelender Krisen, die er mit ins neue Jahr nimmt.

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Hilfreicher wären da einige sauber formulierte, smarte Ziele gewesen. Zum Beispiel: Über Tweets zweimal nachdenken und diese gegenlesen lassen, bevor ich sie raushaue. Oder: Ich vermeide in Zukunft, verbal mit dem Säbel zu rasseln, um eine weitere Konflikteskalation mit Nordkorea zu vermeiden. Gut gefallen hätte mir auch: „Eine gesunde Umwelt an erster Stelle!“ statt des endlos wiederholten „America first!“. Meine Erwartung, dass der mächtigsten Mann der Welt in der Lage ist, saubere Zielformulierungen zum Jahreswechsel abzuliefern, war wohl zu hoch gesteckt.

Nora Heer ist Gründerin und Geschäftsführerin von Loopline Systems. Mit mehr als zehn Jahren Erfahrung im Bereich Personal und Management von Organisationen hat sie den Aufbau unterschiedlichster Unternehmen vom Start-up bis zum Konzern mitgestaltet und begleitet. Foto: Handelsblatt

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