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Mögliches UmweltverbrechenForscher finden verdächtige Werte eines Ozonkillers in der Atmosphäre

US-Forscher haben verdächtige Messwerte eines Ozonkillers in der Atmosphäre entdeckt. Wird der eigentlich verbotene Stoff irgendwo illegal produziert? 17.05.2018 - 12:12 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Ozonloch über der Antarktis in den Jahren 2006 (r.) und 2013. Nach der Entdeckung des Ozonlochs einigte sich die Staatengemeinschaft auf ein Verbot der Ozon-schädigenden FCKW.

Foto: dpa

Boulder. Amerikanische Forscher sind womöglich einem Umweltverbrechen auf der Spur. Sie fanden verdächtige Messwerte eines Ozonkillers in der Atmosphäre, berichten sie in der Fachzeitschrift „Nature“. Die Gruppe um Stephen Montzka von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Boulder (Colorado, USA) vermutet eine neue, illegale Quelle des Stoffes.

Bei der Substanz handelt es sich um Trichlorfluormethan, das zu den Ozon-schädlichen FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) gezählt wird. FCKW wurden früher unter anderem als Kühlmittel oder als Treibmittel in Spraydosen verwendet. In den 1970er-Jahren erkannten Wissenschaftler jedoch, dass FCKW das Potenzial haben, die schützende Ozonschicht in der Atmosphäre auszudünnen. Dadurch kann mehr schädliche UV-Strahlung der Sonne den Erdboden erreichen.

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Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.
Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.
Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.
Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.
In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.
Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.
Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.
Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Deutlichster Ausweis der Ozonschicht-Schädigung war das in den 1980er-Jahren entdeckte Ozonloch über der Antarktis. Seine Entdeckung sorgte weltweit für ein Umdenken, die Staatengemeinschaft einigte sich schließlich auf eine drastische Reduzierung der FCKW. Seit 2010 gilt ein internationales Produktionsverbot für diese Stoffgruppe.

Allmähliche Erholung

Nach der Ächtung der FCKW konnten Forscher eine allmähliche Erholung der Ozonschicht beobachten, auch wenn der FCKW-Anteil in der Atmosphäre nicht sofort auf Null sank. Das hat zum einen damit zu tun, dass der Abbau der Stoffe in der Atmosphäre zum Teil Jahrzehnte dauert. Zum anderen werden geringe Mengen FCKW weiterhin freigesetzt, wenn etwa alte Kühlschränke verschrottet oder Gebäude abgerissen werden.

Die internationalen Regelungen spiegelten sich zunächst auch in den Messdaten für Trichlorfluormethan in der Atmosphäre wider: Nach einem Stoffmengenanteil von knapp 270 Teilchen pro 1000 in der Mitte der 1990er-Jahre sank der Anteil zunächst kontinuierlich.

Ein neue Quelle für den Ozonkiller

Doch etwa 2012 bekam die Trichlorfluormethan-Kurve einen Knick: Der Stoffmengenanteil sank nicht mehr so stark, wie es zu erwarten gewesen wäre.

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Außerdem zeigt der Verlauf der Kurve innerhalb eines Jahres verdächtige Ähnlichkeiten mit dem Messkurvenverlauf zweier anderer FCKW: Chlordifluormethan und Dichlormethan. Das lasse vermuten, dass alle drei Stoffe aus derselben Quelle freigesetzt werden, so die Forscher

Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass es eine neue Quelle für den Stoff gibt. Mit anderen Worten: Trotz der internationale Vereinbarungen werden FCKW wieder hergestellt - in einer Größenordnung von bis zu 13.000 Tonnen pro Jahr. Anhand von Computersimulationen konnten die Forscher auch das Gebiet eingrenzen, in dem die Produktionsstätte mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen dürfte: Ostasien.

Natürliche Ursache praktisch ausgeschlossen

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Dass es sich wohl nicht um einen natürlichen Prozess handelt, belegten weitere Computerberechnungen: So simulierten die Forscher mit verschiedenen Atmosphärenmodellen die Ausbreitung von Trichlorfluormethan anhand der vorhandenen Messwerte. Aber allein mit natürlichen Faktoren wie dem Luftaustausch in der Atmosphäre waren die Werte nicht zu erklären.

Somit bleibt letztlich nur die Annahme, dass der eigentlich verbotene Klimakiller weiterhin produziert wird. Eine Einschätzung, die auch von nicht an der Untersuchung beteiligten Forschern geteilt wird. So bescheinigt Michaela Hegglin von der University of Reading (Großbritannien) in einem ebenfalls in „Nature“ veröffentlichtem Kommentar dem Autorenteam eine sorgfältige Analyse.

Zugleich betont sie die Bedeutung solcher wissenschaftlicher Untersuchungen: „Die Studie von Montzka und Kollegen zeigt einmal mehr, dass Umweltvorschriften nicht selbstverständlich sind und geschützt werden müssen und dass eine Überwachung erforderlich ist, um die Einhaltung sicherzustellen.“

tt, dpa
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