Kooperation: Genossenschaftsbanken steigen noch stärker bei Finanzierungs-Fintech VAI Trade ein
Der VAI-Trade-Gründer hat zuvor schon die Bezahl-App „Cookies“ gegründet.
Foto: VAI TradeFrankfurt. Sie sind längst keine Besonderheit mehr: Kooperationen zwischen Banken und Finanz-Technologie-Start-ups. Traditionelle Geldhäuser nutzen die Innovationen der jungen Wilden, um ihre Angebotspalette attraktiver zu machen. Dass sich eine Bank schon am Aufbau eines Fintechs beteiligt, kommt jedoch selten vor. Ein Beispiel dafür ist VAI Trade. Die Plattform für Einkaufsfinanzierung wurde vor anderthalb Jahren vom Company-Builder Bridgemaker, der Berliner Volksbank und dem Unternehmer Garry Krugljakow aufgebaut.
Ab sofort ist das Fintech noch stärker mit den Genossenschaftsbanken verbunden: VAI Trade hat eine Kooperation mit der VR Factorem geschlossen, einer 100-prozentigen Tochter der VR Smart Finanz – ehemals VR Leasing Gruppe. Das bestätigte Krugljakow dem Handelsblatt.
Zur Zielgruppe von VAI Trade gehören kleine und mittlere Unternehmen. Deren Finanzierungssituation gestaltet sich nach Einschätzung des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) zusehends problematisch. Das Problem: Traditionelle Banken können mit ihnen kaum Geld verdienen, da ihr individueller Kreditbedarf meist zu gering ist. VAI hilft solchen Firmen finanzielle Engpässe zwischen Wareneinkauf und Verkauf zu überbrücken. „Unsere Kunden sind vor allem Händler aus vielen verschiedenen Branchen, aber auch Handwerker und produzierende Unternehmen“, sagt der Gründer.
Dabei vergibt VAI keine Kredite, sondern zahlt die Rechnungen für zuvor bewilligte Einkäufe. „Die Ware wird an das Unternehmen geliefert, aber die Rechnung geht an uns. Dabei sind wir Wareneigentümer bis zur vollständigen Rückzahlung“, erklärt Krugljakow.
Die Unternehmen zahlen dafür Laufzeitgebühren, werden aber zugleich an möglichen Skonto-Beträgen der Lieferanten beteiligt. Die Gesamtkosten sollen dadurch oft unter den Zinsen eines klassischen Dispokredits liegen. Maximal können Unternehmen auf diese Art Rechnungen in Höhe von 50.000 Euro finanzieren und das höchstens für 180 Tage.
Dank der Kooperation mit VR Smart Finanz soll VAI zum einen Unterstützung bei der operativen Abwicklung der Finanzierungen und beim Risikomanagement bekommen. Zum anderen stellt der Dienstleister der Genossenschaftsbanken eine „höhere siebenstellige Summe“ für die Vergabe weiterer Finanzierungen bereit. „Wir freuen uns, als erfahrener Dienstleister und Partner der Berliner Volksbank mit VAI zu kooperieren“, sagt Olaf Dierksmeier, Vertriebsleiter der VR Smart Finanz. Man wolle damit eine „zukunftsfähige Alternative zu klassischen Finanzierungsformen“ fördern.
Neben VAI Trade haben auch schon andere Fintechs mittelständische Unternehmen als Zielgruppe für Finanzierungsangebote entdeckt. Tradico arbeitet nach dem gleichen Prinzip, zielt mit einer Obergrenze von 1,5 Millionen Euro allerdings auf größere Finanzierungen ab. „Im Gegensatz zu Wettbewerbern konzentrieren wir uns auf eher kleine Finanzierungen“, sagt Krugljakow. Außerdem biete der Markt genug Platz für mehrere Anbieter.
Bleibt die Frage: Was bedeutet eigentlich „VAI“? Das „V“ stehe für Vertrauen und Verlässlichkeit, das „AI“ für künstliche Intelligenz, so der Gründer. Diese Technologie soll bei der Bonitätsprüfung zum Einsatz kommen, befinde sich aber noch im Ausbau.