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Cannes Yachting FestivalTrendwende im Yachtbau? Die Werft Sanlorenzo bricht mit alten Konventionen

Auf dem Cannes Yachting Festival wurde die weltweit erste asymmetrische Motoryacht vorgestellt. Deren ungewöhnlicher Aufbau könnte Schule machen.Norman Kietzmann 12.09.2018 - 14:36 Uhr Artikel anhören

Bei der 31-Meter-Yacht SL102 wurde auf den Gang auf der Backbordseite verzichtet. Stattdessen rückt der Wohnraum mit bodentiefen Fenstern direkt an die Außenkante des Rumpfs heran.

Foto: PR

Cannes. Perspektivwechsel lohnen sich. Davon ist auch Chris Bangle überzeugt. Um nicht in Routine zu verfallen, hat der frühere BMW-Chefdesigner eine eigene Methode entwickelt: Er dreht seine Modelle und Prototypen immer wieder auf den Kopf – und findet so zu neuen Ideen in der Formfindung.

Als er bei einem Besuch in der Werft Sanlorenzo im italienischen La Spezia den Yachtdesignern Bernardo und Martina Zuccon davon erzählte, brachte er das Geschwisterpaar dazu, mit einer Grundregel nautischer Konstruktion zu brechen: der Symmetrie.

Der erste Schritt in diese Richtung ist die 31-Meter-Yacht SL102 von Sanlorenzo, die am Vorabend des Yachting Festivals in Cannes präsentiert wurde und dort noch bis noch bis zum 16. September zu sehen ist. Asymmetrie bedeutet hier vor allem eine bessere Ausnutzung der Grundrisse.

Statt den Wohn- und Essbereich auf dem Hauptdeck von zwei Außenkorridoren einzufassen, wurde auf den Gang an der Backbordseite verzichtet. Stattdessen rückt der Wohnraum direkt an die Außenkante des Rumpfs heran, der sich mit bodentiefen Fenstern nach außen öffnet. Die Wellen, die sich am Schiff brechen, sind damit aus unmittelbarer Nähe zu erleben, weil sie kein Korridor mehr auf Distanz hält.

Positiver Nebeneffekt: Die eingesparten Quadratmeter werden dem Innenraum zugeteilt. Um ihn noch weitläufiger erscheinen zu lassen, kommen am Heck sowie an der Steuerbordseite Schiebewände aus Glas zum Einsatz. Sobald sie geöffnet werden, gehen nicht nur Innenraum und Außendeck ineinander über.

Durch das asymmetrische Design wirkt der Wohnbereich des Schiffes wesentlich weitläufiger.

Foto: PR
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„Es entsteht eine wirkliche Kontinuität zwischen Interieur und Meer“, bringt die Designerin Martina Zuccon den Ansatz auf den Punkt. Den Leitgedanken von Offenheit und Transparenz folgt auch die Möblierung. So lässt sich der große Esstisch im ungenutzten Zustand in den Boden versenken, sodass er die Höhe eines Couchtisch einnimmt und den Blick aufs Wasser freihält.

Dass bei der Raumaufteilung neue Wege beschritten wurde, ist von außen kaum ersichtlich. „Die große Herausforderung lag für uns darin, die Asymmetrie so weit wie möglich zu verstecken. Wenn wir sie offen zur Schau gestellt hätten, wäre die ausgewogene Balance der Linienführung gestört worden“, ist Designer Bernardo Zuccon überzeugt.

Um die Yacht von beiden Seiten identisch wirken zu lassen, wurde der Korridor auf dem Hauptdeck verglast. Die Crew kann sich damit in einem geschützten Bereich bewegen, sodass der Service auch von starkem Wind oder Regen nicht gestört wird. Vier Exemplare der knapp zehn Millionen Euro teuren Yacht sind bereits vor der Premiere verkauft worden. Sanlorenzo-CEO Massimo Perotti plant, die Reihe weiter auszubauen und will 2019 mit dem Modell SL92 die zweite asymmetrische Yacht vorstellen.

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