Kommentar: Der Run auf griechische und italienische Anleihen ist absurd
Investoren greifen bei Anleihen aus allen Euro-Ländern beherzt zu.
Foto: dpaAn den Aktienmärkten hat sich die Unsicherheit rund um die Ausbreitung und die Auswirkungen des Coronavirus gelegt, bei Anleihen ist das nicht der Fall. Investoren greifen verstärkt zu sicheren Anleihen, bei denen sie davon ausgehen, dass sie am Ende der Laufzeit ihr Geld zurückbekommen.
Doch der Run auf die vermeintliche Sicherheit nimmt absurde Züge an. Investoren kaufen in der Euro-Zone längst nicht mehr nur Papiere aus Ländern mit einer sehr guten Kreditwürdigkeit wie Deutschland, den Niederlanden oder auch Frankreich. Selbst Anleihen aus den hochverschuldeten Ländern Griechenland und Italien scheinen für die Investoren so etwas wie ein „sicherer Hafen“ zu sein.
Das zeigt ein Blick auf die Renditen: Anleihen aus Griechenland und Italien rentieren inzwischen unter einem Prozent. Zehnjährige griechische Bonds werfen dabei nur einen Hauch mehr Rendite ab als italienische.
Zu erklären ist die Entwicklung nur mit der Verzweiflung der Investoren. Die negativen Einlagenzinsen und Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank und die Suche der Investoren nach Anleihen im durch Corona verunsicherten Umfeld führen dazu, dass inzwischen wieder 65 Prozent aller Staatsanleihen in der Euro-Zone im Minus rentieren. Verglichen dazu erscheinen die knapp ein Prozent von länger laufenden griechischen und italienischen Anleihen attraktiv.
Nur scheinbar attraktiv
Doch das ist eben nur scheinbar so. Griechenland gilt bei den Ratingagenturen immer noch als riskanter Schuldner im Junk-Bereich, und auch die Bonität Italiens ist mit Ratings im Bereich Dreifach-B nicht über jeden Zweifel erhaben. Doch die Investoren scheren wieder alle Anleihen der Euro-Länder über einen Kamm. Die Risikoaufschläge – also der Renditeabstand zu Bundesanleihen – von griechischen und italienischen Anleihen ist so niedrig wie vor der großen Euro-Schuldenkrise, die vor acht Jahren zur Umschuldung griechischer Bonds führte.
Seither hat sich viel getan. Die Euro-Zone wurde gerettet, und aktuell sind in Griechenland und Italien wieder europafreundlichere und mehr auf Schuldenreduzierung bedachte Regierungen am Zug. Doch das kann sich auch schnell ändern – und die Risikoprämien anziehen lassen.