Kommentar: Der Luftfahrt droht ein heftiges Jahr 2020
Selten zuvor waren es so viele Themen gleichzeitig, die der Branche zusetzten.
Foto: dpaDie Luftfahrtbranche ist es gewohnt, mit Unsicherheiten zu leben. Kaum eine Branche hängt so sehr von externen Faktoren ab – seien es die Entwicklung der Treibstoffpreise, geopolitische Krisen oder Epidemien. Doch selten zuvor waren es so viele Themen gleichzeitig, die der Branche zusetzten.
Da ist der EU-Austritt der Briten, der nun Realität wird. Auch wenn seit Jahren über die Folgen etwa für die Verkehrsrechte diskutiert wird – bis heute sind die Folgen nicht in vollem Umfang klar. Dazu kommen die in vielen Regionen der Welt schwelenden Konflikte, die jederzeit heftiger werden können. Mit fatalen Folgen für die Luftfahrt, wie der Abschuss eines Verkehrsjets über dem Iran gezeigt hat.
Hinzu kommen die Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA, Europa und China. Mal nimmt die Bedrohung hier zu, mal wieder ab. Planen können die Manager kaum. Und jetzt kündigt sich mit Corona auch noch ein neues Virus an, das auf dem besten Weg ist, sich zu einer Pandemie auszuweiten.
Auch der Corona-Vorläufer Sars kam 2002/2003 „in Begleitung“. Damals tobte der Krieg im Irak. Sars brauchte drei Monate, bis der Höhepunkt der Pandemie erreicht war. Die Luftfahrt benötigte rund sechs Monate, bis sich die Nachfrage wieder normalisiert hatte. Angesichts der jetzt schon höheren Opferzahl bei Corona und immer noch vieler ungeklärter Fragen etwa hinsichtlich des Infektionsweges droht der Luftfahrt ein heftiges Jahr 2020.
Für die ehrgeizigen Wachstumspläne der Branche sind diese Entwicklungen brandgefährlich. Die Airlines gehen mit hohen Investitionen in die Vorleistung. Sie haben auch keine andere Wahl. Denn ein neues Flugzeug steht nicht kurz nach Bestellung auf dem Hof. Das Geschäft hat sehr lange Vorlaufzeiten.
Am Ende könnte sich die Krisenlage länger auswirken als gedacht, bis sich die Investitionen in die Zukunft rechnen werden. Kluge, vorausschauende Planung im Management ist gefragt, aber auch Geduld bei den Aktionären.