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KommentarDie Fußball-Bundesliga braucht eine längere Zwangspause

Die deutschen Profiklubs sollten die Realität der Coronapandemie akzeptieren. Nur dann bleibt der deutsche Fußball auch ein „Lagerfeuer“.Hans-Jürgen Jakobs 17.03.2020 - 16:55 Uhr

Wegen des Coronavirus pausiert die Bundesliga.

Foto: dpa

Der Fußball gefällt sich in der Gewissheit, das letzte Lagerfeuer einer atomisierten Gesellschaft zu sein. Er war ja immer und überall Gesprächsthema. Da Kirchen, Parteien und Verbände ungebremst Mitglieder verlieren, ziehen die Verantwortlichen daraus den Schluss, mit neuen Wettbewerben – und im übrigen „business as usual“ – werden die Milliarden auch weiterhin fließen.

In Tagen der Coronakrise ist dieses Idyll rascher verfallen, als es die Akteure begreifen können. Kein Virus richtet sich nach ihrem Spiel- und Finanzplan.

Der aktuelle Beschluss der Branche, die Europameisterschaft um ein Jahr auf Sommer 2021 zu verlegen, ist logisch und überfällig. Eine „Klub-WM“, die die Merkantilisten-Organisation Fifa für diese Zeit ausgeheckt hat, wird somit zum „Vergissmeinnicht“ des globalen Fußball-Kapitalismus.

Den deutschen Leitern des Gewerbes aber nutzt die Causa EM wenig. Da sich Team für Team aufgrund der Pandemie in Quarantäne verabschieden dürfte, ist die Austragung von neun Spieltagen bis Hochsommer unrealistisch. Anders als die Eishockey-Liga, die ihre Saison abbrach, beschlossen die 36 Top-Profiklubs, erst mal nur bis 2. April zu pausieren.

Motto: verzagen, vertagen. Die Fußball-Granden setzen darauf, alle Restspiele ohne Zuschauer austragen zu können – um so 750 Millionen Euro Erlösausfall zu verhindern.

In etlichen Klubs aber ist längst die Erkenntnis gereift, dass „Geisterspiele live“ auch für den Pay-TV-Betrieb Sky, der als „Big Spender“ der Liga auftritt, kaum attraktiver sind als die Übertragung eines Schachturniers. Zumal sich bei wichtigen Spielen die Fans weiter vor den Stadien sammeln würden, was wiederum die Polizei alarmiert.

Fazit: Die DFL braucht auch eine längere Zwangspause. Und sie muss kreativer werden. Was ist mit einem Solidarfonds, Gehaltsverzicht kickender Millionäre und einer Fusion der Spielzeiten 2019/20 und 2020/21? Nur wenn in Tagen von Covid-19 „Aufhören“ eine Option ist, bleibt der Fußball „Lagerfeuer“.

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