Kommentar: Merkel und Söder ergänzen sich in der Krise perfekt
Die Rede von Angela Merkel an die Nation war noch nicht verhallt, da preschte Markus Söder schon wieder vor. Der Ministerpräsident droht seinen Bayern mit flächendeckenden Ausgangssperren. Wo die Kanzlerin noch wohltemperiert in der Fernsehansprache ihre Mahnung formulierte und das Wort Ausgangssperre umschiffte, gab es kurz danach wieder Klartext aus München.
Söder wartet nicht auf Merkel. Bayern nicht auf Berlin. Der Franke war schon immer der Meinung, dass die Länder den Bund bilden und nicht umgekehrt. Jetzt lebt er den Föderalismus voll aus. In der Seuchenbekämpfung haben Ländern und Kommunen viele eigene rechtliche Kompetenzen. Die nutzt Söder klug.
Während etwa der Regierende Bürgermeister von Berlin darauf wartet, dass der Bund aktiv wird, zeigt Söder Handlungsfähigkeit. Er kann das auch, weil die bayerische Verwaltung im Gegensatz zur Hauptstadt klassischerweise funktioniert. Im Notfall handelt Bayern und die anderen Bundesländer folgen dann.
Söder hat sich die Untätigkeit seines Vorgängers Horst Seehofer in der Flüchtlingskrise angesehen und will diesen Fehler nicht wiederholen. Seehofer wurde damals in die Entscheidung, die Grenzen offen zu lassen, nicht mit einbezogen. Die Auswirkungen musste der Freistaat zunächst überproportional schultern. Jetzt dreht Söder den Spieß um und gibt den Takt vor: Ob Schulschließungen oder Wirtschaftsprogramm – Söder präsentiert handfeste Lösungen, wo andere noch Papiere schreiben.
Für Merkel ist der aktive Söder ein Verbündeter. Derzeit ergänzen sie sich in ihrem Temperament ideal. Sie strahlt die Abgeklärtheit und Ruhe aus, die viele Deutsche immer noch schätzen. Söder steht für den aktiven Part, den die Deutschen bei der Kanzlerin vermissen.
Sollte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef mit diesem Stil und seiner Politik Erfolg haben, sammelt er viele Punkte, wenn es in eineinhalb Jahren um die Nachfolge der Kanzlerin geht.