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CoronavirusSpaniens Wirtschaft bleibt durch längere Ausgangssperre paralysiert

Spaniens Premier Sánchez will den Alarmzustand auf vier Wochen ausweiten. Je länger der Ausnahmezustand jedoch dauert, desto schwieriger wird die Erholung.Sandra Louven 23.03.2020 - 17:10 Uhr

Die Ausgangssperre soll bis zum 11. April verlängert werden.

Foto: dpa

Madrid. Gleich zwei Mal richtete sich der spanische Premier Pedro Sánchez am Wochenende an seine Landsleute. Was er verkündete hörte sich an wie eine bevorstehende Apokalypse: „Uns stehen die Auswirkungen der härtesten und schädlichsten Welle noch bevor, die alle unsere materiellen und moralischen Fähigkeiten ans Limit führen wird“, sagte er mit Blick auf die stark steigende Zahl von Infektionen und Toten in seinem Land.

Das war nicht die einzige schlechte Nachricht. Er kündigte auch an, die Ausgangssperre, die bereits seit einer Woche gilt, bis zum 11. April zu verlängern. Der Kongress soll dem in dieser Woche zustimmen.

Weite Teile der spanischen Wirtschaft wären damit mindestens einen Monat lang paralysiert. Je länger der Shutdown dauert, desto schwieriger wird eine schnelle Erholung. Der spanische Staat hat Unternehmen zwar 100 Milliarden Euro an öffentlichen Kreditgarantien zugesagt.

„Wenn aber lange unklar bleibt, wann sich die Lage wieder bessert, werden sich einige Unternehmen entscheiden, ihren Betrieb ganz zu schließen, statt neue Kredite zu beantragen“, sagt Raymond Torres, Chef für Konjunkturanalyse bei der Stiftung der spanischen Sparkassen, Funcas. „Das würde die Produktionskapazität senken und zu einem strukturellen Schaden führen.“

Vier Wochen Stillstand sind nach Ansicht der meisten Experten noch kein Problem. Doch mit einer steigenden Zahl von Infizierten weltweit und einer globalen Unterbrechung der Lieferketten verdüstert sich derzeit der Horizont.

Spanien will einen Hilfsplan

Mit einem Schuldenberg von fast 100 Prozent kann Spanien seinen Unternehmen und Familien nicht so umfassend helfen wie es die deutsche Regierung tut. Sánchez fordert deshalb einen „Marshallplan“ von Europa. Konkret setzt er sich für Eurobonds, einen europäischen Arbeitslosenfonds und Hilfe der Europäische Investitionsbank ein.

Zwar könnte Madrid auch einen Kredit beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) beantragen. „Aber das würde an den Finanzmärkten wie die Rettung des spanischen Staates vor dem Bankrott aussehen und Spanien Probleme bereiten, neue Schulden aufzunehmen“, erklärt Torres.

Madrid wolle deshalb einen Hilfsplan, der für alle Länder offenstehe und sich an konkreten Kriterien wie Liquiditätsengpässen von Unternehmen orientiere, aber nicht als Vehikel zur Rettung eines ganzen Landes daherkomme.

Die Branche, die weltweit am meisten unter der Krise leidet, ist der Tourismus. Er ist just in Spanien besonders wichtig und macht zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Das Ostergeschäft ist für die Branche bereits verloren und viele Unternehmen fürchten auch um die Sommersaison.

Der spanische Tourismusverband Exceltur rechnet bei einer Erholung innerhalb von sechs Monaten mit einem Verlust von fast einem Drittel der erwarteten Einnahmen. Ebenfalls stark getroffen ist die Autobranche, die zehn Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Obwohl sie weiter arbeiten dürfte, sind derzeit alle 17 spanischen Autofabriken geschlossen. Ihnen fehlen sowohl Zulieferteile als auch Käufer.

Gesundheitssystem könnte kollabieren

Spanien ist nach Italien das Land in Europa, das am stärksten von der Coronakrise betroffen ist. Am Montag stieg die Zahl der Infizierten um 4500 an – auf 33.089. 2182 Menschen sind an dem Virus gestorben.

Besonders dramatisch ist die Lage in der Hauptstadtregion Madrid, wo mit 10 .575 Fällen rund ein Drittel aller Infizierten leben. Die Intensivstationen der Krankenhäuser dort laufen bereits über. Experten fürchten in den kommenden Tagen einen Kollaps des Gesundheitssystems.

Inzwischen existiert in Spanien ein ethischer Leitfaden, nach dem Intensivmediziner auswählen, wem sie ein Bett geben. Behandelt wird nicht mehr, wer zuerst kommt, sondern wer die bessere und längere Lebenserwartung hat.

Nach Madrid ist Katalonien, das zweite große Wirtschaftszentrum Spaniens, besonders stark betroffen, mit 5925 Infizierten. Die große Hoffnung ist, dass diese Woche der Höhepunkt der Neuansteckungen erreicht wird und sich der Erfolg der strikten Ausgangssperre zeigt.

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