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Victoria EngelhardtDiese Gründerin startet eine Vermittlungsplattform für Hebammen

In Deutschland gibt es zu wenige Geburtshelfer. In der Coronakrise ist der Bedarf besonders hoch. Victoria Engelhardt will Abhilfe schaffen.Julian Olk 31.03.2020 - 17:00 Uhr

Die Gründerin und Geschäftsführerin des Start-ups Keleya startet mit dem Deutschen Hebammenverband eine digitale Vermittlungsplattform für Hebammen.

Foto: Keleya

Düsseldorf. Ein Symptom des Coronavirus ist die steigende Zahl ambulanter Geburten: Um Kapazitäten zu schaffen, müssen Schwangere in vielen deutschen Krankenhäusern schon einige Stunden nach der Geburt das Krankenhaus wieder verlassen. Die ersten Wochen mit den Säuglingen ist für manche Eltern überfordernd. Umso wichtiger kann dann der Rat einer Hebamme sein.

Dabei leidet Deutschland ohnehin an einem Mangel an Geburtshelfern. „Schon in normalen Zeiten müssen werdende Eltern 20 bis 30 Hebammen anfragen“, berichtet Victoria Engelhardt, Mitgründerin und Geschäftsführerin des Berliner Start-ups Keleya.

Deshalb startet die 30-Jährige am morgigen Donnerstag mit dem Deutschen Hebammenverband (DHV) die digitale Vermittlungsplattform Ammely für Hebammen. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. 2500 der 15000 freiberuflichen deutschen Hebammen haben laut Engelhardt schon Profile auf der Plattform angelegt. Geplant war Ammely ohnehin, dass ihr Start nun mit der Coronakrise zusammenfällt, ist ein passender Zufall.

Auf der Plattform können werdende Eltern kostenfrei ihren Entbindungstermin eintragen und bekommen Vorschläge für Hebammen in ihrer Umgebung. Sagt ihnen eine Hebamme zu, können sie diese anfragen. Über die Auftragsbestätigung einer Hebamme werden die weiteren Angefragten ebenfalls informiert.

Für kurzfristige Anfragen von Müttern, die aufgrund der Coronakrise ambulant gebären mussten, lässt sich die Suche nach Hebammen filtern, die einen Teil der Geburtsnachsorge per Videochat ermöglichen. Auch digitale Geburtsvorbereitungskurse sind so möglich. Vergangene Woche war entschieden worden, dass Hebammen bis Mitte Juni verstärkt auf Beratung und Kursteilnahmen per Videotelefonie zurückgreifen dürfen.

Die Vermittlung auf der Plattform soll kostenlos sein. Finanzieren soll sie sich über Inhalte-Partnerschaften. „Wir wollen aber nicht alles mit Werbung zukleistern, sondern Mehrwertinformationen bieten“, sagt Engelhardt.

Zweitens sollen Hebammen in Zukunft die Möglichkeit bekommen, kostenpflichtige Premium-Accounts mit weiteren Funktionen anzulegen, etwa die Möglichkeit die Urlaubsvertretung über die Plattform zu organisieren. „Ammely soll wie ein kleines Verwaltungssystem für Hebammen zu Arbeitserleichterung werden.“

Premium-Accounts auf Gesundheitsportalen haben auf den ersten Blick einen faden Beigeschmack: Bei manchen Ärztebewertungsportalen gibt es Rechtsstreitigkeiten. Die Kläger behaupten, die Betreiber würden die Plattform so ausgestalten, dass die Premium-Mitglieder eher gefunden würden und mehr Geschäft machen. Diese Gefahr bestehe bei Ammely nicht, sagt Engelhardt: „Im Frontend der werdenden Eltern wird gar nicht zu sehen sein, wer Premium-Mitglied ist und wer nicht.“

Engelhardt hat Keleya 2017 mitgegründet, nachdem ihr eine schwangere einstige Schulfreundin von den Torturen bei der Suche nach einer Hebamme berichtet hatte. Sie hält nach zwei Finanzierungsrunden noch etwa ein Drittel am Unternehmen. Die 30-Jährige war zuvor Beraterin für den Gesundheitssektor bei der Boston Consulting Group. Die Arbeit mit Start-ups kannte sie bereits von ihren beruflichen Stationen bei Rocket Internet und Epic. Engelhardt schloss das Abitur in der Nähe von Karlsruhe als Jahrgangsbeste ab, bereits als 14-Jährige habe sie das Schwester-Magazin des Handelsblatts, die „Wirtschaftswoche“, abonniert.

Keleyas eigentliches Geschäft profitiert ebenfalls von der Krise. Das zwölfköpfige Team bietet eine App mit personalisierten und auf den Zeitpunkt der Schwangerschaft zugeschnittenen motorischen Übungen, Ernährungstipps und einen digitalen Geburtsvorbereitungskurs. Sieben Krankenkassen und -versicherer erstatten die Kosten der App – vor der Krise waren es zwei.

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Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem exklusiven Fachbriefing Handelsblatt Inside Digital Health. Zweimal in der Woche analysieren wir dort die neuesten Entwicklungen im Bereich digitale Gesundheit.

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