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Corona Aus leer stehenden Hotels sollen Notkliniken werden

Bund und Länder wollen die Kapazitäten von Krankenhäusern deutlich erhöhen. Engpässe bei Personal und Material machen eine kurzfristige Aufstockung aber nicht so einfach.
18.03.2020 - 20:19 Uhr Kommentieren
Corona-Ambulanz in der Messe Chemnitz. Quelle: dpa
Coronavirus

Corona-Ambulanz in der Messe Chemnitz.

(Foto: dpa)

Berlin Der Höhepunkt der Corona-Pandemie steht Deutschland noch bevor. Mit einem Notfallplan wollen Bund und Länder erreichen, dass für Infizierte in Krankenhäusern mehr Betten und Beatmungsgeräte zur Verfügung stehen. Wie der Titel „Grobkonzept Infrastruktur Krankenhaus“ schon vermuten lässt, sind bei dem Plan die meisten Details noch offen.

Unklar ist, ob für die beschriebenen Ziele überhaupt genügend Material und Personal mobilisiert werden kann. Auch der zeitliche Rahmen bleibt vage. Das Gesundheitsministerium erklärte am Mittwoch auf Nachfrage lediglich: „Ziel ist es, die Intensivkapazitäten so schnell wie möglich zu verdoppeln.“

Für Krankenhäuser sind im deutschen Föderalismus die Länder zuständig – und sie sollen das Konzept mit den Kliniken vor Ort umsetzen. Baden-Württemberg etwa plant, zunächst in den Kliniken die Zahl der Intensivbetten und der Beatmungsplätze zu erhöhen. Außerdem sollen geschlossene Krankenhausstationen und auch stillgelegte Krankenhäuser wieder in Betrieb genommen werden. „Darüber hinaus werden weitere Unterbringungsmöglichkeiten geprüft“, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart. Es lägen ja noch Pläne für Unterkünfte aus der Flüchtlingskrise in den Schubladen, auch Hotels kämen infrage.

So hätten bereits Hoteliers, deren Häuser wegen des Verbots touristischer Übernachtungen leer stehen, ihre Häuser der Landesregierung angeboten. In dem Bund-Länder-Papier ist die Rede davon, Rehabilitationseinrichtungen, Hotels oder größere Hallen zu Behelfskliniken umzurüsten. Dort könnten die zahlreichen leichteren Behandlungsverläufe versorgt werden. „Dies entlastet dann die Krankenhäuser für schwerere Verläufe“, heißt es in dem Konzept.

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    Dieser Gedanke steht auch hinter dem Plan des Landes Berlin, auf dem Messegelände der Hauptstadt mithilfe der Bundeswehr ein provisorisches Krankenhaus für Coronapatienten aufzubauen. Die Einrichtung wird nicht als Intensivstation konzipiert, sondern soll vorrangig jene älteren Alleinstehenden aufnehmen, die im Krankheitsfall niemand versorgen kann.

    Wann der Bau beginnt, steht noch nicht fest: Nach Angaben der Bundeswehr hatte Berlin am Mittwoch noch kein offizielles Amtshilfeersuchen gestellt. Die Bundeswehr steht auf Anfrage für die Unterstützung des zivilen Gesundheitssystems bereit. Allerdings würden dies zumeist Einsätze von „helfenden Händen sein“, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.

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    Das sei wörtlich zu verstehen: Soldaten kämen vor allem in der Logistik zum Einsatz. Sie beliefern Krankenhäuser, be- und entladen Schutzausrüstungen von Lkws, stellen Gabelstapler zur Verfügung. Schwierig wird es dagegen beim Abkommandieren von Sanitätssoldaten. Die Ärzte und Pflegekräfte würden schließlich auch in den fünf Bundeswehrkrankenhäusern gebraucht, heißt es.

    Ob ausreichend Personal bereitsteht, um die Kapazitäten im stationären Gesundheitsbereich kurzfristig deutlich zu erhöhen, ist fraglich. Vor allem in der Pflege fehlen Fachkräfte, schon jetzt sind Zehntausende Stellen sind unbesetzt. Im Bund-Länder-Papier heißt es, Kliniken sollten das vorhandene Personal zusätzlich für einen möglichen Einsatz in der Intensivmedizin schulen. Auch Medizinstudenten höherer Semester oder Ärzte und Pflegekräfte im Ruhestand könnten aktiviert werden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) könnte ebenfalls herangezogen werden.

    Engpass Pflegekräfte

    Als Personalquelle werden in dem Konzept auch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) genannt. Mit den Ländern sollten sie gemeinsame Konzepte entwickeln, wie bei ihnen beschäftigte Ärzte und Pflegekräfte in der akuten Versorgung unterstützen könnten. Allerdings: Die MDK-Mediziner sind eher Gutachter als praktizierende Ärzte. Sie untersuchen beispielsweise Menschen, um benötigte Leistungen aus der Pflegeversicherung festzustellen. Eine Sprecherin sagte, die Medizinischen Dienste stünden bereit, um in den Gesundheitsämtern oder in Notkliniken auszuhelfen. Allerdings müsse zunächst einmal geklärt werden, welche Aufgaben die abgestellten Fachkräfte dort dann konkret erfüllen sollen.

    Auch bei der Materialfrage gibt es noch einige Fragezeichen. Alle Kliniken und Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten „ihre Lagerbestände, Altbestände und Keller durchforsten“, nach Betten, Liegen oder Beatmungsgeräten, die zusätzlich genutzt werden könnten, heißt es im Bund-Länder-Konzept. Auskunft darüber, wie viel Material in den Kellern deutscher Kliniken schlummert, kann die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nicht geben. Ein Sprecher sagte, die Zahl der Intensivbetten in den Kliniken könnte wohl von aktuell 28.000 auf 34.000 hochgeschraubt werden. Die angestrebte Verdopplung dürfte aber schwierig werden.

    Das Coronavirus kann eine Atemwegserkrankung auslösen. Zur Behandlung schwerer Fälle werden also insbesondere Beatmungsgeräte benötigt, der Bund hat bereits eine Großbestellung von 10.000 Stück in Auftrag gegeben. Bis Anfang nächster Woche soll das Bundesgesundheitsministerium mit den Ländern klären, wann diese Geräte wo eingesetzt werden können. Die Bundesregierung beschafft zudem zentral Schutzkleidung und Atemmasken für das medizinische Personal.

    Auch die Bundeswehr gibt nach eigenen Angaben Schutzausrüstung aus ihren Beständen ab. Zudem bekommt Rheinland-Pfalz 400 Feldbetten für seine Krankenhäuser geliefert, um für den Höhepunkt der Pandemie gewappnet zu sein. Die sechs Einsatzlazarette stünden dagegen nicht zur Verfügung, heißt es. Sie werden in den Auslandseinsätzen benötigt.

    Mehr: Der medizinischen Versorgung droht in der Coronakrise der Kollaps. Hilfesuchende hängen in Warteschleifen, Krankenhäuser verschieben OPs. Der Bund steuert mit einem Notfallplan gegen.

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