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WagniskapitalStudie: Bei vielen Start-ups reicht das Geld nur noch wenige Monate

Die jahrelang von den Venture-Capital-Fonds verwöhnten Firmengründer spüren die Krise. Doch es gibt auch Unternehmen, die davon profitieren.Peter Köhler 07.04.2020 - 08:12 Uhr

Die Unternehmensberatung warnt vor einem Finanzierungsstopp für Start-ups.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Unternehmensberatung EY (Ernst & Young) schlägt Alarm. Die Zeit der immer neuen Rekorde ist für die deutschen und europäischen Start-ups angesichts der Coronakrise vorbei, die Firmengründer und Geldgeber stehen vor einer beispiellosen Belastungsprobe. „Die Mehrzahl der Start-ups ist nur für einige Monate durchfinanziert, danach benötigen sie frisches Geld“, sagt EY-Partner Peter Lennartz.

Die Hoffnungen der Branche ruhten nun auf dem von der Bundesregierung angekündigten Zwei-Milliarden-Euro-Schutzschirm für Start-ups. Auch in anderen Ländern plane die Politik ähnliche Maßnahmen – so habe auch Frankreich ein milliardenschweres Rettungspaket für die heimischen Jungunternehmen angekündigt.

EY sieht in der Coronakrise eine „existenzielle Herausforderung“ für das europäische Start-up-Ökosystem, erwartet werden deutlich sinkende Investitionen und massive Umsatzausfälle. Eine besondere Herausforderung sei die derzeitige Situation auch für die Kapitalgeber, so Lennartz: „Ein Exit ist jetzt sehr viel schwieriger als vor der Krise – die Bewertungen werden nach unten angepasst.“ Für die Investoren gehe es daher nun vorrangig darum, ihre Portfoliounternehmen durch die Krise zu bekommen. „Und sie haben im Zweifelsfall zu entscheiden, welche Geschäftsmodelle tatsächlich noch eine Zukunft haben“, erläutert der Experte.

Für vielversprechende Unternehmen werde es durchaus noch Zwischenfinanzierungen geben – große Neuinvestitionen würden aber deutlich seltener. Einen Exit über einen Börsengang halten viele Beobachter angesichts der hohen Kursschwankungen derzeit für unmöglich.

Es wird laut EY aber auch Unternehmen und Segmente geben, die gestärkt aus der Krise hervorgehen werden. „Digital Health im weitesten Sinne wird boomen – einige dieser Lösungen waren schon in den vergangenen Jahren in Gang gebracht worden, zum Beispiel das E-Rezept oder Online-Sprechstunden. Hier wird sich jetzt die Entwicklung eindeutig beschleunigen“, so Lennartz. Biotech und Medtech würden auch gewinnen.

Die Bereiche Logistik, Food, Onlinehandel, Onlinelearning, Onlinekommunikation und spezielle Softwaremodelle (Saas) könnten mittelfristig ebenfalls einen Aufschwung erleben. Schwieriger werde es hingegen für Start-ups insbesondere aus den Bereichen Travel, Mobility und Events. „Die digitale Start-up-Szene kann viel flexibler auf Veränderungen oder Homeofficeregelungen als traditionelle Unternehmen reagieren“, sagt Julian Riedlbauer, Partner und Leiter des deutschen Büros von GP Bullhound.

Wenn der Krisenmodus an den Finanzmärkten länger anhalten sollte, dann würden auch die Bewertungen der Start-ups unter Druck kommen und die Finanzierungsrunden höchstwahrscheinlich kleiner ausfallen. „Bevorzugt finanziert werden überzeugende Geschäftsmodelle, ich erwarte eine ‚Flucht in die Qualität‘“, so Riedlbauer.

Boom bei Healthcare-Fonds

Ein gutes Beispiel für die momentanen Erfolge im Healthcare-Bereich ist der VC-Fonds Gilde Healthcare V, der jüngst geschlossen wurde. Der neue Venture- und Wachstumskapitalfonds erreichte ein Volumen von 416 Millionen Euro und war trotz heraufziehender Krise überzeichnet.

Im Mittelpunkt des Fonds stehen etwa digitale Gesundheitstechnologie, Medizintechnik und Therapeutika in Europa und Nordamerika. „Mit unserem neuen Fonds werden wir unsere Strategie fortsetzen, in Venture- und Wachstumsunternehmen zu investieren, die neuartige Lösungen entwickeln, die mit besserer Gesundheit bei niedrigeren Kosten einhergehen“, sagt Pieter van der Meer, geschäftsführender Gesellschafter von Gilde Healthcare. „Ein Beispiel hierfür ist die Fernüberwachung von Patienten in der häuslichen Umgebung, die im Kampf gegen Covid-19 heute relevanter denn je ist.“

Die deutsche KfW Capital ist mit 25 Millionen Euro beim Gilde Healthcare V dabei. Die Tochter der staatlichen Förderbank KfW will jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag in die europäische VC-Landschaft investieren, dabei sollen auch ESG-Kriterien noch stärker berücksichtigt werden. Die VC-Branche sei insgesamt dabei, Umwelt, soziale Aspekte und Governance-Themen in ihren Investments stärker zu gewichten, sagte Co-Chef Jörg Goschin zuletzt im Handelsblatt-Interview.

Am stärksten betroffen seien derzeit Unternehmen, die ohnehin kurzfristig neue Liquidität benötigt hätten und deren Situation sich durch corona-induzierte Umsatzrückgänge weiter verschärft habe. „Diese Unternehmen sind schnell auf Liquiditätshilfen und die Zuführung von zusätzlichem Kapital aus ihrem Gesellschafterkreis oder durch die Aufnahme neuer Investoren angewiesen“, glaubt Goschin.

2019 stieg der Gesamtwert der Start-up-Finanzierungen in Europa im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Finanzierungsrunden legte allerdings nur noch um ein Prozent auf 4246 zu. Im zweiten Halbjahr setzte schon eine merkliche Abkühlung im Markt ein.

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Von den fünf größten Finanzierungsrunden gingen 2019 vier an britische Jungunternehmen: Das inzwischen insolvente Internet-Satelliten-Start-up One Web erhielt 1,1 Milliarden Euro. Die 500-Millionen-Euro-Finanzierung für Flixbus war im europäischen Vergleich die sechstgrößte Investition. Jetzt werden die Karten im Markt wieder vollkommen neu gemischt. „Fest steht, dass das europäische Start-up-Ökosystem vor der größten Bewährungsprobe seiner Geschichte steht“, meint EY-Partner Lennartz.

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