Größtes Volksfest der Welt: „Wiesn ist gescheit oder gar nicht“ – Oktoberfest wegen Corona-Pandemie abgesagt
München. Als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vor die Presse traten, lief im Internet noch der Countdown: Noch 151 Tage und 3 Stunden bis zum 187. Oktoberfest.
Doch am Dienstagmorgen verkündeten die beiden das Aus: Wegen der Corona-Pandemie fällt das größte Volksfest der Welt in diesem Jahr aus. „Das Risiko ist schlicht zu groß“, sagte Söder. Man könne in den Bierzelten weder Abstand halten noch Mundschutz tragen. „Die Wiesn ist gescheit oder gar nicht.“ Es sei „unglaublich schade“, denn das Oktoberfest sei das größte und schönste Fest der Welt.
Oberbürgermeister Reiter sagte: „Es ist ein trauriger Tag für mich.“ Für die Münchener und die Bayern insgesamt sei es „das Highlight des Jahres“. Es sei bitter, das nicht stattfinden zu lassen und „hat auch ökonomisch starke Auswirkungen“. Viele würden das Oktoberfest schmerzlich auch im Geldbeutel spüren.
Überraschend kam die Entscheidung nicht. Es sei „schwer vorstellbar“, dass im September die Massen eng nebeneinander in den Bierzelten auf den Bänken sitzen, hatte Söder bereits zuvor gesagt.
Großveranstaltungen sind derzeit offiziell bis Ende August verboten. Doch wird die Pandemie auch danach noch nicht vollständig abgeebbt sein. Und gerade bierselige Massenveranstaltungen wie der Heinsberger Carneval, das Starkbierfest in Mitterteich und die Après-Ski-Partys in Ischgl gelten als Hotspots bei der Verbreitung des Virus in den vergangenen Wochen und Monaten.
Brauereien trifft die Absage besonders hart
Auch wenn die Entscheidung bei Wirten, Schaustellern und Politikern als unausweichlich galt, ist sie nicht leicht gefallen. Denn die wirtschaftliche Bedeutung der Großveranstaltung für Stadt und Umland ist enorm. Der Wirtschaftswert wird auf bis zu zwei Milliarden Euro geschätzt.
Nach Angaben der Stadt ließen die 6,2 Millionen Oktoberfest-Besucher im Jahr 2018 rund 442 Millionen Euro auf der Wiesn. Für Verpflegung, Einkäufe, Taxifahrten und den öffentlichen Nahverkehr gaben auswärtige Besucher weitere 285 Millionen Euro aus. Hotels und Pensionen sowie Gastronomie nahmen 505 Millionen Euro ein.
Auch diese Untersuchung ergab also einen Milliardenumsatz. Die Brauereien leiden ohnehin schon stark unter der Coronakrise. Auch die Hotels und Gastwirtschaften sind von den Corona-Beschränkungen stark betroffen.
Das Oktoberfest ist in der Geschichte bereits zwei Dutzend mal ausgefallen. 1854 und 1873 fiel das Volksfest der Cholera zum Opfer, auch während der beiden Weltkriege fand es nicht statt. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hielten die Veranstalter dagegen an der Wiesn fest.