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BuchrezensionBraucht es mehr Kompromissbereitschaft gegenüber Russland?

Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck plädiert für einen pragmatischeren Umgang mit Russland. Doch wichtige Fragen bleiben offen.André Ballin 23.04.2020 - 13:59 Uhr

Der Politiker ist Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums.

Foto: dpa

Darum geht es: Kooperation statt Konfrontation – Sicherheit für Europa gibt es nur unter Einbindung Russlands. Diese Überlegung ist Ausgangspunkt des aktuellen Buchs von Matthias Platzeck. Elf Jahre lang war der Politiker Ministerpräsident von Brandenburg, ist Chef des Deutsch-Russischen Forums.

Nun kritisiert er das Verhalten der westlichen Welt, bemängelt fehlendes Verständnis für die Transformationsprozesse in Russland. Die „legitimen Sicherheitsinteressen“ der Atommacht würden ignoriert. Alte Feindbilder tauchten wieder auf. Die einst guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland seien zerbrochen.

So fordert Platzeck eine Rückbesinnung auf die Ostpolitik unter Willy Brandt und Egon Bahr. Beide Seiten – Russland und Deutschland – müssten Schritte aufeinander zu machen. Platzeck rät dazu, die deutsche und europäische Außenpolitik wieder pragmatischer zu gestalten, statt vergeblich von der russischen Führung die Übernahme des westlichen Demokratiemodells zu fordern.

Das ist der Autor: Platzeck kennt den Osten. Der gebürtige Potsdamer wuchs in Sichtweite sowjetischer Kasernen auf, erlebte in der ehemaligen DDR den politischen Um- und wirtschaftlichen Zusammenbruch persönlich und als Politiker.

In der Wendezeit der DDR war er als Vertreter des runden Tischs Minister ohne Geschäftsbereich, dann Umweltminister im Land Brandenburg, zwischen 2002 und 2013 führte er Brandenburg als Ministerpräsident.

Das überrascht: Platzecks Forderung nach einem Perspektivwechsel, um zu Kompromissen zu gelangen, ist in der weiterhin stark polarisierten Russlanddebatte anregend. Tiefgründig sind auch seine Überlegungen zu Kremlchef Wladimir Putin, mit dem im Westen oft die Demokratiedefizite Russlands personifiziert werden. Denn auch ohne Putin würde sich Moskau nicht sofort demokratisieren, schreibt der Autor. Und er gibt zu bedenken: Ein Umsturz beinhalte immer ein sicherheitspolitisches Risiko für Europa.

Bei Fertigstellung des Buchs war das Ausmaß der Covid-19-Pandemie noch nicht ersichtlich. Doch viele Thesen des Autors gewinnen angesichts der aktuellen Krise an Dringlichkeit und Relevanz. Platzecks Forderung, die Oberlehrer-Attitüde im Umgang mit der Atommacht abzulegen, ist zwar nicht neu, wird aber viel zu selten beherzigt.

Das nervt: Es ist durchaus irritierend, wie oberflächlich und zurückhaltend im Buch die Kritik an Russland ausfällt. Gerade was das Vorgehen Moskaus in der Ostukraine und auf der Krim angeht, enthält sich der Autor jeder tieferen Analyse.

Dabei hätte das grobe militärische Eingreifen Russlands auf dem Gebiet seines Nachbarlands sicherlich nicht ganz unter den Tisch fallen dürfen. Und wie der von ihm geforderte Verzicht auf Sanktionen den Konflikt in der Ostukraine beenden soll, löst Platzeck für den Leser leider nicht vollends auf.

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