Öl: Ölpreise erholen sich deutlich – US-Öl verteuert sich um 20 Prozent
Brent ist die für Europa wichtigste Ölsorte. Die Sorte WTI stammt aus den USA.
Foto: dpaFrankfurt. Die Erholung der Ölpreise hat sich am Donnerstag fortgesetzt. Im Zuge der anhaltenden Doppelbelastung aus Angebotsschwemme und Nachfrageeinbruch wegen der Corona-Pandemie bleibt der Ölmarkt dennoch angespannt.
Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 22,05 Dollar. Das waren rund acht Prozent mehr als am Vortag. Die US-Sorte WTI wurde zwischenzeitlich je Barrel zu 16,70 Dollar gehandelt. Sie kostete damit rund 20 Prozent mehr als am Mittwoch.
Zum Wochenstart war der Preis eines mittlerweile ausgelaufenen Terminkontrakts auf US-Öl unter die Nulllinie gefallen. Es war das erste Mal überhaupt, dass der WTI-Preis negativ war.
Grund für diesen Preissturz waren neben der Sorge um genügend Rohöl-Lagerkapazitäten auch Engpässe am Lieferterminal Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma. Jedoch litt auch der Preis für europäisches Öl zusehends. Am Mittwoch fiel dieser bis auf 15,98 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 1999. Am Nachmittag erholten sich die Notierungen dann aber sichtlich.
Die Gegenbewegung bei Öl trat ein, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Drohung in Richtung Iran richtete. Trump twitterte, er habe die US-Marine angewiesen, iranische Schiffe zu zerstören, falls diese sich amerikanischen Schiffen in den Weg stellen sollten. Hintergrund war ein Zwischenfall auf offener See.
Der Konflikt zwischen den USA und Iran entlädt sich immer wieder in Spannungen rund um die Straße von Hormus, der wichtigsten Schifffahrtspassage für den weltweiten Ölhandel. 20 Prozent der globalen Ölproduktion werden täglich durch die Passage im Persischen Golf verschifft. Daher sorgen Zwischenfälle in der Region öfter für kurzzeitig steigende Ölpreise.
Warren Patterson, Chefstratege für Rohstoffe bei der ING-Bank sieht darin jedoch kaum mehr als ein Ablenkungsmanöver: „Angesichts der Überversorgung am Ölmarkt fällt es schwer, sich vorzustellen, wie dieser Konflikt Öl längerfristig stützen soll.“
Negative Preise auch bei Brent möglich
Pessimistische Signale kamen auch von der Rohstoffbörse ICE Futures Europe. Bereits am Dienstag gab die für den Brent-Preis entscheidende Handelsplattform bekannt, man bereite sich auch bei der Nordseesorte auf negative Preise vor. Solange Produktionskürzungen nicht mit der eingebrochenen Nachfrage am Markt Schritt halten, erwarte das Unternehmen Preise nahe oder unter der Nulllinie. Derweil passen auch Händler ihre Risikomodelle an die neuen Realitäten an.
Ungeachtet der jüngsten Preissteigerungen ist die Lage am Ölmarkt daher nach wie vor angespannt. Sie ist gekennzeichnet durch eine massiv fallende Nachfrage wegen der Coronakrise, einem viel zu hohen Angebot und zur Neige gehende Lagerkapazitäten. Zuletzt hatte das American Petroleum Institute (API) einen erneut starken Zuwachs der amerikanische Rohölvorräte gemeldet. Am Mittwoch folgte die US-Energiebehörde EIA und teilte ebenfalls einen erheblichen Anstieg der Erdölvorräte mit.
„Der Ölmarkt haben den sehr bearishen EIA-Report weitgehend ignoriert“, sagt ING-Stratege Patterson. Die Zahlen legten nahe, dass die Lagerkapazität am Lieferterminal in Cushing bereits Mitte Mai vollständig ausgeschöpft sein könnte. „Dadurch steigt das Risiko eines erneuten Einbruchs des WTI-Preis“
Auch andere Marktbeobachter schätzten die Turbulenzen am Ölmarkt zuletzt als mehr als nur eine Anomalie des Terminhandels ein. „Obwohl manche die negativen WTI-Preise am Anfang der Woche als Kapriole des Future Marktes sehen - es ist ein unheilvolles Zeichen“, hieß es von Victor Shum, Vizepräsident für Energieberatung beim britischen Marktforschungsinstitut IHS Markit. Es zeige die brutalen Marktkräfte, die die Produzenten dazu zwingen, sich auf eine wesentlich niedrigere weltweite Öl-Nachfrage einzustellen.
Mit Material von dpa
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