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AnlagestrategieDie Vorsicht dominiert: Drei Beispiele, wie Finanzprofis jetzt ihr Depot aufstellen

Profi-Geldmanager betrachten die jüngste Ausgelassenheit an den Märkten mit Distanz. Sie parken Kundenvermögen für günstigere Einstiegsmöglichkeiten.Anke Rezmer 29.05.2020 - 15:16 Uhr

Viele Großinvestoren sehen derzeit an der Börse mehr Chancen in den USA als in Europa.

Foto: dpa

Frankfurt. Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Nach gut dreieinhalb Monaten Trubel an den Börsen angesichts der weltweit grassierenden Covid-19-Pandemie ist die Zuversicht der vergangenen Jahre zurückgekehrt. Zwar zeichnen die Fakten zur Wirtschaftslage rund um den Globus ein trübes Bild.

Doch an der Börse – dem Ort, an dem die Zukunft gehandelt wird – frohlocken Anleger bereits wieder: So sind internationale Aktienindizes wie der deutsche Dax, der Euro-Zonen-Index Euro Stoxx 50 und der führende US-Index Dow Jones von ihren Tiefständen Mitte März schon wieder um mehr als ein Drittel nach oben geklettert.

Positiv stimmt die Anleger nicht nur, dass die Politik nun gezielt angeschlagenen Unternehmen und Sektoren mit Unterstützungskapital in Milliardenhöhe unter die Arme greifen will. Auch die allerorts beschlossenen Lockerungen der Isolation der Bevölkerung sorgen für Erleichterung – und nicht zuletzt, dass sogar der bei den Europäern fast heilige Sommerurlaub am Mittelmeer wieder planbar zu werden scheint.

Dennoch ist nach Einschätzung von Finanzprofis längst nicht alles wieder gut. Mehrere Vermögensverwalter behalten einen eher vorsichtigen Kurs bei – und investieren das Kapital ihrer Kunden nur äußerst zurückhaltend. Das Handelsblatt stellt drei Beispiele für eine Depotstruktur verschiedener namhafter Vermögensmanager vor.

„Depots sollten derzeit stabil aufgestellt sein“, mahnt Geraldine Sundstrom, europäische Leiterin für Anlagestrategien mit verschiedenen Wertpapierarten, genannt Multi Asset, beim US-Fondsriesen Pimco.

Viel Liquidität in Portfolios

Zugleich versuchen Profianleger aber, Renditechancen wahrzunehmen: Konkret setzen die Fondsmanager in solchen aus verschiedenen Anlagearten gemischten Portfolios vor allem auf relativ wertstabile Anlagen und investieren dort, wo sie Ertragsmöglichkeiten trotz Krise erkennen.

Gründe zur Vorsicht sieht die Pimco-Frau mehrere: „Die Kurserholung war rasant und stark – Aktien sind relativ hoch bewertet“, sagt Sundstrom. Weder sei eine zweite Pandemiewelle in den Aktienkursen eingepreist noch eine länger anhaltende Schwäche der Wirtschaft, wenn also eine vielfach erwartete Erholung im zweiten Halbjahr ausfiele.

Denn „die Hilfsmaßnahmen heilen nicht, sondern lindern nur die Symptome“, sagt sie. An den Börsen schauen Investoren durch die aktuell schlechten Zahlen hindurch, ergänzt Florian Bohnet, Researchchef des Robo-Advisor Solidvest des Münchener Vermögensverwalters DJE Kapital.

Weltweit ist die Wirtschaft in eine Rezession gerutscht. Für 2020 rechnen Ökonomen etwa vom Internationalen Währungsfonds mit einem Minus von rund drei Prozent. Exportlastige Länder wie Deutschland könnte es sogar doppelt so hart treffen.

Somit halten Vermögensmanager relativ viel Liquidität in ihren Portfolios – allerdings unterschiedlich pointiert: von 7,5 Prozent bei der Hamburger Sparkasse Haspa über 17 Prozent bei Solidvest und bis 40 Prozent des Portfolios bei Pimco. Typischerweise parken die Geldmanager dieses Kapital in sehr wertsicheren und liquiden kurzfristigen Staatsanleihen und hochqualitativen Firmenanleihen oder Geldmarktfonds.

Um Negativzinsen zu vermeiden, legt Pimco etwa in US-Dollar, schwedische oder norwegische Krone an. Zur Stabilisierung hat die Haspa zudem Gold gekauft, wie Chef-Anlagestratege Bernd Schimmer sagt.

Im Gegenzug gewichten alle Profis die derzeit besonders im Kurs schwankenden Aktien niedriger als üblich in Depots für Anleger mit mittlerer Risikoneigung: Statt wie zu normalen Zeiten 60 Prozent Aktien sind nun bei Pimco nur zehn bis 15 Prozent Dividendenwerte im Portfolio.

Bei Solidvest sind es aktuell 41 Prozent – im März waren es aber weniger als 30 Prozent, erzählt Bohnet. Zuletzt hat der Vermögensverwalter den Aktienanteil wieder hochgefahren, weil bestimmte Indikatoren positiv ausschlugen: Die neuerliche Geldflut der großen Notenbanken und die Stützungsprogramme vieler Staaten geben den Kursen Auftrieb.

Außerdem habe sich die Anlegerstimmung zwar so rasch wie nie in einer Krise erholt. „Dennoch sind Investoren nicht übertrieben optimistisch“, findet Bohnet. Fest macht er das daran, dass Anleger noch überdurchschnittlich viel Geld zurückhalten, viele nicht investierten. Die Stimmungsindikatoren sind allenfalls neutral, resümiert er – vor allem die vielen US-Anleger seien vorsichtig.

Bei dem Robo wird das Kundenkapital nach einer quantitativen Einschätzung der Märkte und Bewertung des Investmentkomitees des Vermögensverwalters konzentriert in generell 30 Aktien und 20 Anleihen investiert, die gleich gewichtet werden. Aktuell sind es aber nur 25 Aktien und 17 Anleihen.

Auch Pimco hat die Aktienquote von fünf Prozent im Kurstief Mitte März wieder etwas aufgebaut, aber „nicht im breiten Markt, nur in einigen robusten Segmenten“, betont Sundstrom. Bei der Haspa bleibe die Aktienquote mit 35 Prozent relativ stabil, Discountzertifikate böten einen zusätzlichen Puffer gegen Verluste und die Chance auf Extrarendite, sagt Schimmer.

Mit diesen Strategien haben Solidvest und die Haspa in diesem Jahr bisher leichte Verluste von 1,75 Prozent und 0,5 Prozent verbucht, Pimco ein kleines Plus von knapp zwei Prozent.

Geldmanager setzen auf globale Trends

Stabile Aktienrenditen fürs Depot suchen die Geldmanager, indem sie auf globale Trends setzen. Die wichtigsten Themen: Die immer älter werdende Gesellschaft in der westlichen Welt und die meist noch jüngere Bevölkerung in den aufstrebenden Ländern und das Thema Gesundheit, das mit der Pandemie eine besondere Aktualität erhält, wie Sundstrom von Pimco sagt.

Dies gelte ebenso für Digitales und Innovationen. Für Solidvest gehören zudem Marken und Luxus dazu. Pimco nennt sieben aktuelle Schlüsselthemen: China, US-China-Verhältnis, Demografie, Populismus, Technologie, Finanzmarktverletzbarkeit, Klima.

Die Vermögensmanager setzen auf Firmen, die davon profitieren. Wichtig sind ihnen in diesen Zeiten, dass Aktien von Firmen mit starken Bilanzen, Geschäftsmodellen und Marktanteilen stammen – sogenannte Qualitätstitel sind -, aus wenig konjunkturanfälligen Branchen wie Pharma-, Gesundheit und Technologie.

Vor allem Software- und Cloud-, Streaming-Anbieter profitierten vom Trend, dass viele zu Hause arbeiten und fast nur daheim sind, meint Sundstrom. Solche Unternehmen erzielten auch in Krisenzeiten überdurchschnittliches Wachstum, meint Schimmer von der Haspa.

Nach Regionen sortiert mögen die Anlageprofis vor allem US-Aktien. Dort konzentrierten sich die Technologie- und Gesundheitsunternehmen. Auf diesen Märkten gebe es wenige Gewinner, die Kunden und Kapital abzögen, meint Bohnet von Solidvest. Solche Papiere könnten daher noch teurer werden, auch wenn Anleger aktuell für Technologieaktien bereits das 20- bis 30-Fache des Firmengewinns zahlen.

Tech-Aktien spielen in der Krise ihre Vorteile aus.

Foto: dpa

Industrietitel kosteten derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 bis 20 deutlich weniger, deren Wachstum sei mit durchschnittlich zwei bis drei Prozent aber auch geringer, argumentieren die Experten. Generell setzen die Profis vor allem auf Aktien großer und sehr großer Firmen, deren Geschäftsmodelle robuster sind als die von Spezialisten.

Europäische Aktien sehen die Geldmanager derzeit dagegen weniger euphorisch. Sundstrom von Pimco hält den europäischen Aktienmarkt für relativ anfällig. Der Vermögensverwalter setzt dort mit Derivaten auf fallende Kurse.

Gründe gibt es mehrere: Firmen weisen weniger robuste Bilanzen im Vergleich zu den US-Unternehmen auf, wie Sundstrom sagt. Europas Wirtschaftssektoren leiden stärker unter dem Konjunktureinbruch der Corona-Pandemie.

Und unter dem Strich agiere die Fiskalpolitik der Länder des Kontinents weniger einheitlich als in den USA. „Bis vor Kurzem hatten wir gar keine europäischen Aktien im Portfolio“, erzählt die Strategin Sundstrom.

Zuletzt habe sie allerdings angefangen, in Automatisierungs- und Robotikprozesse zu investieren: Denn eine Folge von Corona sei eine Art Deglobalisierung und eine Re-Regionalisierung von Produktionskapazitäten.

Und das produziere Kosten, die den stärkeren Einsatz von Automatisierung erfordern. Daher hat sie zwei europäische Werte ins Portfolio aufgenommen, von insgesamt 90 Aktien. Viele sehr konjunkturabhängige Industriewerte aus Sektoren wie Auto, Chemie, Luftfahrt und Touristik würden erst wieder spannend, wenn eine Erholung einsetzt, meint auch Bohnet.

Internationale Aktienfonds zur Stabilisierung

Sundstrom von Pimco gefallen zudem asiatische Aktien, dort vor allem chinesische Onlinehändler und japanische Titel: „Das Land kämpft seit Jahrzehnten immer wieder mit der Rezession, aber Unternehmen sind stets gestärkt daraus hervorgegangen“, sagt sie.

Dort gebe es Firmen mit starken Bilanzen, guten Cashflows. Relativ attraktiv findet sie Tech- und Pharmafirmen – „Japan ist ein wenig verstandener Markt. Wenn die Krise überstanden ist, kann Japan sehr attraktiv werden, zumal das Land nicht in den Handelskonflikt zwischen USA und China verstrickt ist.“ Die Geldmanager der Haspa setzen zur Stabilisierung zudem internationale Aktienfonds ein, die auf Dividendenwerte und Titel mit niedriger Wertschwankung setzen.

Bei Anleihen setzen die Vermögensmanager auf Firmenpapiere und Staatsanleihen guter Qualität. Denn angesichts der kaum noch vorhandenen Zinsen fungieren die Bonds vor allem als Puffer im Depot. Bohnet von Solidvest bevorzugt US-Papiere, da diese noch einen erkennbaren Zinskupon vorweisen.

Für Hochzinspapiere niedrigerer Bonität hält Schimmer von der Haspa die Zeiten für zu schwierig: „Noch ist nicht abzusehen, welche dieser weniger kapitalisierten Firmen überleben“, meint er. Beim Anleihespezialisten Pimco gelangen nur vereinzelt Hochzinstitel ins Portfolio. Ein breiter über Fonds gestreuter Immobilienanteil dient bei der Haspa ebenfalls vor allem zur Stabilisierung des Depots.

Extrem schwer abzuschätzen finden die Experten derzeit, wie es an den Börsen weitergeht: Je nach Hartnäckigkeit der Pandemie halten sie Ausschläge in beide Richtungen für möglich. Allerdings sehen sie einen anhaltend positiven Verlauf für wahrscheinlicher an als einen erneuten Absturz.

Wenn die Kurse jedoch wieder beginnen, deutlich abzusacken, könnten Aktien schnell verkauft und ebenso rasch könnte die Position wieder aufgebaut werden, meint Bohnet. Sundstrom sieht sich daher gut gewappnet mit ihrem ungewöhnlich hohen Liquiditätsanteil: als Puffer oder Kapital zum Nachkaufen.

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