Enise Lauterbach: „Ich habe erkannt, dass die gläserne Decke aus Panzerglas ist und ich Jahre vergeudet habe“
Ihre chefärztliche Tätigkeit kündigte die zweifache Mutter Enise Lauterbach im Juli 2019, um die digitale Transformation der Behandlungsweise der Herzinsuffizienz zu gestalten.
Foto: Michael LauterbachBonn. Von der Chefärztin einer kardiologischen Reha zur Gründerin des Start-ups Lemoa Medical: Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz konzipierte Enise Lauterbach eine App als ein schnell reagierendes Frühwarnsystem für Herzinsuffizienz-Patienten. Es soll die Regelversorgung in puncto Herzinsuffizienz revolutionieren und die bestehende Versorgungslücke schließen.
Inzwischen gibt es eine zweite App, für die Lauterbach Ende 2019 einen Gründerpreis gewonnen hat – ein Messenger von Ärzten für Ärzte. Was die Tochter türkischer Gastarbeiter und zweifache Mutter dazu bewogen hat, ihren Job als Ärztin an den Nagel zu hängen und mitten in der Pandemie ein Unternehmen zu gründen und wie sie die Digitalisierung in der Medizin weiter voran bringen will, erzählt Enise Lauterbach im Interview.
Frau Lauterbach, Sie haben Ihr starres Korsett als angestellte Ärztin gegen die Selbstständigkeit eingetauscht – gab es Momente, in denen Sie Angst hatten, ob das die richtige Entscheidung ist?
Die Vorstellung zu scheitern, zu versagen und Häme ausgesetzt zu sein, ist recht präsent. Noch schlimmer fand ich jedoch den Gedanken, nichts zu wagen und mich selbst zu verlieren, weil ich den Mut nicht aufbringe, meine Idee zu realisieren. Die beste Idee ist aber keine gute Idee, solange niemand davon erfährt. Ich musste es wagen und alles auf eine Karte setzen.