1. Startseite
  2. Arts und Style
  3. Lifestyle
  4. Mallorca-Urlaub und Corona: Wie das Coronavirus zum Ballermann-Killer wird

Mallorca-TourismusWarum das Coronavirus das Ende des Ballermanns bedeuten könnte

Während der Tourismus auf Mallorca langsam hochgefahren wird, bleibt der Ballermann ganz offensichtlich auf der Strecke. Das ist auch Wille der Politik.Michael Wrobel 10.06.2020 - 13:26 Uhr aktualisiert

Mickie Krause (r.) und Jürgen Drews waren in diesem Jahr nur per Livestream zu sehen.

Foto: imago

Palma de Mallorca. Dieses Bild kennt man so von der Playa de Palma eigentlich nicht: Dort, wo um diese Jahreszeit Tausende deutsche Mallorca-Urlauber ausgelassen feiern würden, sitzen nun Spanier und Residenten in den wenigen geöffneten Lokalen. Der Strand ist relativ gut besucht – doch statt Deutsch wird hier fast ausschließlich Spanisch oder Katalanisch gesprochen. Die Mallorquiner haben sich ihre Playa de Palma zurückerobert, so scheint es.

Wegen der Coronakrise steht das normale Partyleben am „Ballermann“ derzeit weitestgehend still. Die großen Partytempel Bierkönig und Megapark sind noch immer wie im Winterschlaf. Derzeit ist es mehr als fraglich, ob hier die Ballermann-Stars wie Jürgen Drews, Mickie Krause, Mia Julia oder Peter Wackel in dieser Saison überhaupt noch einmal einheizen können.

Denn nach dem Willen der balearischen Ministerpräsidentin Francina Armengol sollen die Großraum-Locations Bierkönig, Megapark und Co. so lange dicht bleiben, bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Dies kündigte die Sozialistin vergangene Woche in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe an.

Das Infektionsrisiko sei in Nachtclubs und Discos einfach zu groß, eine Kontrolle von Sicherheitsabständen kaum möglich. Damit dürfte die Regionalpräsidentin die letzten Hoffnungen deutscher Urlauber, in diesem Sommer doch noch am Ballermann den gewohnten Partyurlaub machen zu können, im Keim erstickt haben.

Eigentlich hatte die dritte Phase des vierstufigen Corona-Exit-Plans, mit dem Spanien in eine „neue Normalität“ zurückkehren will, eine Wiedereröffnung auch von Nachtclubs und Diskotheken vorgesehen. Diese vorletzte Stufe ist am Montag auch auf Mallorca in Kraft getreten.

Vorsicht bei Diskotheken und Nachtclubs

Doch für Armengol ist die Wiederbelebung des Nachtlebens „nicht vordringlich und nicht adäquat“, wiederholte die Ministerpräsidentin am Wochenende bei ihrer wöchentlichen Pressekonferenz. Heißt: Mallorca geht einen Sonderweg und lässt Discos und Nachtclubs weiterhin dicht.

Schon in den vergangenen Wochen hatte die Balearenregierung bei der spanischen Zentralregierung in Madrid angeregt, besonders riskanten Hotspots wie Diskotheken und Nachtclubs vorerst keine Öffnungsgenehmigungen zu erteilen.

Man befürchte, dass die wichtigen Abstandsregeln von feiernden und alkoholisierten Urlaubern nicht eingehalten werden. Und wozu solche Zustände führen können, hatte sich zu Beginn der Pandemie im österreichischen Ferienort Ischgl gezeigt. Gar nicht auszudenken, wäre die Pandemie erst in der Hochsaison gestartet: Es wäre ein rauschendes Fest am Ballermann geworden – vor allem für Covid-19.

Gespenstisch leer blieb bislang die berühmte Partymeile auf Mallorca.

Foto: imago

Offenbar will die Balearenregierung die Coronakrise nun tatsächlich nutzen, um die ungeliebten Big Player an der Playa de Palma aus dem Spiel zu nehmen. Schon seit vielen Jahren wird versucht, mit Benimmregeln und Auflagen gegen den Sauftourismus in den Partyhochburgen an der Playa de Palma, im vor allem bei britischen Urlaubern beliebten Ort Magaluf und an der Ausgehmeile Paseo Marítimo in Palma vorzugehen.

Gelungen ist es der Politik bisher nicht. Sollten die Partytempel Bierkönig und Megapark, die jedes Jahr im Sommer Hunderttausende partywütige Urlauber anziehen, nun zwangsweise geschlossen bleiben, würde ein großer Anreiz für einen Partyurlaub auf Mallorca wegfallen.

„Das Eimersaufen ist Geschichte“, wird Armengol schlagzeilenträchtig in dem Interview zitiert. Dieses Kapitel deutscher Partykultur am Ballermann ist zwar schon seit einigen Jahren im Zuge der Benimmregeln in den Party-Hotspots verboten. Doch die Ministerpräsidentin will damit wohl an die Adresse der deutschen Urlauber gerichtet noch einmal unmissverständlich klarmachen, dass die Party am Ballermann nun endgültig vorbei ist.

Gleichzeitig rührt sie die Werbetrommel für einen Qualitätstourismus auf Mallorca: Die Balearen stünden für einen qualitativen und nachhaltigen Tourismus mit Sport, Kultur und kulinarischen Erlebnissen. Das bereits 2019 begonnene Maßnahmenprogramm gegen den Sauftourismus gehe nun weiter, so Armengol.

Man setze auf einen „qualitativen und verantwortungsvollen“ Tourismus, unterstrich die Politikerin am Wochenende. Und die Coronakrise spielt der Regierung dabei nun offenbar in die Karten.

Trinktourismus vor dem Aus?

Armengols Ankündigung dürfte den Verantwortlichen der Branche wenig schmecken. Laut Branchenverband der Clubbetreiber habe man sich bereits seit mehreren Wochen auf die Wiedereröffnungen vorbereitet und tue alles, um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern.

Dass die Regierung die Clubs und Discos nun so lange aufs Abstellgleis stellen will, bis es einen Impfstoff gibt, würde für viele finanziell wohl das endgültige Aus bedeuten. Damit würde sich das Thema Trinktourismus möglicherweise von ganz allein lösen. Was die Regierung jahrelang mit Regeln und Restriktionen versucht hat, könnte ein Virus also nun in wenigen Monaten schaffen.

Doch es ist zu erwarten, dass die großen Player der Szene gegen die verweigerten Öffnungsgenehmigungen kämpfen werden. Von einem Saison-Aus will man jedenfalls noch nichts wissen. „Was wir vorerst sagen können, ist, dass es weder den Tatsachen entspricht noch man Gerüchten Glauben schenken darf, dass der Megapark diesen Sommer nicht öffnet“, teilte etwa der Megapark noch vergangene Woche via Facebook und Instagram mit.

Man verfolge gespannt die gesamte Entwicklung im Umgang mit Covid-19 und hoffe, dass die zuständigen Behörden im In- und Ausland so rasch wie möglich die Grundlagen für eine Öffnung des Megaparks noch in diesem Sommer schafften.

Im Meer zu schwimmen war während der Coronakrise verboten – ausgenommen waren Wassersportler.

Foto: Reuters

Zudem bereite man sich gut vor, „um einerseits alle behördlichen Auflagen – speziell was den Schutz unserer Gäste betrifft – zu erfüllen, andererseits die Magie des Megapark wieder aufleuchten zu lassen“.

Auch der Mitbewerber Bierkönig versucht seine Fans derzeit noch zu besänftigen: „Da sich die Lage aktuell fast täglich ändert, aber noch immer nicht abschließend geklärt ist, wann wieder Urlauber auf die Insel kommen dürfen und unter welchen Auflagen wir öffnen können, müssen wir alle noch etwas Geduld haben„, ließen die Verantwortlichen am Montag verlauten. Man hoffe, dass man schon bald wieder Gäste empfangen dürfe.

Ob mit oder ohne Megapark und Bierkönig – ein normaler Partyurlaub auf Mallorca wird es freilich auf keinen Fall. Denn eine Wiedereröffnung des Ballermanns dürfte nur unter strengen Auflagen geschehen. So kündigte Partysänger Peter Wackel, der auch Botschafter der Qualitätstourismus-Initiative „Palma Beach“ ist, kürzlich in einem Interview an, dass es im Sommer in den Lokalen der Schinkenstraße und der Bierstraße Einlasskontrollen geben wird. So solle die Zahl der Besucher begrenzt werden, um den Sicherheitsabstand einhalten zu können.

10.9000 Deutsche dürfen ab Montag auf die Balearen reisen

Den Tourismus ohne Ballermann-Urlauber fährt Mallorca indes am kommenden Montag wieder langsam hoch. Dann startet ein balearenweites Pilotprojekt mit bis zu 10.900 deutschen Urlaubern, die testweise auf den Inseln Urlaub machen dürfen.

Die spanische Zentralregierung hat am Montagabend endlich grünes Licht für das Projekt gegeben, mit dem die Balearen zwei Wochen vor dem Rest Spaniens ihre Grenzen für ausländische Reisende wieder öffnen. Dabei müssen die Reisenden nicht notwendigerweise Urlauber sein.

Es können auch deutsche Zweithausbesitzer einreisen, teilte der balearische Tourismusminister Iago Negueruela bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag mit. Mit dem Pilotprojekt soll getestet werden, wie der Tourismus und Reiseverkehr in Spanien künftig ablaufen könnte.

Laut Negueruela sollen die 10.900 Plätze über die Fluggesellschaften kontrolliert werden. Die Airlines müssen dafür ihre Flugnummern mit der jeweiligen Auslastung an die Balearenregierung übermitteln. Sobald die Maximalzahl erreicht ist, werde das Projekt gestoppt.

Geplant ist, dass die Passagiere schrittweise auf die Insel kommen - verteilt über 14 Tage. Die Reisenden müssen mindestens fünf Nächte auf den Balearen bleiben. Der Rest Spaniens soll dann am 1. Juli seine Grenzen für ausländische Reisende öffnen.

Urlauber, die an dem Projekt auf Mallorca teilnehmen, werden dafür in vier ausgewählten Hotels an der Playa de Palma und Alcúdia untergebracht. Das Pilotprojekt erfolgt in Zusammenarbeit mit der Balearen-Regierung und den vier Hotelketten RIU, Iberostar, Garden und Viva. Auf deutscher Seite sind die Reiseveranstalter TUI, DER Touristik und Schauinsland Reisen beteiligt.

Gesundheitsbehörden überwachen Reisende

Ein entspannter Urlaub wird es aber indes wohl eher nicht. So bekommen die Passagiere bei Abflug in Deutschland einen Fragebogen, den sie während des Fluges ausfüllen müssen. Somit sollen mögliche Covid-19-Infizierte anhand der Symptome ausfindig gemacht werden. Bei Ankunft auf den Balearen wird bei den Reisenden die Temperatur gemessen.

Darüber hinaus bekommen alle Ankommenden eine Textnachricht auf ihr Handy mit allen wichtigen Notrufnummern auf den Balearen und mit Anweisungen, was im Fall einer möglichen Infektion zu tun ist. Während ihres Aufenthalts werden die Urlauber zudem für weitere Kontrolle von den Gesundheitsbehörden kontaktiert.

In den Hotels gelten zudem strenge Hygiene- und Sicherheitsregeln. Gäste und Hotelmitarbeiter sind angehalten, Abstand zu halten und direkten Kontakt zu vermeiden, Hotelbereiche sollen regelmäßig desinfiziert werden und auch in den Hotelrestaurants wird es keinen normalen Büffetbetrieb geben.

Die normale Quarantänepflicht, wonach sich alle nach Spanien Einreisenden in eine 14-tägige Quarantäne begeben müssen, wird im Rahmen des Pilotprojekts aber wegfallen.

Auf die Maskenpflicht will Spanien jedoch nicht verzichten – und das ebenfalls bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt, ließ der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez zuletzt verlauten. Damit müssten auch Mallorca-Urlauber im Sommer immer dann eine Maske tragen, wenn der Sicherheitsabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann.

Zumindest am Strand und in Restaurants darf die Maske abgenommen werden, in der Schinkenstraße und der Bierstraße bleibt sie jedoch mit Sicherheit Pflicht. Inwieweit das die Party-Urlauber am Ballermann mitmachen werden, bleibt abzuwarten.

Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt